Dirigent und Orchester harmonieren

Anne Freyer

Von Anne Freyer

Do, 04. Oktober 2018

Merzhausen

Beim Herbstkonzert beweist Merzhausens Musikverein Wandlungsfähigkeit, Musikalität und sein hohes Niveau / Lob auch für Nachwuchs.

MERZHAUSEN. Schwungvolle Musik bei freiem Eintritt bot der Musikverein (MV) Merzhausen bei seinem Herbstkonzert. Von diesem verlockenden Angebot machten viele Blasmusikfreunde aus Merzhausen und Umgebung Gebrauch, was die aktiven und passiven Mitglieder und insbesondere Franz Asal freute, der dem MV seit März als Präsident vorsteht.

Der große Saal im Bürgerforum bildete den angenehmen Rahmen für das Konzert. Es stand unter dem Motto "On Air", was so viel bedeutet wie "Auf Sendung". Passend dazu gab es auf der rechten Seite der Bühne ein perfektes Rundfunkstudio, von dem aus Marcel Hiller als Moderator durch die "Sendung" führte. Der angehende Medienjournalist war ganz in seinem Element und hatte sichtlich Spaß an dieser selbstgewählten Aufgabe, was sich auf das gutgelaunte Publikum, aber auch die Aktiven auf der Bühne übertrug.

Der MV Merzhausen ist, wie alle Vereine dieser Art, sehr darauf bedacht, Nachwuchs heranzuziehen und auszubilden. Dass das sehr gut gelingen kann, bewies das Jugendorchester mit seiner Leiterin Tanja Wintergerst. Alles kam frisch und fröhlich daher: die Eingangsmelodie "Everything At Once" ebenso wie Louis Armstrongs berühmter Hit "What a Wonderful World", Coldplays Hymne an das Leben "Viva la Vida" und Mark Fosters "Chöre", neu arrangiert vom MV-Dirigenten Simon Goldschagg. Bei diesem Stück gesellten sich einige der "Großen" hinzu – ein schönes Zeichen für die verbindende Kraft der Musik. Dass das MV-Motto "Unsere Jugend, unsere Zukunft" Früchte trägt, bewiesen die kleinen Absolventen der ersten Prüfung, der sie sich als Nachwuchsmusikanten hatten stellen müssen. Das Jugendmusik-Leistungs-Abzeichen Junior des Bundes Deutscher Blasmusikverbände konnten nicht weniger als neun Kinder entgegennehmen: Kevin Brunner, Lennart Dilger, Benno Eichhorn, Fabian Fry, Jacob Köhn, David Maun, Emilia Rössler, Rafael Wintergerst und Hugo Yu.

Eine klassische Polka mit dem Titel "In der Weinschenke" gab es als Einstieg in das Programm des Gesamtorchesters. Schon hier ließ sich erkennen, dass Simon Goldschagg sein Fach beherrscht, vor allem aber, dass ihm an einem permanenten Kontakt mit seinen Musikern gelegen ist, die denn auch ihrerseits gerne seinem Dirigat folgten. Zuvor hatten sich alle zusammen auf die Suche nach dem Kammerton a begeben; es wurde nicht angefangen, bis der gefunden war. Das kam allen Stücken sehr zugute und machte die teils recht schwierigen Kompositionen zum Genuss, etwa das getragene "And the mother did weep" (Und die Mutter weinte) aus Karl Jenkis’ "Stabat Mater". Aber auch der Auszug aus dem als Musical aufbereiteten Roman von Victor Hugo "Les Misérables" überzeugte mit präzise gesetzten Tempi, Crescendi und Decrecsendi. Dass sie aber auch ganz traditionell spielen können, bewiesen die Merzhausener nach der Pause mit einem Klassiker von Franz Watz, diesmal mit einer Gesangseinlage des Dirigenten.

Dann aber ging es entschlossen in die neue Welt, und zwar mit Georges Gershwins "Fascinating Rhythm", zwar leicht abweichend vom Original arrangiert, aber durchaus faszinierend und im Bigband-Stil, ebenso wie Jacob Haans Hommage an die Berge "Yellow Mountains". Sich über die Deutsche Bahn und ihre Unpünktlichkeit zu mokieren ließ sich Radiomoderator Marcel Hiller nicht entgehen, bot sich doch mit dem sprichwörtlich pünktlichen "Glacier Express" eine Gelegenheit dazu.

Das Publikum im Saal honorierte die Leistungen der Musiker mit anhaltendem Beifall und forderte das Ensemble zu zwei Zugaben heraus, die gern gegeben wurden.