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18. Juli 2011

Eine "Zeitkapsel" für die Nachwelt

Zur Grundsteinlegung für das neue Bürgerhaus in Merzhausen wurde eine Kupferkiste im künftigen Treppenhaus eingemauert.

  1. Stefan Faller (links) und Michael Steible von der Breisacher Firma Wiedensohler verschließen die Kupferkiste. Foto: Silvia Faller

  2. Die „Eintracht“ umrahmte den Festakt (links), bei dem die Vereine (rechts) – hier Hannelore Vonderstraß von den Merzhauser Dorfspatzen – aktuelle Dokumente Bürgermeister Antes /rechts) für die „Zeitkapsel“ übergaben. Foto: Silvia Faller

  3. Foto: Silvia Faller

MERZHAUSEN. Gut 200 Bürgerinnen und Bürger waren am Samstag zur Grundsteinlegung für das neue Bürgerhaus in die Ortsmitte gekommen. Für Merzhausen ist die Feier ein historisches Ereignis. Weil dies nach dem Spatenstich im Februar ein weiterer Schritt ist auf dem Weg zum Bürgerhaus und weil dies die Vielfalt des Merzhauser Gemeinwesens spiegelt. Denn alle Vereine und Einrichtungen verewigten sich in der Zeitkapsel, die in den Grundstein eingemauert wurde.

Genau genommen ist es eine Kiste aus Kupferblech, die sich Stück für Stück gefüllt hat. Denn in einer Kapsel, wie sie 1955 im Vorgängerbau eingebracht wurde, hätten die vielen Erinnerungsstücke gar keinen Platz. Kurz nach sechs ist es soweit: Max Ohnemus vom Bauunternehmen Moser, als Polier selbst auf der Baustelle tätig, aktiviert die Steuerung des Baukrans, der die Kiste an ihren Bestimmungsort heben wird – über den Bauzaun hinein ins Herzstück des Gebäudes. Im Treppenhaus wird sie in die Mauer eingelassen, davor kommt eine Sandsteinplatte mit dem Gemeindewappen.

Die Freude ist Bürgermeister Christian Ante anzusehen. Nach seinem Amtsantritt vor fast genau zwei Jahren haben er und der Gemeinderat auf der Grundlage einer erneuten Bürgerbeteiligung das Projekt Bürgerhaus/Ortsmitte überplanen lassen, woraus sich ein Vorhaben mit einem Investitionsvolumen von rund neun Millionen Euro ergeben hat sowie die Entscheidung, den Bau des Wohn- und Geschäftshaus an der Dorfstraße einem Investor zu überlassen. Bei der Feier auf dem Schulplatz zeigt sich: die Bürgerinnen und Bürger freuen sich riesig, Veranstaltungen und Feste bald im Neubau ausrichten zu können. Almut Witzel von der Johanneskantorei, die einen Brief und ein Plakat eingelegt hat, womit der Chor auf die Aufführung einer Jazz-Messe am Sonntag hinweist, ist überzeugt, "dass auch die Johanneskantorei einmal dort auftreten wird".

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Gerade für die kulturellen Vereine ist es wichtig, einen großen Festsaal mit Bühne zur Verfügung zu haben. Profitieren werden etwa der Männergesangverein (MGV) "Eintracht", Präsident Rüdiger Mäckel legt den Sängergruß des Chores und das Plakat vom Jubiläumsjahr in die Kupferbox, und der Musikverein (MV), der ebenfalls Erinnerungsstücke an das Vereinsjubiläum mitgebracht hat. Der MGV feiert 2011 sein 150-jähriges und der MV sein 100-jähriges Bestehen. Auf die neue Bühne freut sich auch Andreas Verstappen vom "Theater 79", und schöne Fastnachtsfeiern wollen die "Merzhuser Bäretrieber" abhalten. Hannelore Vonderstraß von den Dorfspatzen rührt die Festgemeinschaft mit einem Gedicht: "Stein und Mörtel bilden dieses Haus, … hier breite sich der Frohsinn aus." Claudia Hoch, Leiterin der Hexentalschule, legt eine kleine Schultüte in die Kupferkiste, der katholische Kindergarten hinterlässt die Fingerabdrücke der 110 Jungen und Mädchen, die derzeit die Einrichtung besuchen, die Seniorenbegegnungsstätte ihr Programm, der Chor "Chorioso" unter anderem einen Schlüsselanhänger mit seinem Logo, die evangelische Johanneskirche den aktuellen Gemeindebrief, der Förderverein betreutes Wohnen im Alter einen Bericht zum zehnjährigen Bestehen der Hildegard-Haussmann-Wohnanlage, der Jugendförderverein ein Plakat vom Fest zur Verabschiedung von der alten Halle, die katholische St.Gallusgemeinde ihre Pastoralkonzeption, der Sportschützenverein eine Urkunde, der VfR Merzhausen einen Wimpel und der Verein Pro Bad ein Gläschen Wasser aus dem Bürgerbad. Weiter hinterlassen die Schachfreunde Schwarzweiß Merzhausen, die Gartenfreunde, der Partnerschaftsverein, der Kulturverein Artisse Erinnerungsstücke.

Aus dem Rathaus kommt ein ganzes Bündel: die Baupläne aus dem Büro Hotz, die Festschrift zum 1225-jährigen Ortsjubiläums und die Zeitkapsel mit den originalen Dokumenten, die der frühere Bürgermeister Johannes Kuner 1955 bei der Grundsteinlegung für die alte Festhalle und die frühere Grundschule vorbereitet hatte.

Von "schicksalsschweren Jahren" ist in der historischen Urkunde die Rede, davon, dass es zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ein Kraftakt für die Gemeinde war, eine Schule und eine Festhalle zu errichten, dass 60 Männer und Frauen aus Merzhausen im Krieg umgekommen waren, 21 Männer im Jahr 1955 noch vermisst und ein Mann noch in Gefangenschaft war. "Der Rückblick auf diese Zeit tut gut", sagt Bürgermeister Christian Ante. "Denn er zeigt uns, wo wir stehen und wie gut es uns heute geht."

Autor: Silvia Faller