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04. Juli 2011
Es braucht erfahrene Partner
Um Wohnformen im Alter ging es beim dritten Seniorenforum in Merzhausen / Verschiedene Einrichtungen stellten sich vor.
MERZHAUSEN. Das Thema demografischer Wandel ist überall präsent – auch in Merzhausen. Formen des Zusammenlebens und Wohnens älterer Menschen wurden beim dritten Merzhauser Seniorenforum vorgestellt. Die Absicht von Bürgermeister Christian Ante ist es, "Offenheit für das Thema" in der Gemeinde herzustellen. Und sein Fazit war: Will die Kommune oder wollen private Initiativen Angebote auf den Weg bringen, brauchen sie einen Partner mit Erfahrung.
Schon präsent ist in Merzhausen die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Freiburg als Trägerin der 1998 eingeweihten Hildegard-Haussmann-Wohnanlage gegenüber dem Rathaus. Die Gemeinde selbst ist Eigentümerin des Gebäudes und vermietet die 19 Wohnungen. Verbunden ist die Gemeinde auch mit dem Caritasverband Breisgau-Hochschwarzwald. Durch die Mitfinanzierung des 2007 in Ehrenkirchen mit 82 Plätzen eingeweihten Prälat-Stiefvater-Hauses hat sie zwei Belegungsrechte erlangt. Beide Einrichtungen wurden beim Seniorenforum vorgestellt.Weiter erläuterte Projektentwickler Jürgen Feldmaier aus Freiburg am Beispiel der Wohngruppe "Woge" für zehn Demenzkranke im benachbarten Vauban, wie sich Finanzierung, Planung und Gestaltung einer selbst organisierten Wohnform auf den Weg bringen lassen.
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Die Referenten – Bernhard Scherer, Geschäftsführer des Kreiscaritasverbands, Inge Mais-Kemmler von der AWO und Jürgen Feldmaier – stellten klar, dass die drei vorgestellten Wohnformen nicht vergleichbar sind. Der Caritaskreisverband hat das Pflegeheim in Ehrenkirchen auf der Grundlage des Kreispflegeplans als stationäre Einrichtung errichtet. Betreutes Wohnen nach dem Muster der AWO ist Wohnen zur Miete plus sozialer Begleitung und Beratung und etwas Pflege, wobei all diese Leistungen zusätzlich bezahlt werden müssen. Und bei der Wohngruppe "Woge" handelt es sich um ein gemeinschaftliches Wohnen zur Miete, wobei ein Verein, dem in erster Linie Verwandte angehören, die Verwaltung verantwortet und dafür sorgt, dass die Angehörigen die vertraglich vereinbarte Mitarbeit erbringen und die Bewohner die individuell nötigen pflegerischen Leistungen erhalten.
Es sei wichtig, so bestätigten die Fachleute Bürgermeister Christian Ante, dass sich kommunale Gremien darüber Gedanken machen, wie ältere Mitbürger im Ort wohnen bleiben können, auch wenn Gebrechen, Krankheiten oder einfach nur die abnehmende Körperkraft eine eigenständige Lebensführung erschweren oder gar unmöglich machen. Herausgestellt wurde, dass eine intensive Begleitung und Pflege – wie sie vor allem Hochbetagte und Demenzkranke benötigen – von Angehörigen, Freunden oder Nachbarschaftshelfern nur sehr schwer geleistet werden kann. Im Ehrenkirchener Pflegeheim etwa beträgt das Durchschnittsalter 95,5 Jahre und die Hälfte der Bewohner leidet unter Demenz.
Die Diskussion der Teilnehmer war kurz. Sie drehte sich im Wesentlichen um die Wahlfreiheit bei der Entscheidung für einen Pflegedienst, auch nach dem Umzug in eine Wohnanlage oder Wohngruppe. Weiter zeigte eine Besucherin auf, dass man sich von der Begleitung in einer betreuten Wohnanlage nicht allzu viel versprechen könne. Michael Maluck, Vorsitzender des Kreisseniorenrats, erläuterte, dass bundesweit über alternative Wohnformen diskutiert werde, und zwar in Abgrenzung zur Pflege im Heim. Die Merzhauser Gemeinderätin Ulrike Bernius relativierte mögliche Ängste vor Pflegeheimen. Renate Feißt, Vorsitzende des Vereins "Woge", stellte klar, dass bei der Planung und Gestaltung einer Wohngruppe von vornherein klar sein müsse, ob sich das Angebot an Demenzkranke richtet soll. "Denn ihre Begleitung ist ganz anders als bei Menschen, die in erster Linie auf körperliche oder medizinische Pflege angewiesen sind", sagte sie.
Weitere Anregungen neben dem Hauptthema des Forums waren, beim Eingang zum Friedhof eine Haltebucht für Autos und ein Baumfeld für Urnenbestattungen anzulegen. Es gab auch Kritik, weil ein Vereinsvorsitzender im Bürgersaal seinen Geburtstag bis in die frühen Morgenstunden lautstark gefeiert hatte. Einige Senioren bemängelten zu wenig Kontrolle und Polizeipräsenz angesichts von Falschparkern und randalierenden und lärmenden Jugendlichen im Bereich des Rathauses und der Grundschule.
Ein erstes Seniorenforum fand in Merzhausen 2010 statt. Umgesetzt wurden bisher der Abholservice per Telefon (AST) in Zusammenarbeit mit der Freiburger VAG, das Internetcafé in der Begegnungsstätte und die Umzäunung des Sportgeländes an der Nordseite der Sporthalle, um Lärm zu mindern. In diesem Jahr wird die Gemeinde die Zugänglichkeit der Gräber auf dem Friedhof verbessern. Auch werden bei der Neugestaltung der Ortsmitte die Bedürfnisse älterer Menschen berücksichtigt. Beim Seniorenforum 2012 soll es um Patientenverfügungen und Testamente gehen.
Autor: Silvia Faller
