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10. Februar 2012

Konzerte, die in Erinnerung bleiben

"Coro piccolo" aus Merzhausen, das Ensemble Baroque und Solisten musizierten gemeinsam.

  1. Das Ensemble Baroque, die Sopranistin Ulrike Rüttgardt, der Countertenor Tobias Knaus und der Coro Piccolo bei ihrem Konzert mit ausgesuchter Barockmusik. Foto: Anne freyer

HEXENTAL. Einen außergewöhnlichen Musikgenuss hatte sich der musikalische Leiter des Kantorats St. Gallus Merzhausen, Tobias Frass, als Auftaktveranstaltung für das neue Jahr ausgedacht: Zusammen mit dem "Coro piccolo St. Gallus", zwei Gesangssolisten und einem ausgesuchten Barockensemble gastierte er zunächst in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Kirchhofen und dann in der Kirche St. Gallus in Merzhausen.

Leider waren der Einladung zum Auftaktkonzert in der prächtigen Kirchhofener Barockkirche wohl infolge der strengen Kälte nicht viele Musikliebhaber gefolgt, aber die wenigen erlebten einen Abend, der ihnen noch lange in guter Erinnerung bleiben dürfte. In Merzhausen hingegen, der Heimatgemeinde des Chors und seines Leiters, reichte die vorgesehene kleine Barockkirche nicht aus und musste das Ensemble des großen Andrangs wegen in die große Kirche umziehen.

"Laudate Dominum" nach dem 5. Satz aus Mozarts "Vesperae solennes de Confessore" war das Konzert überschrieben, und in der Tat, dieser Titel passte auf jeden der Programmbeiträge. Zeitlos schön: "O sing unto the Lord a new song" aus Georg Friedrich Händels "Cannons Anthem". Die sieben Sätze, je nach Thema unterschiedlich besetzt und interpretiert, bildeten den Auftakt und bereiteten überzeugend auf den weiteren Musikgenuss vor. Alle Beteiligten durften hier bereits ihr Stimmen erschallen lassen: der bestens aufeinander eingestellte zwölfköpfige Chor, die Sopranistin Ulrike Rüttgardt und der Countertenor Tobias Knaus, einfühlsam begleitet vom "Ensemble Baroque" mit Nuria Schmidt, Oboe, Dorothea Glander und Christiane Engelke, Violinen, Nika Tamura, Violoncello, und Sophia Scheifel, Kontrabass. Später kam dann noch Caroline Bootz, Orgel, hinzu.

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Es ist immer wieder anrührend und spricht für die Zeitlosigkeit des Musikstils des Barock, wenn sich junge Menschen des 21. Jahrhunderts so sehr dafür begeistern, dass sie sich auf den beschwerlichen Weg machen, sich diese Musik und damit das Denken und Fühlen der damaligen Zeit anzueignen. Allen Interpreten war dies, so weit das heutzutage überhaupt beurteilt werden kann, vorzüglich gelungen. Ob Henry Purcells Geburtstagsode für Queen Mary "Sound the trumpet", hier für Streicher arrangiert, ob Joseph Haydns "Concerto in C" aus dem Hoboken-Verzeichnis für Orgel und Streicher – so stimmig, so mitreißend dürften diese Werke selten zu hören sein.

Und dann natürlich Mozarts "Laudate Dominum": So muss er diese Vesper in sechs Sätzen gemeint haben, als er sie schuf. Der Satz Nr. 5 erklang in der Fassung von Armin Kircher in der chorischen Besetzung für Frauenchor. An die Klarheit einer ausgebildeten Knabenstimme erinnerte der strahlende Sopran Rüttgardts, an deren bewegende Arie der Chor homogen anschloss. Sie und ihr Partner Tobias Knaus hatten mehrfach Gelegenheit, Zeugnis von ihrem sängerischen Können abzulegen. Beide hatten auf verschiedenen Wegen zum Gesang gefunden, Ulrike Rüttgardt über die Musikhochschule Freiburg mit Hauptfach Viola, Tobias Knaus nach einem Politikwissenschaft- und Anglistikstudium, bevor er seine frühe Leidenschaft, das Singen, zum Beruf machte, zunächst als Bariton. Seine Weiterbildung zum Countertenor, einer eher seltenen Stimmlage, trug ihm die Mitwirkung an zahlreichen Projekten und CD-Aufnahmen ein.

Einem anderen Haydn, Johann Michael nämlich, setzten Tobias Frass und seine Mitstreiter an diesen zwei Abenden ein Denkmal mit der Aufführung seiner "Missa sub titulo Sancti Leopoldi", die er am 22. Dezember 1805 vollendete, wenige Tage bevor sie von den Salzburger Kapellknaben aufgeführt wurde, für die er sie komponiert hatte und denen er sich innig verbunden fühlte. Johann Michael Haydn galt in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts neben Mozart als der bedeutendste Musiker am fürsterzbischöflichen Hof zu Salzburg. Der von ihm entwickelte kirchenmusikalische Stil bewirkte sogar eine einschneidende Neuorientierung der Kirchenmusik im 19. Jahrhundert. Sein Name verblasste ein wenig neben dem seines berühmteren Namensvetters, der ihn, obwohl fast auf die Jahre genau Zeitgenosse, später um einiges an Berühmtheit überflügelte – umso verdienstvoller, wenn auch sein Werk heute gewürdigt wird.

Autor: Anne Freyer