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31. März 2009 10:58 Uhr

Gemeinderat Merzhausen

Pläne für die Ortsmitte umgekrempelt

MERZHAUSEN. Die Pläne für die neue Ortsmitte i sind noch einmal auf den Kopf gestellt worden. Auslöser war die geplante Schließung der Hauptschule zum Schuljahr 2010/201. Im Schulgebäude werden also Räume frei, die dann von Vereinen genutzt werden könnten.

  1. Das neue Bürgerhaus (rechts) und das Wohn- und Geschäftshaus in Merzhausens geplanter Ortsmitte im Modell. Foto: Barbara Schmidt

Die im Bürgerhaus geplanten Vereins- und Geschäftsräume hat der Gemeinderat deshalb restlos gestrichen.

Die Ratsrunde billigte einen Vorentwurf, den Architekt Matthias Hotz in einer nichtöffentlichen Ratsitzung am 26. Februar und jetzt erstmals öffentlich vorgestellt hat. Die Entscheidung war umstritten. Die Grünen-Fraktion und Josef Kuner (Freie Bürger) stimmten dagegen, Franz Asal (Freie Bürger) enthielt sich seiner Stimme. SPD und CDU, einschließlich Bürgermeister Eugen Isaak, brachten die Mehrheit.

Der Abstimmung ging eine rege Diskussion voraus, die rund 30 Bürgerinnen und Bürger verfolgten. Der Architekt zeigte ein neues Modell der Ortsmitte. Da sich die Vereins- und Geschäftsräume nicht einfach so aus dem ursprünglich geplanten Bürgerhaus heraustrennen ließen, hätten sie ihre Planung neu überdacht, sagte Hotz. Das augenscheinlich Neue am Bürgerhaus ist seine geschwungene Fassade, über der sich ein ebenfalls geschwungenes, weit auf den Platz ausgreifendes Vordach wölbt. "Die Schwünge nehmen den Verlauf des Reichenbachs auf", so Hotz. Herzstück des eingeschossigen Flachbaus ist der Bürgersaal, um den sich ringsherum ein Foyer schwingt. Das Foyer hat eine lichte Raumhöhe von vier Metern, der Saal bringt es auf 7,40 Meter. Neben Toiletten, Küche und anderen Funktionsräumen ist noch ein Mehrzwecksaal für 60 bis 80 Personen geplant. Das Bürgerhaus sei jetzt kleiner, "aber sehr auf ihre individuelle topographische Situation und ihre Dorfsituation zugeschnitten", so Hotz.

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Die Nutzfläche schrumpft um 480 Quadratmeter, wodurch die Baukosten nach einer ersten Schätzung auf gut 3,8 Millionen Euro sinken. Das wären etwa 550 000 Euro weniger als bisher. Die Tiefgarage wird auch kleiner. Sie umfasst dennoch einen Stellplatz mehr (insgesamt 53), weil laut Hotz die Aufgänge optimiert wurden. Das spart rund 230 000 Euro. Weitere 74 000 Euro fallen an der Haustechnik im Wohn- und Geschäftshaus weg. Ansonsten wurde an den Plänen für dieses Gebäude aber nicht gerüttelt.

Die Ersparnis liege also bei insgesamt 1 016 260 Euro brutto, rechnete Hotz vor. Trotzdem werde es für die Gemeinde am Ende wohl nicht viel billiger, weil sie der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Hexental das Schulhaus abkaufen und Räume herrichten müsse, sagte Isaak. Weite Teile der Schule werden nach dem Brand vor vier Wochen allerdings saniert. Nur im Untergeschoss steht laut Isaak noch eine energetische Sanierung für eine halbe Million Euro an. Die wäre die VG los, würde sie die Schule verkaufen.

Die Grünen wehrten sich aber dagegen, über die Räume zu verfügen, ehe das Aus für die Hauptschule tatsächlich beschlossen ist. Ohne einen Beschluss der VG fehle die formale Grundlage, sagte Fraktionssprecherin Ulrike Zimmer und mahnte eine Diskussion mit der Schule an. Zudem überfordere die schnelle Neuplanung den Gemeinderat, aber auch die Bürger. "Wir wollen keine Hoppla-Hopp-Entscheidung treffen", so Zimmer. Stattdessen sollten sie in Ruhe planen, vielleicht ließe sich dann auch noch mehr sparen.

Dann könnte die Gemeinde allerdings erst für nächstes Jahr Geld aus dem Ausgleichsstock beantragen. Die Frist für dieses Jahr läuft nur noch bis Ende April. Dadurch gingen ihnen mehrere Tausend Euro verloren, warnte Eugen Isaak. Das war für die Mehrheit im Rat ein wichtiges Argument. Wenn sie den Entwurf jetzt auf den Weg brächten, könnten sie in Ruhe Gespräche mit der Schule und den Vereinen führen, meinte Andreas Schonhardt (CDU). Er zweifelte nicht daran, dass die VG die Hauptschule schließt. "Wir wissen, dass diese Schule nicht zu halten ist, alles andere ist formaljuristischer Hickhack", sagte er. Ein Hinausschieben würde außerdem andere Projekte (Stichwort: VfR) verzögern, warnte sein Fraktionskollege Ekkehard Mayer.

Josef Kuner verwies aber darauf, dass der Kaufpreis für die Schule noch völlig unklar sei. Das könne die VG ausnutzen, befürchtete er. Laut Isaak haben die Bürgermeister über einen Verkauf schon gesprochen: Demnach hat die VG noch 1,1 Millionen Euro Schulden am Schulgebäude, die Merzhausen übernehmen müsste. Einen Teil davon müsste die Gemeinde als VG-Mitglied aber ohnehin tilgen. Dafür bekäme sie 800 Quadratmeter freie Fläche im Obergeschoss der Schule und wäre dann auch in der Grundschule "Herr im eigenen Haus", so Isaak.

Lore B. Illy (SPD) gefiel das neue, schlankere Bürgerhaus besser. Hannah Kegels (Grüne) Vorschlag, für das Wohn- und Geschäftshaus einen zweiten Bauabschnitt zu bilden, wurde wegen möglicher Mehrkosten verworfen. Die Entwurfsplanung soll in der nächsten Ratssitzung am 23. April beschlossen werden.

Autor: bas