Vom Breisgau nach Beirut

Barbara Meyer

Von Barbara Meyer

Fr, 27. September 2013

Merzhausen

Der Merzhauser André Rober stellt seinen ersten Roman vor/Spannende, internationale Handlung.

MERZHAUSEN. Der Roman "Sturmernte" des Merzhauser André Rober spielt zwar größtenteils in Freiburg und Umgebung, ist aber alles andere als ein Heimatroman. In seinem Erstlingswerk spinnt Rober die Fäden nach Japan, Großbritannien und in den Nahen Osten – und nimmt den Leser mit in eine Welt internationaler Verflechtungen.

"Nahe Beirut, Spätsommer 1982 – Der große Ball der Sonne, der den Tag über die staubigen, mit Abfällen übersäten Straßen mit fast unerträglicher Hitze durchdrungen hatte, begann langsam, eine rötliche Färbung anzunehmen", fängt Rober nach den einleitenden Worten des Leiters des Bildungswerks St. Gallus, Andreas Schonhardt, unvermittelt aus seinem Buch "Sturmernte" zu lesen an. Nur 23 Besucher sind ins katholische Pfarrzentrum nach Merzhausen zu der Autorenlesung gekommen. Doch diese geringe Zuhörerschaft verfolgt gespannt, wie der erzählerische Bogen von Beirut nach Freiburg geschlagen wird. Und nachdem der Autor den ersten Abschnitt beendet hat, klärt er all diejenigen im Publikum auf, die das Buch noch nicht gelesen haben: Die vorgelesene Passage ist eine Rückblende in die Kindheit eines Protagonisten und wird an anderer Stelle des Buchs wieder präsent.

Zusammenfassend stellt Rober sein Buch vor: Zwei Studenten finden am Fuße des Schauinsland eine grausam entstellte Leiche. Der Freiburger Kriminalhauptkommissar Thomas Bierman und seine Kollegin Sarah Hansen werden mit der Aufklärung beauftragt, bei welcher bald klar wird, dass es sich nicht um ein gewöhnliches Verbrechen handelt. Ihre Spur führt zu radikalen Islamisten und einer vergessenen Nazi-Geheimwaffe.

Nein, einen Heimatkrimi hat der Merzhauser nicht geschrieben, was an seinem Anspruch liegen könnte, dass das knapp 500 Seiten dicke Werk deutschland-, wenn nicht sogar weltweit gelesen werden soll. "Allerdings", so räumt Rober in der Fragerunde ein, "man schreibt am besten über das, was man kennt." Und seine Heimat kennt und liebt der 42-Jährige sehr. Aufgewachsen ist er in Merzhausen und dorthin ist er nach mehreren Jahren im Ausland, in Frankfurt und Stuttgart gerne wieder zurückgekehrt. "Heimat hat für mich etwas mit Wohlfühlen und Geborgenheit zu tun, mit der Familie, dem Wetter und mit den Gebäuden, die ich seit Kindertagen kenne", so der Autor. An vielen Stellen von "Sturmernte" zeichnet sich die Detailtreue zu Plätzen, Gebäuden und Landschaften ab, so dass selbst ein Leser, der die Gegend nicht kennt, ein genaues Bild von den jeweiligen Schauplätzen bekommt.

Als Schriftsteller mag sich Rober nicht bezeichnen. "Schriftsteller ist man doch erst, wenn man von seiner Schreiberei leben kann", fragt er in die Runde. Da das aber noch nicht so ist, arbeitet er als Marketingangestellter. Er schreibt in seiner Freizeit aber schon an seinem zweiten Werk mit dem Arbeitstitel "Krabbencocktail". Hier ermittelt Sarah Hansen alleine in ihrer Heimat im hohen Norden. Bald wird also wieder von André Rober zu hören, oder besser, zu lesen sein.