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10. Juli 2012

BZ-Interview

Meteorologe Hildebrand über die Gefahr von Blitzen

BZ-INTERVIEW mit dem Meteorologen Alexander Hildebrand über die Gefahr von Blitzschlägen und den idealen Unterschlupf.

  1. Ein Gewitter bietet ein beeindruckendes Schauspiel – das am besten von der Wohnung aus genossen wird. In der freien Natur heißt es: Eine Mulde suchen und in die Hocke gehen. Foto: Alexandra Buss

  2. A. Hildebrand Foto: Privat

FREIBURG. Gewitter und Hochsommer – das gehört zusammen. In den vergangenen zehn Tagen haben die Gewitter nicht nur durch Wolkenbrüche und Windböen ihre Spuren hinterlassen, es sind auch sechs Menschen vom Blitz erschlagen worden. Katharina Meyer befragte den Meteorologen Alexander Hildebrand (45) von wetter.com über das richtige Verhalten bei Gewitter.

BZ: Sechs Blitztote in so kurzer Zeit – gewittert es derzeit stärker als sonst im Sommer? Oder ist die Häufung Zufall?

Hildebrand: Ein Zufall ist das nicht. Wir haben derzeit schon eine eher seltene Folge von Gewittertagen hintereinander. Das liegt auch am Verlauf des Sommers in diesem Jahr: Meteorologisch gesehen ist er bereits zur Hälfte rum, aber wir hatten bislang noch kein stabiles Sommerhoch.


BZ: Obwohl es viele heiße Tage gab...

Hildebrand: Ja, der Sommer nimmt schon einen guten Verlauf, auch wenn viele schimpfen.

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BZ: Zurück zum Gewitter. Buchen sollst du suchen – dass das Quatsch ist, wissen fast alle. Die Blitzopfer haben sich aber bis auf eines nicht unter Bäume gestellt, sondern sind vor dem Regen in einen Carport geflüchtet oder in eine Holzhütte. Wo kann man sich denn unterstellen, wo es trocken und sicher ist?

Hildebrand: Flüchten ist als Stichwort schon mal gut. Ein festes Haus aus Stein ist am besten. Wer kann, sollte also nach drinnen gehen. Eine Holzhütte ohne Blitzableiter oder ein Carport reichen nicht aus. Sicher vor dem Blitz ist man auch im geschlossenen Auto, da dort die elektrische Spannung um den Innenraum herumgeleitet wird.

BZ: Also ist es besser, sich Nassregnen zu lassen, als einen schlechten Unterschlupf zu nehmen?

Hildebrand: Ja, im Zweifel lieber nass werden. Im offenen Gelände am besten eine Mulde oder Grube suchen, metallene Gegenstände in einiger Entfernung ablegen und mit geschlossenen Beinen in die Hocke gehen. Denn bei einem Blitzeinschlag leitet der Boden die Spannung weiter – je breiter die Beine auseinander stehen, umso ungünstiger ist das. Das bekommen Kühe immer wieder zu spüren: Bei einem Blitzschlag in der Nähe fallen sie oft einfach tot um.

BZ: Metall zieht Blitze an – das gilt also auch für den Schirm oder das Fahrrad? Oder beim Zelten?

Hildebrand: Das gilt in jedem Fall. Bei einem Schirm mit Metallgestänge ist Nassregnen lassen ebenfalls die bessere Wahl. Im Zelt auszuharren ist gefährlich, auch wenn die meisten heute Plastikstangen haben – wenn möglich, immer irgendwo reingehen. Auch zum metallenen Fahrrad sollte man besser Abstand halten, wenn das Gewitter nah ist.

BZ: Ab welcher Nähe sollte ich mir denn Gedanken machen? Und wie finde ich raus, wie weit das Gewitter weg ist?

Hildebrand: Meist merkt man das ja recht gut am explosiven Wettercharakter, wie nah ein Gewitter ist. Dann gibt’s noch die Faustregel mit dem Sekundenzählen: Der Schall braucht eine Sekunde, um 330 Meter zurückzulegen. Liegen zwischen Blitz und Donner drei Sekunden, dann ist das Gewitter nur einen Kilometer weit weg – dann würde ich aufpassen.

BZ: Es heißt, vom Blitz getroffen zu werden, ist wahrscheinlicher als ein Sechser im Lotto. Wie sind denn die Zahlen?

Hildebrand: In Deutschland sterben jährlich etwa ein Dutzend Menschen durch Blitzschlag. Getroffen werden aber mehr.

Blitzreicher Sommer – wie schützt man sich? Video: http://mehr.bz/blitze

Autor: kam