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06. August 2009 22:08 Uhr

Berufskolleg

Miese Noten in Massen: Abschlussklassen fallen fast geschlossen durch

Entsetzen an zwei Freiburger Schulen: 25 von 26 Schülern sind bei den Abschlussprüfungen für das Berufskolleg I durchgerasselt. Nun rätseln die Experten, wie es dazu kommen konnte – und welche Rolle die Lehrer und das Prüfungsprofil spielen.

  1. Klausur: Alles muss raus, was reingebüffelt wurde. Am Freiburger Wirtschaftskolleg hat das jedoch nicht so richtig funktioniert. Foto: DPA

Als Klaus Reinders im vergangenen Herbst seinen Sohn an der Wirtschaftsakademie für das Berufskolleg I anmeldete, fragte er auch nach den durchschnittlichen Erfolgsaussichten bei den Abschlussprüfungen. 80 bis 90 Prozent habe man ihm da gesagt. Nun lag die Quote bei 100 Prozent – die aber haben nicht bestanden, sondern sind durchgefallen. Zwölf von zwölf Schülerinnen und Schülern der Wirtschaftsakademie haben die externe BK-I-Prüfung nicht bestanden, beim Bildungszentrum Internationaler Bund waren es 14 von 15 Prüflingen. "Eine flächendeckende Katastrophe" nennt das Schulleiter Heimburger von der Wirtschaftsakademie.

An staatlichen Schulen, erklärt Hanspeter Heimburger, sei der BK-I-Abschluss "einfach eine Versetzungsfrage", Prüfungen wie die Absolventen privater Schulen müssten die Schülerinnen und Schüler dort nicht ablegen. Im Prüfungsprozedere der von Privatschülern verlangten Abschlussklausuren sieht er diverse Konstruktionsfehler: Erstens müssten die Jahresleistungen der Schüler in die Endnoten mit einfließen, zweitens sollten Fachlehrer bei der Prüfung zugegen sein – und drittens müsste es eine gute Kommunikation zwischen den Prüfungsausrichtern und den privaten Schulen geben.

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Dass im vergangenen Schuljahr erstmals schriftlich und nicht wie bis dahin mündlich geprüft wurde, findet er zusätzlich bedenklich. Schulleiter Blumhofer vom Bildungszentrum Internationaler Bund allerdings betont, dass an seinem Institut noch an der Analyse dieses "extremen Ergebnisses" gearbeitet werde. Was schließlich ausschlaggebend für das schlechte Abschneiden seiner Absolventen gewesen sei, wisse man noch nicht.

Und auch im Regierungspräsidium ist man noch nicht durch mit der Analyse, so Alfons Blank, Beauftragter für die Pressearbeit in Abteilung 7 ("Schule und Bildung"). Ganz klar geht man hier jedoch davon aus, dass die sehr schlechten Ergebnisse nichts mit dem Prüfungsprozedere zu tun haben: "Die Schulträger müssen selber gucken, welche Schlüsse sie aus den Ergebnissen ziehen."

FALSCHES PRÜFUNGSPROFIL?

Martin Blumhofer deutet denn auch schon an, dass man nun nachsehen müsse, ob zum Beispiel Lehrerüberprüfungen nötig seien –, den Blick aufs Regierungspräsidium richten wolle man jedoch nicht. Da sind die Kollegen von der Wirtschaftsakademie anderer Meinung: Rechtsberater Johannes Gröger etwa meint, das Prüfungsprofil könne nicht richtig gewesen sein – und setzt auf ein Gespräch zwischen RP und freien Bildungsträgern – Schreiben ans Kultusministerium und ans RP sind unterwegs.

Einstweilen arbeiten beide Schulen an Angeboten für die betroffenen Jugendlichen. "Die sind verzweifelt", sagt Sabine Rothemann, die stellvertretende Schulleiterin an der Wirtschaftsakademie. Von Seiten der Schulen gibt es nun Vorschläge wie die kostenlose Wiederholung des BK-I-Jahres oder Begleitung bei einer möglichen Lehrstellensuche. Für Klaus Reinders und seinen Sohn ist das wenig Trost, nachdem der trotz Halbjahreszeugnis und Abschlusszeugnis mit je 2,0-Notendurchschnitt durch die Prüfung gefallen ist.

STICHWORT: WAS IST DAS BERUFSKOLLEG?

Bei den Kaufmännischen Berufskollegs I und II handelt es sich um zwei einjährige vollzeitschulische Ausbildungsgänge, die aufeinander aufbauen. Das BK I vermittelt Grundkenntnisse von Wirtschaft und Verwaltung; mit dem bestandenen BK II erwerben die Absolventen die Fachhochschulreife. In staatlichen Schulen ist der Abschluss des BK I quasi das Versetzungszeugnis am Ende des Schuljahres. Die BK I-Schülerinnen und -Schüler privater Schulen müssen stattdessen in zehn Fächern Prüfungen ablegen. Jahresnoten oder Vornoten fließen in das Prüfungsergebnis nicht mit ein. Bislang waren diese Prüfungen mündliche Prüfungen, in diesem Jahr waren sie zwecks Aufwandseinsparung schriftliche Klausuren, abgelegt an der Max-Weber-Schule. Die verweist in Sachen Prüfung ans Regierungspräsidium.

Autor: Julia Littmann