Minister sieht Akutgeriatrie kritisch

Felix Held

Von Felix Held

Do, 19. Juli 2018

Bad Säckingen

Martin Kistler, Alexander Guhl und Michael Schaaf informieren die Kreisräte / Gesundheitscampus ist auf dem Weg.

BAD SÄCKINGEN/KREIS WALDSHUT. Der geplante Gesundheitscampus in Bad Säckingen ist auf dem Weg. Diese Botschaft aus Stuttgart überbrachten die Verantwortlichen um Landrat Martin Kistler, Bürgermeister Alexander Guhl und Michael Schaaf von der Firma Gök Consulting dem Waldshuter Kreistag in der Sitzung am Mittwoch in Grafenhausen. Allerdings war diese Botschaft auch mit einem großen Aber verbunden. Die angedachte Akutgeriatrie, die in den Plänen eigentlich eine zentrale Rolle gespielt hatte, sieht das Ministerium kritisch.

Das Ministerium folge "im Hinblick auf Qualitätsaspekte bei Größe, Interprofessionalität und Fachpersonal" in dieser Beziehung weiterhin dem "Zentralisierungsgedanken". Deswegen sehe das Ministerium in diesem Bereich "den Aufbau kleinerer Strukturen" nicht vor. "Um dennoch dem Gedanken der Altersmedizin zu folgen, wird der Aufbau medizinischer Pflegestrukturen im Bereich der Kurz- und Übergangspflege empfohlen", so Michael Schaaf. In diesem Zusammenhang habe das Ministerium auch auf gute Fördermöglichkeiten von bis zu 50 000 Euro pro Bett hingewiesen.

Acht Millionen Euro fürs ganze Land
Dazu sagte Bürgermeister Guhl allerdings, dass diese Fördermittel landesweit auf acht Millionen Euro pro Jahr gedeckelt seien. "Wir müssen dafür also noch arbeiten", betonte er. Das Projekt koste auch Zeit. Was die Akutgeriatrie angehe, "geben wir noch nicht auf", so Guhl weiter. "Aber jetzt müssen wir mal beginnen", forderte er.

Grundsätzlich sei das Gespräch in Stuttgart ein Erfolg gewesen. Die Förderanträge müssen deswegen nun bald ausgearbeitet und gestellt werden, damit die Mittel 2019 fließen können, erklärte Michael Schaaf. Die Erstellung der Mietangebote befinde sich in Vorbereitung. Sie sollen noch im Sommer 2018 den Interessenten unterbreitet werden.

Für die Notfallversorgung sind Abstimmungsgespräche mit der Kassenärztlichen Vereinigung zur Umsetzung des Konzepts zur ambulanten Notfallversorgung in der Region Bad Säckingen zu führen. Ein Termin dafür ist laut Schaaf für Mitte August 2018 geplant. "Wir können positiv festhalten, dass wir mit unserem Konzept in Stuttgart auf offene Türen gestoßen sind", betonte Landrat Kistler.

Fraktionen bewerten Lage positiv
Der Fraktionssprecher der Freien Wähler und Bürgermeister von Wehr, Michael Thater, bewertete die Lage ebenfalls positiv. "Wenn wir uns vor Augen führen, dass wir noch vor einem Jahr die Schließung des Spitals Bad Säckingen ohne Alternative vor Augen hatten, dann sind wir doch jetzt schon weit", betonte er. Auch die Bad Säckinger Kreisrätin Ruth Cremer-Ricken (Grüne), zeigte sich zufrieden. "Es hätte wesentlich schlimmer kommen können", befand sie. Der FDP-Fraktionssprecher Klaus Denzinger (FDP) sagte, der Campus sei "ein tolles Konzept, für das es sich zu kämpfen lohne".

Minus von 11,36 Millionen Euro
Außerdem stellte Spitäler-Hochrhein-Geschäftsführer Hans-Peter Schlaudt den Jahresabschluss 2016 der GmbH vor. Damals war auch noch das Spital Bad Säckingen Teil der Spitäler Hochrhein GmbH. 2016 schloss die Gesellschaft mit einem Minus von 11,36 Millionen Euro ab. Der Jahresabschluss wurde mehrheitlich angenommen, allerdings wurde den Geschäftsführern keine Entlastung erteilt. Hans-Peter Schlaudt erläuterte zudem die Anbaupläne an das Spital Waldshut (die BZ berichtete). Ein dreistöckiger Anbau soll übergangsmäßig eine Intensivstation und zwei normale Stationen beherbergen. Diese Lösung sei mit dem Ministerium abgesprochen worden und sei besser förderfähig als die Sanierung des bestehenden Gebäudes.

Spital bekommt nicht mehr Betten
Mehr Betten wird das Spital deswegen aber nicht erhalten, weil nach dem Anbau Betten in gleicher Größenordnung stillgelegt werden sollen. Der Anbau habe mehrere Vorteile.

So würden dadurch auch die Belastungen für Patienten und Mitarbeiter während der Bauphase reduziert. Außerdem bringe er eine bessere Qualität und könne später zurückgebaut werden, was auch im Sinne der Stadt Waldshut-Tiengen sei. Bis September sollen die Pläne dem Ministerium vorgelegt werden, damit die Fördermittel dann im nächsten Jahr fließen können.