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19. März 2010 17:39 Uhr
Kirchenskandal
Missbrauchsfall im Verantwortungsbereich von Zollitsch
Im Missbrauchsskandal in der katholische Kirche werden schwere Vorwürfe gegen den Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch erhoben. Er soll vor knapp 20 Jahren nur zurückhaltend auf einen Fall sexueller Gewalt reagiert haben. Die Erzdiözese weist das zurück.
Dabei handelt es sich um Vorgänge in der Schwarzwaldgemeinde Oberharmersbach. Der dortige Gemeindepfarrer Franz B. soll in den 80er- und frühen 90er-Jahren Kinder sexuell missbraucht haben. Nachdem Gerüchte darüber aufgekommen waren, hatte Robert Zollitsch als damaliger Personalreferent des Erzbistums den Pfarrer im Juni 1991 in den vorzeitigen Ruhestand geschickt mit der Auflage, sich von Kindern und Jugendlichen fernzuhalten.
Wegen seines Verhaltens im Missbrauchsfall von Oberharmersbach sieht sich Zollitsch inzwischen Vorwürfen ausgesetzt. "Die Staatsanwaltschaft ermittelt nicht gegen einen Toten. Für uns ist die Sache erledigt." Mit diesen Worten habe Zollitsch im Sommer 1995 einen Anrufer abgewiesen, der kurz nach dem Suizid des früheren Gemeindepfarrers Hilfen für die Missbrauchsopfer eingefordert habe, heißt es in einem Schreiben eines Oberharmersbacher Bürgers an Erzbischof Zollitsch. Der Brief liegt der Badischen Zeitung vor.
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Tatsächlich nahm die Kirche seinerzeit erst zweieinhalb Monate später in einem Gottesdienst offiziell Stellung, entschuldigte sich für die Taten des Pfarrers und bot finanzielle Hilfe zur therapeutischen Betreuuung der Opfer an. Ihre Zahl wurde später mit 17 benannt.
Der Generalvikar der Erzdiözese, Fridolin Keck, wies am Freitag den Vorwurf zurück, im Missbrauchsfall von Oberharmersbach sei unzulänglich gehandelt und vertuscht worden. Wer das behaupte, surfe auf der aktuellen Kirchen-Kritik-Trendwelle. Dass es ein solches Telefonat im Jahr 1995 gegeben habe, könne man nicht bestätigen, erklärte das bischöfliche Ordinariat in einer Stellungnahme an die Badische Zeitung.
Über die Frage des richtigen Umgangs mit Missbrauchsfällen wird derzeit innerhalb und außerhalb der Kirche heftig debattiert. "Wo kein wirklicher Aufklärungswille vorhanden war und Täter einfach nur versetzt wurden, müssen wir in einer ganzen Reihe von Fällen gestehen, dass vertuscht worden ist", hatte erst am Mittwoch der Missbrauchsbeauftragte der Katholischen Kirche in Deutschland, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, gemahnt.
Grundsätzlich werden Hinweise auf sexuellen Missbrauch im zweitgrößten Bistum der Bundesrepublik von einer Kommission untersucht, der künftig auch die frühere Sozialministerin des Landes Baden-Württemberg, Barbara Schäfer-Wiegand angehören wird. Auch das gab das Erzbistum am Freitag bekannt. In Oberharmersbach will die Kirche erneut gezielte Hilfsangebote unterbreiten.
Derweil hat Papst Benedikt XVI. den mit Spannung erwarteten Hirtenbrief zum Missbrauchsskandal unterzeichnet. Veröffentlicht wird er aber erst an diesem Samstag. Primär soll sich das Schreiben an die Kirche in Irland richten. In Deutschland wird erwartet, dass sich der Papst auch zu den hiesigen Fällen äußert.
Die Deutsche Bischofskonferenz verschärft ihre Leitlinien. Die von den bayerischen Bischöfen am Donnerstag beschlossene Meldepflicht soll bald in allen Bistümern gelten. Dann muss jeder Verdacht auf sexuellen Missbrauch Minderjähriger der Staatsanwaltschaft angezeigt werden.
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Autor: Thomas Fricker
