Mit beiden Beinen auf Einzigartigem stehen

Jana Illhardt

Von Jana Illhardt (dpa)

Do, 13. September 2018

Haus & Garten

Teppich, Holz, Laminat, Fliesen – egal welcher Bodenbelag es wird, das Design lässt kaum individuelle Wünsche des Bewohners offen.

Das mitnehmbare Parkett? Riesige Fliesen? Und der Teppich als Wecker? Sein Alarm hört erst auf, wenn man sich auf ihn stellt. Ideen wie diese treiben die Firmen für Bodenbeläge an. Eine sonst kaum beachtete Branche sprüht aktuell geradezu vor Kreativität und Ideen.

Die Zeiten, in denen wir nur einen einzigen Bodenbelag fürs ganze Leben verlegen, sind vorbei. Mehr noch: "Der Boden wird heute als Designelement in einem Raum betrachtet, nicht mehr nur als eine Notwendigkeit", sagt Susanne Schmidhuber. "Er wird Teil der Rauminszenierung." Schmidhuber hat das Konzept der Weltleitmesse für Teppiche und Bodenbeläge Domotex entwickelt.

Teppich, Laminat, Vinylboden als Hingucker – das bietet den Herstellern viele Möglichkeiten, ihre Kreativität auszuleben und ihre Produktpalette auszubauen. "Das Angebot wächst rasant, sowohl was die Materialien als auch deren Zusammensetzungen und Designs betrifft", sagt Richard Kille, Sachverständiger für Fußbodentechnik und Raumausstattung aus Köln. Dabei seien mehrere richtungsweisende Strömungen zu beobachten. Vor allem aber geht es um Individualität: Der allgemeine Wunsch nach Einzigartigkeit bestimmt die Branche.

"Alle Produkte werden immer stärker personalisiert und individualisiert", sagt Messeexpertin Schmidhuber. Möglich ist das wiederum dank des technologischen Fortschritts. "Es ist heute kein Problem, kleine Stückzahlen zu produzieren, ohne damit die Preise in die Höhe zu treiben", sagt der Architekt Peter Ippolito, Vorsitzender der Domotex-Jury.

Einhergehend mit dem Wunsch, dem Boden immer mal wieder einen neuen Look zu verpassen, hat sich auch die Art des Verlegens gewandelt. "Es wird nicht mehr geklebt, sondern schwimmend, also mit Klicksystemen, oder lose verlegt", sagt Kille.

Das hat den Vorteil, dass der Untergrund, der beim Entfernen eines alten verklebten Belags schon mal beschädigt wird, nicht jedes Mal neu vorbereitet werden muss. Außerdem wird das Verlegen leichter. Und: Der Belag lässt sich einfacher wiederverwenden und beim Umzug mitnehmen. "Die Veränderbarkeit spielt heute eine ganz große Rolle", betont Ippolito. Das hat zugleich zur Folge, dass nun Planken und Fliesen den Markt dominieren. Sie sind zumeist auf Vinyl gefertigt, "haben aber nicht mehr den seriellen Look wie noch vor ein paar Jahren." Zugleich werden Feinsteinzeugfliesen beliebter. Die übliche Standardgröße 60 mal 60 Zentimeter verändert sich dabei. "Jetzt haben wir Großfliesen von 3 mal 1 Meter oder mehr", sagt der Architekt.

Auch das Design verändert sich – ebenfalls dank der besseren Produktionsmöglichkeiten. "Eine Feinsteinzeugfliese in Holzoptik galt früher als peinlich, heute ist sie überzeugend im Design", so Ippolito. "Es lässt sich oft visuell kaum ein Unterschied zum Echtholzboden erkennen." Zudem habe sich die taktile Qualität verbessert: "Sie verfügen über Prägematrizen, die eine täuschend realitätsnahe Oberfläche erzeugen."

Außerdem wird es bunter unter den Füßen: "Grün, Braun, Beige und Orange sind die gefragtesten Farben, denn sie tragen zu einem kuscheligen Raumgefühl bei", sagt Kille. "Glatte, glänzende Oberflächen in Betonoptik, wie wir sie in den vergangenen Jahren hatten, treten in den Hintergrund."

Deshalb wächst auch wieder die Bedeutung des Teppichs. "Er war in den vergangenen zehn Jahren fast schon verpönt", so Kille. Jetzt bringe er einen Hauch Natürlichkeit zurück ins Haus: "Wir legen ein Zebra- oder Schafwollfell über einen anderen Teppich oder Bodenbelag. Das trägt zur Gemütlichkeit bei und ist zugleich ein toller Hingucker", sagt Schmidhuber. Überhaupt werden Materialoptiken häufiger miteinander gemixt.

Wenngleich es sich bei einigen der Exponate auf der Messe Domotex noch um Prototypen handelt, zeigen sie doch, was die nähere Zukunft bringen wird: selbstreinigende Böden, ein Teppich, der an die Steckdose angeschlossen wird, sich leicht erwärmt und ein antibakterielles Mittel ausströmen lässt. Andere Hersteller verbauen Sensoren, die registrieren, wenn ein Mensch hinfällt, und dann einen Alarm auslösen; oder Matten, die als Wecker fungieren und erst Ruhe geben, wenn man darauf steht.