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21. Januar 2014

Mit der "Lokomotywa" nach Polen

Junge Künstler präsentierten in Gundelfingen Gedichte und Lieder des polnischen Dichters Julian Tuwim.

  1. Kunstgenuss im Rathaus Gundelfingen / Junge Künstler präsentierten Gedichte und Lieder von Julian Tuwim Foto: Andrea Steinhart

GUNDELFINGEN. Erneut hatten der Kunstverein und der Deutsch-Polnische Partnerschaftsverein in Gundelfingen gemeinsam eingeladen: zu einer Matinée am Sonntag, in der junge Künstler den polnischen Dichter Julian Tuwim vorstellten. Dabei bedienten sie sich der Musik von Karol Szymanowski, Ignacy Lilien, Witold Lutoslawski und Mieczyslaw Weinberg.

Begrüßt wurden die Gäste von den Vorsitzenden der beiden Gundelfinger Vereine: Ulrike Bach und Bruno Zimmermann. Immer wieder mussten noch weitere Stühle ins Rathausfoyer getragen werden, damit alle Besucher einen Platz fanden. Die Freiburgerin Sopranistin Dorothea Rieger und die Konzertpianistin Joanna Wicherek aus Lodz/Polen begrüßten die zahlreichen Anwesenden, die sich diesen Kunstgenuss nicht entgehen lassen wollten, mit dem Lied "Wanda, Wanda". Mit dem auch in Deutschland bekannten Gedicht "Die Lokomotive" ging die Vorstellung des Wortakrobaten Tuwim weiter. Nachdem Dorothea Rieger mit ihrer samtigen Stimme das von James Krüss aus dem Polnischen übersetzte Gedicht vorgetragen hatte, rezitierte Christoph Szalkowski die "Lokomotywa" mit viel Rhythmus in Originalsprache. Passend dazu ging es weiter mit den lustigen Kinderliedern, die von Witold Lutoskawski vertont worden waren. Um Sehnsucht, Liebe und Melancholie handelten die zarten Melodien, die im Anschluss erklangen und von Ignacy Lilien (1897 bis 1964) stammten. Aus dem Tuwim-Werk "Zigeunerbibel" vertonte Mieczyslaw Weinberg drei Stücke, gefühlvoll vorgetragen von der Sopranistin.

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Der avantgardistische Lyriker Julian Tuwim, wurde am 13. Januar 1894 in der polnischen Stadt Lodz geboren. Er stammte aus einer jüdisch-assimilierten Familie und studierte an der Warschauer Universität. Nach dem Kriegsausbruch im September 1939 flüchtete Tuwim in die USA. Nach dem Krieg war er einer der ersten Schriftsteller, die nach Polen zurückkehrten. 1953 starb er.

Im vergangenen Jahr ernannte Polen den Lyriker zum kulturellen Schutzpatron, seine Poesie ist gekennzeichnet von feinsinnigem Humor. Tuwim war Gründer der Poeten-Gruppe Skamander und einer der herausragenden Vertreter des literarischen Kabaretts. Außerdem übersetzte er Puschkin, Lermontow, Gogol und Pasternak aus dem Russischen ins Polnische. Tuwims Werk ist bis heute Lektüre in den polnischen Schulen. Besonders beliebt sind seine witzigen Kindergedichte.

Die Sopranistin Dorothea Rieger studierte Schulmusik und evangelische Theologie. Auf den Opernbühnen gastierte sie bisher mit Werken von Mozart, Bellini, Berlioz, Zeller, Adams und Ulrich Gasser. Neben Opern- und Operettenarien singt sie Chansons, Evergreens und Volkslieder. Sie konzertiert in Deutschland, aber auch in Frankreich, der Schweiz, in Israel und Russland. Joanna Wicherek aus Lodz ist ausgebildete Konzertpianistin. Sie wurde bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter beim Warschauer Wettbewerb junger Musiker zur Musik des 20. und 21. Jahrhunderts und dem Internationalen Wettbewerb für zeitgenössische Kammermusik in Krakau. Sie tritt international mit zahlreichen renommierten Künstlern auf. Christoph Szalkowski aus Polen lebt seit vielen Jahren in Gundelfingen und gehört hier zum Vorstand des Deutsch-Polnischen Vereins.

POLEN-ABEND UND -REISE

Einen polnischen Abend veranstaltet das Deutsch-Polnische Komitee Denzlingen am Freitag, 14. Februar, um 19 Uhr im evangelischen Gemeindezentrum, Karl-Höfflin-Haus Denzlingen. Der Gundelfinger Partnerschaftsverein organisiert derzeit für interessierte Bürger eine Polenreise, die durch den Süden Polens führt. Weitere Informationen gibt es bei Bruno Zimmermann, Gundelfingen, 0761/ 58 21 08 oder per Mail: brunozimmermann@web.de.  

Autor: ast

Autor: Andrea Steinhart