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08. November 2008
"Wir können ein Vorbild für andere Staaten sein"
BZ-INTERVIEW: Dipal C. Barua über Solaranlagen in Bangladesch.
FREIBURG. Mit seinem Vortrag bei der Klimaschutzkonferenz in Freiburg sorgte er für viel Aufsehen: Dipal C. Barua aus Bangladesch, Gründungsdirektor des Non-Profit-Unternehmens Grameen Shakti, Träger des Alternativen Nobelpreises 2007. Nicolas Scherger hat ihn gefragt, wie er die Entwicklung in seiner Heimat fördert – und gleichzeitig gegen den Klimawandel vorgeht.
BZ: Herr Barua, wie verhilft Grameen Shakti armen Menschen im ländlichen Bangladesch zu einer Solaranlage?Dipal C. Barua: Mit einem Mikrokredit. Eine übliche Solaranlage kostet sie umgerechnet etwa 300 Euro. Die Menschen zahlen zehn bis 15 Prozent an, den Rest begleichen sie mit monatlichen Beträgen. Dafür reicht das Geld, das sie sonst für Kerosin ausgeben würden, um Licht zu haben. Nach drei Jahren gehört die Anlage ihnen. Dann beginnen sie zu sparen – die Solaranlage hält 25 Jahre lang. Und da der Kerosinpreis steigt, erreichen wir derzeit besonders viele Menschen.
BZ: Welche Vorteile haben die Solaranlagen noch für die Familien?
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Barua: Sie leben gesünder, weil sie kein Kerosin mehr in der Wohnung verbrennen. Dadurch wird auch weniger Kohlendioxid freigesetzt. Außerdem belebt Elektrizität die Wirtschaft. Die Menschen können am Abend länger arbeiten, Restaurants und Geschäfte haben länger geöffnet. Schließlich erhöht sich die gesamte Lebensqualität: Die Menschen hatten nie Strom, jetzt können sie beispielsweise fernsehen und dadurch viel stärker an dem teilhaben, was im Land vor sich geht.
BZ: Müssen Sie trotz dieser Vorteile Überzeugungsarbeit leisten?
Barua: Als wir 1996 angefangen haben, mussten wir die Menschen oft zehnmal besuchen, bevor wir sie als Kunden gewinnen konnten. Sie kannten die Technik nicht und sagten, sie hätten dafür kein Geld. Doch sobald die ersten Anlagen liefen, kamen immer mehr Interessenten hinzu. In den ersten sieben Jahren haben wir 10 000 Solaranlagen installiert. Jetzt schaffen wir 8000 bis 9000 im Monat.
BZ: Was haben Sie bislang erreicht und welche Ziele haben Sie für die Zukunft?
Barua: Wir haben mehr als 200 000 Solaranlagen in Bangladesch errichtet. Ende 2009 sollen es 500 000 sein, ein Jahr später eine Million. 2015 wollen wir die Hälfte der Bevölkerung, also 75 Millionen Menschen, mit Strom versorgen. Für uns ist es aufregend, dass die Solarenergie so schnell wachsen kann – und das in einem Land wie Bangladesch. Wir können ein Vorbild für andere Staaten sein.
BZ: Wie viele Geräte können an eine Ihrer Solaranlagen angeschlossen werden?
Barua: Die am häufigsten installierte Anlage – die für 300 Euro – hat eine Leistung von 50 Watt, genug für einen Fernseher, ein Radio, vier Lampen und eine Ladestation für Handys. Je nach Bedarf haben wir aber auch Anlagen mit mehr oder weniger Leistung.
BZ: Aber auf lange Sicht wird das kaum ausreichen, um die steigende Nachfrage nach Energie zu befriedigen.
Barua: Als nächsten Schritt wollen wir die Menschen auf dem Land mit Anlagen versorgen, die Biogas produzieren, das sie zum Kochen einsetzen können. Bei der Gasproduktion entsteht außerdem ein hochwertiger Dünger für die Landwirtschaft. Und die Solaranlagen sind beliebig erweiterbar, zumal wir in Bangladesch 365 Sonnentage im Jahr haben. Damit kann ein unabhängiges, dezentrales Versorgungssystem entstehen, bei dem die Menschen alle Energie, die sie benötigen, aus erneuerbaren Ressourcen beziehen.
Autor: nsch
