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23. September 2009 18:30 Uhr

Demonstration

Mitarbeiter der Diakonie fordern bessere Bezahlung

Das gab es so noch nie: Rund 120 Mitarbeiter der Diakonie sind am Mittwoch mit Transparenten und Trillerpfeifen durch die Freiburger Innenstadt gezogen. Sie protestierten lautstark gegen niedrige Löhne.

  1. Unüberseh- und unüberhörbar: der gestrige Protestzug von Diakonie-Mitarbeitern durch die Innenstadt Foto: Kunz

  2. Rund 120 Mitarbeiter der Diakonie protestierten in der Freiburger Innenstadt. Foto: Thomas Kunz

Bislang war es üblich, dass die Kirchen und ihre Wohlfahrtsverbände ohne öffentlichen Arbeitskampf die Bezahlung regeln – doch das scheint sich nun zu ändern. Viele Teilnehmer des gestrigen Protestzugs waren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Evangelischen Stadtmission Freiburg.

Die Stadtmission betreibt eine ganze Reihe von sozialen Einrichtungen in der Region, unter anderem Seniorenpflegeheime in Freiburg (Wichernhaus), Breisach, Bötzingen und Lörrach, und beschäftigt insgesamt 550 Menschen. Die Stadtmission ist zudem einer der Arbeitgeber innerhalb der Diakonie, die ihr Personal gemäß den Arbeitsvertragsrichtlinien (AVR) der Diakonie in Baden bezahlen – und diese Richtlinien stehen in der Kritik.

Sie sehen nämlich seit der letzten Erhöhung der Tarife im öffentlichen Dienst (TVÖD) Anfang 2008, welche in den AVR nicht nachvollzogen wurden, offenbar geringere Löhne vor, als sie etwa kommunale Träger von sozialen Einrichtungen an ihre Leute bezahlen.

Laut eines Gehaltsvergleichs der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die den Protestmarsch gestern mitorganisierte, verdient eine Altenpflegerin nach zehnjähriger Tätigkeit gemäß TVÖD 2569 Euro brutto pro Monat, gemäß AVR aber nur 2215 Euro, eine Differenz von 354 Euro oder fast 14 Prozent. Die Teilnehmer forderten denn auch eine Anpassung ihrer Entgelte nach oben. Ein Beschäftigter der Stadtmission etwa sagte: "Diese Unterschiede in der Bezahlung sind falsch. Und auch nicht christlich."

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Ewald Dengler, Vorstand der Stadtmission, bezeichnete den Verdi-Gehaltsvergleich als unseriös: "TVÖD und AVR unterscheiden in so vielen Punkten, dass solche Gegenüberstellungen immer hinken." Der AVR sei kein Spartarif. "Ich bin völlig mit meinen Mitarbeitern einig, dass eine Tariferhöhung her muss, aber innerhalb des AVR", so Dengler.

Angelika Schmidt, Sprecherin des Diakonischen Werks Baden, unter dessen Dach (unter anderem bei der Stadtmission Freiburg) insgesamt 30.000 Menschen arbeiten, warf der Gewerkschaft Verdi vor, nur Mitglieder und Einfluss gewinnen und das bisher gut funktionierende System der partnerschaftlichen Tariffestlegung innerhalb der Diakonie, den sogenannten Dritten Weg, sabotieren zu wollen.

Autor: Holger Schindler