Antrag auf Satzungsänderung

Mitglieder wollen ausschließen, dass sich der SC Freiburg mächtigen Investoren öffnet

Jens Kitzler (Der Sonntag)

Von Jens Kitzler (Der Sonntag)

So, 08. Oktober 2017 um 19:46 Uhr

SC Freiburg

Experten halten die Machtübernahme von Investoren im deutschen Fußball für kaum noch aufzuhalten. Ob der stets seine Andersartigkeit versichernde SC Freiburg sich dem auf Dauer verschließen kann? Einige Mitglieder wollen das jetzt in der Vereinssatzung festschreiben. Denn bei dem Verein scheint es zu heißen: Sag niemals nie.

Wer in Deutschland an einen grundständigen, transparenten, gar demokratischen Vereinsfußball glaubt, der darf sich umzingelt fühlen: In Europas Vereinen tummeln sich Scheichs und Oligarchen, Transfers finden zu Fantasiesummen statt und die dahingehend zurückhaltende Bundesrepublik gilt laut in Fachblättern wie Capital oder Manager-Magazin wiederkehrend zitierten Experten als reif für den Einstieg der Investoren.

Die Vereine sind nicht unvorbereitet, beispielsweise haben die meisten ihre Profiabteilung längst in einer eigenständigen Kapitalgesellschaft untergebracht, deren Anteile verkaufbar sind. Laut Liga-Statuten müssen die Clubs noch die minimale Mehrheit an diesen Gesellschaften halten – doch das Ende dieser sogenannten "50+1-Regel" wird schon eine Weile prophezeit. Dann könnten Firmen Geld in Vereine pumpen, im Gegenzug aber auch deren Kurs mitbestimmen. Nur noch drei Erstligisten touren als eingetragener Verein durch die Stadien: Schalke 04, Mainz 05 – und der SC Freiburg.

"Wir wollen Verein bleiben, solange wir wirtschaftlich keine Nachteile haben" Fritz Keller
Der hat zwar auf einer Mitgliederversammlung vor drei Jahren seine Strukturen modernisiert, diesen Punkt aber unverändert gelassen, was den Mitgliedern natürlich gefallen hat. Eine Ablehnung für immer formulierte man nicht. "Wir wollen Verein bleiben, solange wir wirtschaftlich keine Nachteile haben", so wird SC-Präsident Fritz Keller in der Sitzung zitiert. Auch heute ist beim SC Freiburg niemand so unvorsichtig, in den Raum zu stellen, dass der Club bestimmte Schritte niemals tun würde. "Andererseits", sagt SC-Mediendirektor Philipp Walter, "hat der SC Freiburg ja oft Dinge anders gemacht als alle anderen."

Eine Gruppe dreier junger Vereinsmitglieder möchte die Tür in die Finanzwelt sicherheitshalber noch etwas dichter schließen. Ihre "Mitgliederinitiative Einzigartiger Sport-Club Freiburg" strebt für die Mitgliederversammlung am 26. Oktober im Freiburger Konzerthaus eine Satzungsänderung an. Falls der SC seine Lizenzspielerabteilung doch einmal ausgliedere, dann solle er in der entstandenen Tochtergesellschaft die kompletten Kapitalanteile behalten, so lautet die Klausel. Nicht also nur 50+1, wie von der Liga derzeit vorgeschrieben, sondern 100 Prozent. Und falls dieser Passus irgendwann wieder geändert werden sollte – auch das will die Satzungsänderung festschreiben –, müssten 75 Prozent einer Mitgliederversammlung zustimmen. Das erhöhte die Hürde, sonst ist für Satzungsänderungen nur eine Zweidrittel-Mehrheit verlangt.

Nicht erst darüber diskutieren, wenn es ein fertiges Konzept gibt

"Damit wollen wir das Ganze noch einmal absichern", sagt Manuel Gaber, "und zwar im Vorhinein." So dass über die Frage, ob der SC den Vereinsstatus aufgibt und sich einem Investor öffnet, nicht erst dann diskutiert werde, wenn schon ein fertiges Konzept für einen Einstieg auf dem Tisch liege.

Die Veröffentlichungen dubioser Geschäftspraktiken in "Football Leaks", die absurden Summen der letzten Transferperiode, das alles habe den Gedanken reifen lassen, beim SC Freiburg eine Sicherung einzubauen, erklärt Gaber. Welche Chance die Initiative hat, ist unbekannt. Auf die Versammlungen kommen üblicherweise zwischen 300 und 500 Mitglieder, drei Viertel von ihnen müsste man gewinnen. "Wir haben viel positives Feedback bekommen", sagt Manuel Gaber. "Dass der Vorstand das nicht mitträgt, macht es aber natürlich schwierig."

"Der Vorstand hält die Änderung zum jetzigen Zeitpunkt für nicht erforderlich." Oliver Leki
Denn die Chefetage im Verein sieht die Sache anders. "Die angesprochenen Themen sind natürlich von Bedeutung für den SC", lautet das Statement von Geschäftsführer Oliver Leki. "Gegenwärtig sehen wir aus vereinsrechtlicher Sicht aber keine Notwendigkeit, eine Ausgliederung in eine Kapitalgesellschaft vorzunehmen." Und die Satzung sehe bereits heute eine Dreiviertel-Mehrheit für eine Ausgliederung vor – eine Hürde sei ja da. "Der Vorstand hält die Änderung zum jetzigen Zeitpunkt für nicht erforderlich." Es wäre unklug, Sachverhalte jetzt schon im Detail zu regeln, deren Eintritt man heute noch gar nicht absehen könne, sagt Mediendirektor Walter. Und: Bislang habe sich auch noch nie ein Investor beim SC gemeldet.

"Es gehört zu unserem Selbstverständnis, eine Vereinskultur zu leben, die von Werten geprägt und ethischen Leitplanken umrandet wird", schreibt Präsident Fritz Keller auf Anfrage des Sonntag. Und diese Werte sehe er nicht zwingend als Gegensatz zum Begriff der Konkurrenzfähigkeit. "Der Wettbewerb wird härter, doch wir werden uns auch in Zukunft als Verein, der auf Ausbildung setzt, treu bleiben. Wir werden nach Wegen suchen, um als Bundesliga-Standort bestehen zu können."
Quelle: Dieser Artikel ist zuerst am 08.10.2017 in unserer Wochenzeitung "Der Sonntag" erschienen.