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26. September 2008
Modegrafiken im Museum
Werke von Gerd Grimm wurden bisher nur in Galerien gezeigt / Jetzt in Bernau
BERNAU Mit "Mode, Mädchen, Metropolen" wurde am Sonntagnachmittag im Hans-Thoma-Kunstmuseum im Beisein erstaunlich vieler Kunstfreunde eine in mancher Hinsicht bemerkenswerte Ausstellung mit Grafiken von Gerd Grimm eröffnet. Grimm gehört zu den herausragenden Modezeichnern des 20. Jahrhunderts, er gilt im deutschen Sprachraum als eine singuläre Erscheinung und ist doch in der breiten Öffentlichkeit so gut wie unbekannt geblieben.
Die Zeichnungen von Gerd Grimm wurden bisher nur in Galerien gezeigt. Mit der Bernauer Ausstellung aus der Sammlung Saumer werden 42 seiner schätzungsweise 3000 Exponate erstmals in einem Kunstmuseum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, darunter Zeichnungen, die bisher noch nie ausgestellt waren. Bürgermeister Rolf Schmidt wies in seiner Begrüßung auf die Beziehung zum Bernauer Museum hin, da Grimm Schüler der Thoma-Preisträger Karl Hubbuch und Wilhelm Schnarrenberger war. Er dankte Galerist Gottfried Pütz aus Freiburg, der diese Ausstellung mit ermöglichte, sein Dank galt auch Museumsbetreuer Robert Rosenfelder für die umfangreichen Vorarbeiten.Werbung
In das umfangreiche Werk und in das bewegte Leben von Gerd Grimm führte der Freiburger Werbehistoriker Dirk Schindelbeck ein. Grimm wurde 1911 in Karlsruhe geboren. Nach dem Abitur studierte er von 1929 bis 1931 an der Akademie der Künste in Karlsruhe, anschließend ein Jahr an der Kunstgewerbeschule Nürnberg und ab 1933 zehn Semester an den Vereinigten Staatsschulen Berlin. Bereits Ende der 20er Jahre begann er hoffnungsvoll als Modezeichner und als in den 30er Jahren die Mode entdeckt wurde, bekam er erste Auftragsarbeiten für bekannte Illustrierte und den Ullstein-Verlag. Grimm war Halbjude. Nach 1933 begann deshalb für ihn eine unruhige Zeit. Er lebte ständig in Gefahr verfolgt zu werden und hatte eine Tendenz entwickelt, sich zu verstecken, unter anderem in einer Schwarzwaldhütte am Schluchsee. Dennoch wurde er zur Wehrmacht eingezogen, aber bald als wehruntüchtig entlassen. Sein wie ein Augapfel gehüteter Wehrpass ermöglichte ihm Fahrten von Berlin nach Freiburg zu den Eltern. Mit der Bombardierung seines Ateliers in Berlin gingen viele frühe Werke verloren.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges gab es für Modegrafiker keine Rahmenbedingungen – Millionen Frauen liefen in Lumpen herum. So emigrierte er 1946 mit seiner späteren Frau Hildegard van Gülick, auch sie eine bekannte Modegrafikerin, nach New York, und blieb dort fünf Jahre. Hier entstehen zahllose Modezeichnungen für große amerikanische Modezeitschriften, exquisite Damenpor träts und Stadtimpressionen der lebendigen Metropole.
Frau Hildegard packte das Heimweh und so kehrten Grimms 1952 zurück nach Deutschland, kauften ein Haus in Freiburg-Littenweiler. Grimm verdiente sich den Lebensunterhalt bis zu seinem Tod 1998 mit künstlerischen Arbeiten als Zeichner, als Buchillustrator und Werbegrafiker für renommierte Firmen, so unter anderem 23 Jahre lang für die Zigarettenmarke Reval, aber auch für Bogner und für Chanel. Die Ausstellung wird bis zum 15. November gezeigt.
Autor: Ulrike Spiegelhalter
