Modellierte Klanglichkeit

Georg Rudiger

Von Georg Rudiger

Di, 09. Januar 2018

Klassik

Freiburg: John Sheppard Ensemble und die Pariser Weihnacht.

Leipzig, Halle, London und Dresden waren schon an der Reihe. Nun hat sich das John Sheppard Ensemble in der Freiburger Christuskirche die Pariser Weihnacht vorgenommen und bis auf das als Eurovisionsmelodie berühmt gewordene Prélude aus Marc-Antoine Charpentiers "Te Deum" und das Weihnachtslied "Les Anges dans nos campagnes" (Engel auf den Feldern singen) nur nahezu unbekannte Werke präsentiert. Umso erfreulicher, dass derlei Ambition mit zwei ausverkauften Konzerten belohnt wurde.

Traditionell lud Dirigent Bernhard Schmidt zu diesen Weihnachtskonzerten einen Mitsingchor ein, der bei diesem Projekt über hundert Sängerinnen und Sänger umfasste und bei den Weihnachtsliedern wie dem groß instrumentierten "La marche des Rois" mitwirkte, die zwischen den Charpentier-Stücken platziert waren. Auch das Konzertpublikum durfte bei einigen Strophen mitsingen. Charpentier (1643–1704) hatte einige Jahre in Italien verbracht und dort in den Kirchen die Mehrchörigkeit kennengelernt. Für seine "Messe à quatre chœurs" hat Bernhard Schmidt das John Sheppard Ensemble mit den Instrumentalisten und Vokalsolisten auf die vier Emporen der Christuskirche verteilt. Das anspruchsvolle Dirigat, bei dem er sich ständig einer anderen Gruppe zuwenden muss, bewältigt er souverän. Von allen Seiten wird das Publikum mit dem schlanken Chorklang und den tänzerischen Rhythmen im Orchester beglückt.

Nur der fehlende Hall in der trockenen Akustik der Christuskirche dämpft ein wenig das Klangerlebnis. Charpentiers Musik fehlt es an Dramatik. Auch ihre Kleinteiligkeit macht es dem Hörer nicht immer leicht. Aber der Franzose ist ein Meister der Variation. Jeder Messabschnitt erhält eine eigene Farbe. Ein enger Dialog entsteht nicht nur zwischen den vier Chören, sondern auch zwischen den Instrumenten. Selbst die Kirchenorgel (Sebastian Bausch) konzertiert mit dem Orgelpositiv (Martin Müller). Das John Sheppard Ensemble, das sich für den Bundeschorwettbewerb in Freiburg qualifiziert hat, besticht durch eine geradezu modellierte Klanglichkeit und große Homogenität. Nur bei einigen solistischen Passagen von Chormitgliedern entstehen Qualitätsverluste. Unter den Solisten (Alexandra Rawohl, Tiago Pinheiro de Oliveira, Fabian Strotmann) gefällt vor allem Karsten Müller mit seinem geschmeidigen Bass und Angelika Lenter mit schlackenlosem Sopran. Im "Te Deum" glänzt das auf historischen Instrumenten musizierende Orchester mit großer klangfarblicher Bandbreite und spielerischer Leichtigkeit. Und auch das John Sheppard Ensemble erweist sich wiederum als flexibler, transparenter Klangkörper.