Auf dem Flohmarkt

MOMENT MAL: Klassisches Win-win-win

Sonja Zellmann

Von Sonja Zellmann

Mo, 23. Juli 2018

Liebe & Familie

Bücher, Spiele und Klamotten, aus denen das Kind – und man selbst – "herausgewachsen" ist, dazu die ganzen Ohrringe, die ewig keinen interessiert haben, und die alte Espressokanne – fertig ist die Flohmarktkiste. Oder besser: sind die Flohmarktkisten. Dazu jene mit Übriggebliebenem vom letzten Jahr – und los geht’s. Flohmärkte sind beliebt, wer mag, kann jedes Wochenende einen besuchen, ohne dafür weit fahren zu müssen: Schätze suchen, nachhaltig kaufen, alles so schön vintage. Was die eine nicht mehr mag, ist für den anderen der Knaller. Aus alt mach neu – eine klassische Win-win-Situation. Wobei der Gewinn beim Verkäufer, anders als beim Käufer, hart erarbeitet ist. Meist gilt es, richtig früh aufzustehen und Kisten und Kleiderstangen zu schleppen. Um einen guten Standplatz zu ergattern, kommt man lange vor dem vorgegebenen Aufbauzeitpunkt – dennoch nie früh genug, denn wie immer sind andere noch eher aufgestanden. Daher beginnt nun der Kampf um die letzten Plätze, und man ist noch vor dem Aufbauen fertig mit den Nerven. Erstmal Kaffee. Besser noch: Sekt. Es folgt stundenlanges Stehen, Feilschen, Mit-den-Nachbarn-quatschen. Okay, das ist eigentlich nicht mehr hart, sondern gehört schon zum "win". Und manchmal findet sich sogar unter den eigenen Ladenhütern etwas, das einem nach Jahren in der Flohmarktkiste wie neu vorkommt und das man unbedingt haben, äh, behalten will. Win-win-win.