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27. Februar 2009 08:11 Uhr

Ego-Googeln Teil 2

Monrose: Bahar Kizil entdeckt sich selbst im Internet

Den eigenen Namen zu googeln, ist längst Volkssport. In einer neuen Serie begeben wir uns mit Prominenten aus der Region auf Spurensuche. Die Freiburgerin Bahar Kizil, Mitglied der Girlband Monrose, ging uns ins Netz – Enthüllungen und witzige Anekdoten inklusive.

  1. Bahar Kizil von Monrose: Was hält der nächste Klick bereit? Foto: Dominic Rock

  2. Lustiges... Foto: Dominic Rock

  3. ..und Kurioses. Foto: Dominic Rock

  4. Ein Klick – und das gesamte Leben breitet sich vor einem aus. Foto: Dominic Rock

  5. Bahar Kizil: Seit drei Jahren Mitglied der Castingband Monrose. Foto: Dominic Rock

  6. Bahar schaut sich ein Video von sich im Netz an... Foto: Dominic Rock

  7. ...und staunt, wie sehr sie sich verändert hat. Foto: Dominic Rock

  8. Doch nicht alle Netzfundstücke sind erfreulich. Foto: Dominic Rock

  9. Bahar Kizil von Monrose. Foto: Dominic Rock

Sie gleitet auf schwarzen Wollsocken über das Parkett, vier Schritte nach vorn, zwei zur Seite. Fest presst sie die Schultern nach unten und den Rücken durch. Leichtfüßig tänzelt sie um den Couchtisch, landet in einer einzigen fließenden Pirouette auf dem Sofa und klappt ihren Laptop auf. Jede Bewegung von Bahar Kizil wirkt elegant und geschmeidig – beinahe so als folge sie einer Choreografie. "Waagen sehen das Leben als große Bühne", lacht die 20-Jährige.

Flink klackern die lackierten Nägel über die Tastatur. Das weiß-glänzende Mac-Book wirkt wie ein Accessoire zum cool-lässigen Outfit ganz in Schwarz. Das Internet ist für sie ebenso Bühne wie das Podium einer Konzerthalle – oder das heimische Wohnzimmer in Freiburg. Dort präsentiert sie sich zusammen mit den anderen beiden Mitgliedern der Girlband Monrose den Fans. Musikvideos, Werbeclips und Fotos – die Vermarktung der Gruppe findet im Netz statt. Bei Google erzielt sie nach der Eingabe von "Bahar & Monrose" mehr als 100.000 Treffer.

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Zielstrebig, ehrgeizig und selbstkritisch. Mit diesen Adjektiven wird Bahar auf ProSieben.de beschrieben. Zugleich aber auch als "die Schüchterne mit dem bezaubernden Lächeln" – ein Etikett, das der Sender der Sängerin bereits während der Popstars-Castings verpasste und das ihre Stirn mittlerweile in tiefe Falten legt. Drei Jahre auf der Bühne haben Bahar wachsen lassen. Der schüchterne Augenaufschlag einer Prinzessin Diana gehört der Vergangenheit an. "Ich bin erwachsen geworden."

Bahar richtet sich zu ihrer vollen Größe von 1,58 Metern auf, ringt um jeden Zentimeter. Langsam fährt sie die nächsten Treffer ab und bleibt am aktuellen Monrose-Video "Why Not Us" aus dem Album "I Am" hängen. Den Titel habe sich die Band selbst ausgesucht. "Damit wollten wir zeigen: Diese Musik – das sind wir." Was bei anderen wie ein vom Management vorgetexteter Aufsager klingt, hört sich bei Bahar aufrichtig an. Berichtet sie vom Videodreh, verwandeln sich ihre Augen in riesige schwarze Löcher, zieht ihre Begeisterung jeden in den Bann. Ein 24-Stunden-Tag angefüllt mit Proben und Styling, mit Singen und Tanzen – "das ist das Schönste, was es gibt", beteuert Bahar, auf die viele Popstars-Zuschauer erst durch einen emotionsgeladenen Auftritt aufmerksam wurden. Ein Auftritt, der in zahlreichen Fan-Foren nach wie vor für Begeisterung sorgt und über den Bahar bei Google zwangsläufig stolpert.

Mit einem leisen Lächeln spielt sie ein Video davon ab, stützt das Kinn auf die Faust, rückt nahe an den Schirm. Die letzte Entscheidungs-Show vor dem Finale 2006. Bahar singt "Shame", aus dem Monrose-Album "Temptation". Sie singt von Liebe und Selbstzweifeln – und bricht in Tränen aus. "Der gesamte Druck hat sich entladen", erklärt Bahar, deren Blick gebannt an den eigenen tränennassen Wangen klebt. Plötzlich richtet sie sich auf, drückt fest das Kreuz durch. "Es kommt mir vor, als wäre das eine Ewigkeit her." Drei Klicks und das Video verschwindet. Die Google-Trefferliste füllt wieder den Bildschirm.

Das Bahar-Quiz lockt die Sängerin. Welches ist Bahars Lieblingsserie? Was ist Bahars Lieblingshobby? "Taekwondo und Ballett" – daher auch die perfekte Haltung, die es der Sängerin zu jeder Zeit verbietet, sich an dem Buckel von Familienkatze Melek ein Beispiel zu nehmen. "Kampfsport habe ich gelernt, weil meine Mutter wollte, dass ich mich verteidigen kann", erklärt Bahar und grinst. "Keiner konnte das Bein so hoch schwingen wie ich." Dass sie in dem Quiz letztlich nur sieben von zehn möglichen Punkten erzielt, fuchst die Perfektionistin. Hat sie die Frage zu einem vermeintlichen Ex-Freund falsch beantwortet? "Ich war aber mit keinem der genannten Jungs zusammen", klagt Bahar.

Aber stimmt denn, was in einem Chat zu lesen ist, dass sie ständig ihre Zähne kontrolliert? "Ja, ich lache viel und der Gedanke an aufblitzende Essensreste ist schrecklich!" Bahar und Monrose sind sehr auf ihre Außenwirkung bedacht. "Wir haben Regeln: keine Nacktfotos, keine intimen Details." Kein Wunder gibt es im Netz kaum freizügige Bilder; bis auf die obligatorische Fotostrecke in dem Herrenmagazin FHM, für die von den No Angels über Monrose hin zu Queensberry noch jede weibliche Popstars-Retortenband in Bikini oder Dessous posierte.

"So läuft das Geschäft", Bahar
Bilder, die die Fans sehen wollen. Wie wichtig die für den Erfolg der Band sind, weiß Bahar. Die Anfeuerungsrufe auf Fan-Seiten, die Band zu pushen und viele CDs zu kaufen, entlocken ihr ein Lächeln – graben aber zugleich eine steile Falte zwischen ihre Augenbrauen. Denn während die erste Monrose-Platte durch die Sendung auf Platz eins der Charts gehypt wurde, musste das Trio für den Erfolg der folgenden Alben viel schwerer arbeiten. Monrose müssen stets beweisen, dass sie keine Eintagsfliege aus der Retorte sind. "So läuft das Geschäft."

Ein Geschäft, in dem Stillstand tabu ist. Im Monrose-Fan-Forum geht daher das Gerücht, dass Bahar demnächst eine Karaoke-Show für Kinder auf Cartoon Network moderieren wird. "Das stimmt, die Aufnahmen beginnen im April." Bereitet sie sich denn damit schon auf die Zeit nach Monrose vor? "Irgendwann ist es mit der Band vorbei", stellt Bahar unmissverständlich klar. "Aber das Ende bestimmen wir selbst." Tief holt die 20-Jährige Luft, verharrt, blickt auf den Bildschirm, blickt auf ihre im Schoß verknoteten Hände. "Das hoffen wir zumindest."

Autor: Alexandra Sillgitt