Moralische Kantaten über "Zeit", "Glück" und "Geiz"

rwb

Von rwb

Mo, 13. Juli 2015

Ettenheim

Joachim Held (Laute) und Bettina Pahn (Sopran) führen im Schlosss Altdorf unter anderem drei Stücke von Teleman auf.

ETTENHEIM-ALTDORF. Die Freunde alter Musik sind in dem Konzert von Joachim Held (Laute) und Bettina Pahn (Sopran) im Rahmen des Ettenheimer Musiksommers voll auf ihre Kosten gekommen. Vergnüglich leichtes "Musikalisches Tafel Confect" wurde im Bibliothekssaal des Schlosses Altdorf geboten.

Aus den sechs moralischen Kantaten von Georg Philipp Telemann (1681 – 1767) standen drei – die "Zeit", das "Glück" und der "Geiz" – auf dem Programm. Bettina Pahn, die noch als Geheimtipp unter den Spezialisten für Alte Musik gilt, obwohl sie bereits eine langjährige Zusammenarbeit mit dem Amsterdamer Dirigenten Ton Koopman verbindet, singt mit einem feinen lyrischen Sopran und einer beeindruckenden Technik, sehr sauber, die Koloraturen schlank gebunden, gut geführt und fließend, der Ton völlig frei von Luft und ausdrucksvoll gestaltet.

Nach der "Zeit" von Telemann greift Joachim Held zur Theorbe, einer Basslaute mit verlängertem Hals, und spielt von Silvius Leopold Weiß (1687 – 1750) aus dem Frühwerk die Suite in d-moll, 1712 in Venedig komponiert. Die viersätzige Suite, Ouvertüre, Bouree, Menuet und Gigue, hat einen offenen Charakter, einen weichen Klang und zeichnet sich immer wieder durch absteigende Linien aus. Mit "Gebet Rat" und "Von allerhand Nasen" von Jakob Kremberg (1650-1718) und Valentin Rathgeber (1682-1750) wird es recht vergnüglich und die augenzwinkernd humorige Seite der barocken Gefühlswelt wird präsentiert, wenn die unterschiedlichsten Nasen, große, kleine, alte, junge, dicke, dünne, lange, kurze und noch mehr besungen werden.

Auch auf den Text kommt es an. Die Verständlichkeit ist nicht immer ganz gut, meist aber schon. "Schlaf indessen wertes Glücke, denk doch einst an mich zurücke" heißt es in Telemanns Glücks-Kantate, in der dem Glück stets das morgendliche Aufstehen empfohlen wird. Die Ausgestaltung ist sehr präzise und schön im Ausdruck.

Nach der Pause stellt Joachim Held eine feine Suite eines anonymen Komponisten vor, die mit einem lieblichen Thema im Adagio beginnt, gefolgt von einer burschikosen Courante, auch hier weich im Klang, einer schwebenden, reich verzierten Sarabande und schließlich einer Gigue, die in leichter Spielweise frisch und virtuos voran geht.

Zwei Lieder von Andreas Hammerschmidt (1611 – 1675) geben dem Konzert erst eine trübe Färbung, "die Melancholey", dann eine heitere mit der "Kunst des Küssens" – "nicht zu trocken, nicht zu feuchte". Die "Einsamkeit" von Johann Philipp Krieger (1649 – 1725), die "Qual der Herzen", lässt ein wunderschönes Vibrato hören, die Sängerin lässt den Ton großwerden und gestaltet innig. Um das Wortspiel "ersaufen" und "versaufen" geht es in einem weiteren heiteren, augenzwinkernden Stückchen von Telemann: "Über das niedersächsische Versapen".

Am Schluss des Konzertes steht der "Geiz" von Telemann, der noch einmal die schöne Qualität des Vortrags der beiden Echo-Preisträger unterstreicht. Es gibt reichlich Applaus und eine Zugabe.