Freiburg

Aktivisten besetzten am Samstag leerstehendes Haus in der Guntramstraße

Eyüp Ertan, Gina Kutkat, Simone Lutz

Von Eyüp Ertan, Gina Kutkat & Simone Lutz

Mo, 10. Dezember 2018

Freiburg

Die nach Angaben der Besetzer etwa zwei Dutzend Menschen richteten sich damit gegen "Gentrifizierung und Verdrängung", für die sie die Guntramstraße als typisches Beispiel in Freiburg sehen.

FREIBURG-STÜHLINGER. Am frühen Samstagmorgen wurde ein leerstehendes Mehrfamilienhaus an der Guntramstraße besetzt – am späten Nachmittag war es bereits wieder geräumt. Die Aktion soll der Anfang einer geplanten Reihe von Besetzungen im Freiburger Stadtgebiet gewesen sein.

Um 5.30 Uhr hatten mehrere Personen – rund zwei Dutzend, hieß es aus den Reihen der Besetzer – das Gebäude an der Guntramstraße besetzt und Transparente aus Fenstern und Balkonen gehängt. "Das Haus in der Guntramstraße ist nur ein Beispiel für Gentrifizierung und Verdrängung", hieß es am frühen Nachmittag auf einer Pressekonferenz. Mehrere Aktivistinnen und Aktivisten, die sich "WG", für "Wohnraum Gestalten", nennen, kündigten an, dass dies der Auftakt zu einer ganzen Reihe von Besetzungen im Stadtgebiet sein werde – "ob wir geräumt werden oder nicht". Die Stadtverwaltung sei nicht in der Lage, der Verdrängung von Mietern Einhalt zu gebieten.

Die Entmietung des fünfstöckigen Wohnhauses hatte Mitte des Jahres Aufsehen erregt. Der Hausbesitzer hatte Eigenbedarf angemeldet und den Mietern gekündigt, die sich gerichtlich wehrten, aber dennoch ausziehen mussten. Der SPD-Ortsverein Stühlinger wertet den Fall als Zeichen zunehmender Gentrifizierung im Stadtteil. Bei den Besetzern hieß es, Luxussanierungen seien genauso unverantwortlich wie Leerstand: "Wenn die Stadt nicht handelt, dann machen wir das, dann werden wir Wohnraum gestalten."

Vor dem besetzten Haus hatten sich im Laufe des Tages mehrere Dutzend, vorwiegend junge Leute eingefunden, um die Aktivisten zu unterstützen. Man habe auch in der Nachbarschaft viel Zustimmung erfahren, so eine Besetzerin. Als die Eigentümerfamilie eintraf, kam es im Treppenhaus zu sachlichen Gesprächen, aber auch emotionalen Vorwürfen auf beiden Seiten. Die Eigentümer fühlen sich ungerecht behandelt und betonten, sie wollten das Haus für die eigene Familie nutzen.

Später machte sich Bürgermeister Stefan Breiter vor Ort ein Bild von der Lage. "Es ist natürlich schwierig, wenn das Recht des Eigentümers verletzt wird", so Breiter. "Ihre politische Botschaft ist jedenfalls angekommen." SPD-Stadtrat Walter Krögner bedankte sich bei den Besetzern: "Das ist schon seit Jahren überfällig." Stadtrat und Nachbar Sergio Schmidt von Junges Freiburg/Die Partei/Grüne Alternative (JPG) meinte: "In der Wohnungspolitik funktioniert unser System nicht mehr. Deshalb ist es die richtige Entscheidung, Häuser zu besetzen und sich zu wehren."

Um 16 Uhr beendete die Polizei die Besetzung. Polizisten durchsuchten das Haus und entfernten Barrikaden, die von den Aktivisten aufgebaut worden waren. Die Räumung verlief friedlich. Der Hauseigentümer habe Strafanzeige gestellt, so Polizei-Pressesprecher Martin Lamprecht: "Und strafbares Handeln werden wir nicht dulden." Die im Haus vorgefundenen acht Besetzer müssen sich nun wegen Hausfriedensbruchs verantworten.