Beiläufig den Abschied angekündigt

Uwe Rogowski

Von Uwe Rogowski

Fr, 24. August 2018

Mountainbike

Mountainbikerin Sabine Spitz aus Niederhof startet am Sonntag in La Bresse zum letzten Mal im Weltcup.

MOUNTAINBIKE. Ihren Rennkalender hatte Sabine Spitz für die bald zu Ende gehende Mountainbike-Saison bereits ausgedünnt. Ausgewählte Rennen und mehr Langstrecke lautete das Motto. Getreu dem Credo: "Ich mache nur noch, was mir Spaß macht."

Es war ein erstes Indiz dafür, dass der Schlussakt eingeleitet wird. Sukzessive. Nun folgt für die Niederhoferin auf dem Weg in den sportlichen Ruhestand ein weiterer Schritt. Ein im Grunde unauffälliges Weltcup-Rennen wird zur Zäsur: La Bresse am Sonntag (12.20 Uhr) bedeutet das Ende der epischen Weltcup-Karriere von Sabine Spitz, 46, was ihr Management in dieser Woche en passant in einer Pressemitteilung kommuniziert hat: "Dass es für Sabine Spitz auch der finale Weltcup ihrer langen Karriere sein wird, gibt dem Rennen eine besondere Note", heißt es dort. "Es ist praktisch das Ende ihrer olympischen Cross-Country-Laufbahn", präzisierte ihr Manager Ralf Schäuble am Donnerstag auf Nachfrage der Badischen Zeitung.

Ralf Schäuble: "Lenzerheide wird ihre letzte WM."

Sabine Spitz will offenbar keinen großen Bahnhof, keine Schnittblumen und warmen Worte im Zielraum, für sie sei La Bresse "eigentlich vor allem ein Rennen mit Blick auf die Weltmeisterschaft zwei Wochen später in Lenzerheide", beschwichtigt die Olympiasiegerin. Aber: "Natürlich denkt man auch an die lange Zeit im Weltcup zurück."

Bei ihrem Debüt führte Helmut Kohl in Bonn das Kanzleramt, Deutschland wurde im selben Jahr in London unter Trainer Berti Vogts Fußball-Europameister. Ihr erster Start 1996 war in Houffalize, Belgien – La Bresse wird der 117. Weltcup für die dreifache Olympiamedaillen-Gewinnerin sein. Es war eine sagenhafte Erfolgsgeschichte über mehr als zwei Jahrzehnte. In rund jedem sechsten Rennen gab es Edelmetall.

Mit 21 Mal Podium inklusive zweier Siege in den Jahren 2002 und 2013 "war es eine sehr erfolgreiche Zeit, auch wenn ihre Domäne vor allem die internationalen Meisterschaften und Olympischen Spiele waren", teilte ihr Manager Ralf Schäuble mit. Aus deutscher Sicht gebe es "niemanden, der nur ansatzweise auf solche Weltcup-Erfolge zurückblicken kann". Was keine übertriebene Formulierung ist.

Am gestrigen Donnerstag lag ihr Olympiasieg von Peking exakt zehn Jahre zurück. Ursprünglich hatte sie schon mit einem Karriereende nach Olympia 2016 geliebäugelt, verletzungsbedingt magere Spiele hatten sie allerdings noch einmal umgestimmt. Dass es am Sonntag in den Vogesen für sie eine erfolgreiche finale Weltcup-Performance geben wird, ist fraglich. Ihr angeborener Ehrgeiz wird Sabine Spitz antreiben, nach Nove Mesto, Tschechien, zum Weltcup-Auftakt im März noch einmal einen Top-Ten-Rang (8.) herauszufahren. Doch "auch wenn gesundheitlich wieder alles im Lot scheint, dürfte das Trainings-Defizit für eine Top-Platzierung zu groß sein", teilte Ralf Schäuble mit.

Lenzerheide am 9. September "wird auch ihre letzte Weltmeisterschaft werden", bestätigte der Manager gegenüber der BZ jene Vermutung, denn für die WM lässt sich in erster Linie nur über den Weltcup empfehlen. Welche Rennen sie künftig konkret ins Auge fasst? Der Plan stehe noch nicht fix, sagt Schäuble, Cape Epic, Engadin Bike Giro und Rothaus Bike Giro seien aber dabei. Auf Marathon- und Etappenrennen wolle sie sich fokussieren, sagte Sabine Spitz bereits vor einiger Zeit.

Ihr Weltcup-Rückzug ist eine Zäsur für ihre Branche, die sie mit dem zu dem gemacht hat, was sie heute ist: eine anerkannte olympische Disziplin.