Cross-Country-Ausstieg ohne Abschluss

dpa

Von dpa

Fr, 07. September 2018

Mountainbike

Mountainbikerin Sabine Spitz verzichtet doch auf ihre letzte Cross-Country-WM und konzentriert sich auf die folgende Marathon-WM.

MOUNTAINBIKE (uwo). Es ist ein unpassendes Ende ihrer internationalen Cross-Country-Karriere. "Ich habe alles versucht, aber es geht nicht", sagte Sabine Spitz in dieser Woche.

Die Olympiasiegerin aus Niederhof verzichtet auf einen Start bei der Weltmeisterschaft in Lenzerheide/Schweiz am Samstag. Die 24. Nominierung in Folge für eine Cross-Country-WM in der Elitekategorie hätte ihr letzter große Auftritt in der olympischen Mountainbike-Disziplin werden sollen, "doch die Defizite durch eine Sturzverletzung vom Weltcup im Val di Sole Anfang Juli sind für sie zu gravierend", teilte ihr Manager Ralf Schäuble mit.

Wenn die 46-Jährige ein Rennen, zumal eine WM, in Angriff nimmt, dann nicht mit der Aussicht, irgendwie durchzukommen, mitzufahren, womöglich hinterher. "Wenn ich in ein WM-Rennen reingehe, habe ich meine Ansprüche und die kann ich in meiner aktuellen Verfassung nicht erfüllen", sagt Sabine Spitz.

Eine Verletzung an der Halswirbelsäule habe "eine Schwellung im Rückenmark" verursacht, "die auf die Nerven gedrückt hat, so dass für mehrere Wochen kein Training möglich war", so musste sie bereits im Juli die Europameisterschaft in Glasgow absagen. Den entscheidenden Rückschlag gab es beim Weltcup-Finale in La Bresse. "Das war natürlich eine andere Liga und der 52. Platz ein echter Tiefschlag für mich. Aber Cross-Country ist einfach extremer, da fehlen mir die entsprechenden Trainingseinheiten und die Sicherheit auf dem Bike aufgrund der Verletzung", bekennt die dreifache Olympiamedaillen-Gewinnerin.

Nur zu starten, um ihre Karriere mit dem 23. Start bei einer Cross-Country-WM "abzurunden" und einen Schlusspunkt zu setzen? Nein, sagt Sabine Spitz, das brauche sie nicht. "Ich könnte es nicht genießen. Ein letztes Mal auf dieser Bühne präsentieren? Ja, aber nicht so." Sie war seit 1995 in Kirchzarten bei jeder WM dabei, gewann fünf Einzel- und zwei Team-Medaillen, darunter den Titel 2003. Nur 2013 in Pietermaritzburg konnte sie nach einem Trainingssturz auf der WM-Strecke nicht starten. Bundestrainer Peter Schaupp bedauert, dass die erfolgreichste deutsche Mountainbikerin aller Zeiten so von der Cross-Country-Bühne verschwindet. "Sabine hat mit ihren Erfolgen so viel für unsere Disziplin getan, ich hätte ihr einen schöneren Abschied gewünscht. Den hätte sie auch verdient", kommentierte er gegenüber dem Branchenblog acrossthecountry.net. Schaupp könne "die Begründung aber nachvollziehen. Sie hat eben einen gewissen Anspruch an sich".

Am Sonntag hatte sie einen Test beim Swiss-Cup in Muttenz bestritten, doch der brachte nicht die erhoffte Wende: Platz 13 habe ihr "gezeigt, dass der Trainingsrückstand im Cross-Country doch zu groß ist und es mir nicht möglich sein wird, den eigenen Ansprüchen entsprechend bei einer WM konkurrenzfähig zu sein". So habe sie sich "schweren Herzens" entschlossen, auf einen Start in Lenzerheide zu verzichten, zeigt sich die deutsche Rekordmeisterin enttäuscht.

Die Marathon-WM in Auronzo di Cadore, Italien, am 15. September behält sie allerdings im Blick: "Das war ein Punkt bei der Entscheidung." Durch den Verzicht auf Lenzerheide sei es ihr möglich, sich gezielt vorzubereiten, "um dort das bestmögliche rauszuholen", sagt Spitz, im vergangenen Jahr Vize-Weltmeisterin. Diese Priorität überrascht nicht wirklich. Denn unter anderem auf längere Distanzen will sie sich künftig fokussieren. Und womöglich setzt sie schon in Auronzo doch noch ein weiteres Ausrufezeichen.