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13. September 2017

Mountainbike

Freiburger Markus Bauer wird erstmals Deutscher Meister

Freiburger Mountainbiker holt Titel auf der Marathon-Distanz.

  1. Echt schräg: Die sportliche Zukunft von Markus Bauer ist offen. Foto: Küste

MOUNTAINBIKE. Das Gefühl, als Zweiter über die Ziellinie zu rollen, hat Markus Bauer in seiner Karriere bereits sattsam ausgekostet. Viermal stand der 28-jährige Freiburger, der vor acht Jahren aus dem Spessart in den Schwarzwald zog, bei nationalen Titelkämpfen als Vizemeister auf dem Podest. Für den Sprung ganz nach oben hat es nie gereicht – bis zum vergangenen Sonntag. Bei der Marathon-DM im schwäbischen Gruibingen sicherte sich Bauer erstmals einen deutschen Meistertitel. Einen besseren Zeitpunkt für diesen Coup hätte er kaum finden können.

Das Los des ewigen Zweiten – es schien Bauer auch in Gruibingen nachzuhängen. Im Zweikampf um den Titel bog Simon Stiebjahn aus Titisee-Neustadt vor Bauer als Erster in die letzte Kurve. Vier Kilometer zuvor hatten die beiden Schwarzwälder Kumpels und Trainingskollegen auf dem 94-Kilometer-Kurs am Nordrand der Schwäbischen Alb Titelverteidiger Markus Kaufmann (Meckenbeuren) abgehängt. Nun winkte Bauer wieder Platz zwei. Doch dann kam alles anders.

Stiebjahn wollte verhindern, dass Bauer auf der Innenseite durchschlüpft, doch er lenkte zu stark ein. "Ich bin schön von Außen angefahren, war schon auf gleicher Höhe, als es passiert ist", beschreibt Bauer die Situation. Stiebjahn rutschte auf einem kurzen Kopfsteinpflasterstück mit dem Vorderrad weg und machte damit den Weg frei für Bauer. "Es ist ärgerlich, aber es freut mich auch für Markus", sagte der unterlegene Zweite.

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Der neue deutsche Meister, der mit Stiebjahn nächste Woche das Bundesligarennen in Neustadt organisiert, steht vor einer wichtigen Wegmarke seiner Karriere. Bauer ist auf der Suche nach einem neuen Rennstall, weil sich das Kreidler-Werksteam zum Jahresende aus dem Cross-Country-Wettkampfsport zurückzieht. Sein Freiburger Teamkollege Moritz Milatz, der in Gruibingen auf Platz vier einkam, hat deshalb nicht lange gezögert und lässt seine Karriere mit dieser Saison ausklingen (wir berichteten).

Der sieben Jahre jüngere Bauer aber will weitermachen. Er spürt, dass er sein Potenzial speziell im Marathonbereich, wo er derzeit die Weltserie anführt, noch nicht ausgereizt hat. Er ist sich sicher, dass da noch mehr kommen kann, wenn er mal längere Zeit verletzungsfrei bleibt. Zwei Kahnbeinbrüche und ein Beckenbruch, erlitten beim Weltcup in Australien im vergangenen Jahr, haben ihn immer wieder zurückgeworfen. "Das war der Grund, weshalb es zu Beginn dieser Saison gar nicht klappte", sagt Bauer.

Und das war auch der Grund, weshalb er bei der DM alles auf eine Karte setzte und sich nicht mit einem Podestplatz begnügte. "Alles oder nichts – so bin ich gefahren", sagt Bauer. Der große Wunsch, endlich dieses Meistertrikot überzustreifen und damit sein Können auch möglichen Sponsoren zu demonstrieren, ließ ihn vier Kilometer vor dem Ziel noch mal einen Gang hochschalten, um den kleinen Rückstand auf Stiebjahn zuzufahren. Klar ist jedoch: Halbgaren Sachen setzt sich Bauer für sein sportliches Umfeld nicht aus. "Ich muss die Option haben, Profi zu sein, und möchte jetzt nicht zwei Schritte zurückgehen", sagt der Freiburger, der im kommenden Jahr seinen Master-Studiengang im Fach Produktinnovation an der Hochschule Furtwangen abschließen will. MTB. Diese drei Buchstaben bedeuten Bauer nicht alles: "Es gibt in meinem Lebensentwurf auch andere Dinge, die mich glücklich machen."

Und doch will er noch nicht lassen von der hochklassigen Reiterei auf Grobstollen. Nach einem BZ-Bericht über ein fehlendes Profiteam im Schwarzwald ist Bauer in diesem Sommer mit Stiebjahn losgezogen und hat bei diversen Firmen Klinken geputzt. "Wir wollten ein eigenes Team aufbauen und haben nichts als Absagen kassiert", sagt er. Welches Unternehmen investiert schon einen mittleren sechsstelligen Betrag? Da bleiben nur die klassischen großen Radhersteller, die ihr Engagement jedoch verstärkt in den E-Bike-Sektor verschieben. "Die Budgets sitzen nicht mehr so locker", hat Bauer festgestellt. Vielleicht liegt die Zukunft seines Sports in akku-unterstützten Wettbewerben. Die Industrie gibt’s vor – und erwirkt womöglich bald eine deutsche E-Bike-Meisterschaft. Warum nicht? Auch diesen Titel würde Bauer gerne holen.

Autor: Erhard Goller und Matthias Kaufhold