Stiebjahn will das Glück erzwingen

Erhard Goller

Von Erhard Goller

Do, 14. Juni 2018

Mountainbike

MTB-Profi aus Langenordnach hofft bei der Marathon-DM in Kirchzarten auf den Titel / Bettinger mit Außenseiterchancen.

MOUNTAINBIKE. Zehn Namen fallen einem auf Anhieb ein, wenn es um die Favoriten auf den 15. deutschen Meistertitel im MTB-Marathon geht, der am Sonntag im Rahmen der 20. Auflage des Black-Forest-Ultra-Bike-Marathons in Kirchzarten ausgefahren wird. Der amtierende deutsche Vizemeister Simon Stiebjahn ist einer der Medaillenkandidaten. Auf die Titelverteidigung im DM-Sprintrennen, das am Freitagabend in der Kirchzartener Ortsmitte ausgefahren wird, verzichtet der MTB- Profi aus dem Neustädter Ortsteil Langenordnach.

Das zeigt schon, welche Bedeutung die Marathon-DM für ihn besitzt. Und für sein Team Bulls. "Der Sonntag ist wichtiger", sagt Stiebjahn. Und im Gegensatz zum Vorjahr, als er Gold im Sprint und zwei Tage später Silber im Cross-Country-Rennen gewann, sei der Unterschied zwischen Sprint und Marathon von der Vorbereitung her "zu groß". Bei der DM geht es für Stiebjahn und seine Equipe nur um Platz eins. Nur mit dem Meistertrikot mit dem schwarz-rot-goldenen Brustring ist der Erfolg über die Saison hinweg sichtbar. Simon Stiebjahn selbst hat bereits eine Bronze- und zwei Silbermedaillen in seinem Vitrinenschrank, die er bei Langdistanzrennen gewonnen hat.

"Ich habe super trainiert und weiß, dass ich auf einem guten Weg bin. Wenn Tagesform und das notwendige Quäntchen Glück auf meiner Seite sind, dann kann ich optimistisch sein", erklärt Stiebjahn. Den Hochschwarzwälder erwarten etliche Konkurrenten, denen man den Titel zutrauen kann. Mit Ex-Meister Karl Platt und Tim Böhme sogar zwei aus dem eigenen Team. Und dann mit Markus Kaufmann und Jochen Käß aus dem Centurion-Vaude-Rennstall auch zwei Fahrer, die eine teamtaktische Karte spielen können. Kaufmann hat als Dritter der Alpentour-Trophy in der vergangenen Woche starke Form bewiesen und zeigt sich für die DM "zuversichtlich". Teamkollege Käß war Vierter. 2017 hat er den Black-Forest-Ultra-Bike-Marathon gewonnen. Dann ist da noch der Wahl-Freiburger Sascha Weber, Vize-Europameister 2015 und in den vergangenen beiden Jahren jeweils Zweiter beim Ultrabike. Er hat sich bei einem Höhentrainingslager in Livigno auf die Marathon-DM vorbereitet.

Simon Stiebjahn rechnet zudem mit dem Ultrabike-Sieger von 2016, Andreas Seewald. Und natürlich mit Matthias Bettinger. Der würde zu gerne mal eine DM-Medaille erobern. Der Breitnauer kennt die 114 Kilometer lange Ultra-Strecke wie seine Westentasche. "Ich habe für dieses Jahr ein paar Dinge umgestellt und habe mir eine Strategie zurecht gelegt", sagt Bettinger. Ein Fahrer, den man nicht vernachlässigen sollte, ist der Münstertäler Julian Schelb. Der ist ein guter Kletterer und sofern ihn seine Pollenallergie nicht bremst, mit viel Talent gesegnet. Schelb könnte für eine frühe Offensive sorgen. Mutig genug ist er.

Bei den Frauen ist der Kreis der Medaillenkandidatinnen übersichtlicher. Es wäre schon eine große Überraschung, wenn die Titelträgerin nicht Sabine Spitz (Niederhof) oder Elisabeth Brandau (Schönaich) heißen würde. Für Spitz wäre es der 20. Deutsche Meistertitel und nichts anderes ist ihr Ziel. Am vergangenen Sonntag gewann sie den Waldhaus-Marathon und zeigte sich danach zuversichtlich. "Die Beine waren gut", sagt Spitz. "Bei der DM wird es sicher schwierig gegen Lisa, die ist in einer super Form." Brandau wiederum hat Respekt vor Spitz. "Ich habe wegen Prüfungen die vergangen beiden Wochen nicht viel trainiert und Sabine hat halt viel Erfahrung. Ich denke, es wird mental eine Herausforderung werden. Die Titelverteidigerin und Ultra-Bike-Siegerin der vergangenen drei Jahre, Silke Ulrich (Ottobrunn), hat aus beruflichen Gründen nur wenig trainieren können.

Gegenheimer der Favorit im DM-Sprint

Bei der Deutschen Meisterschaft im Eliminator-Sprint wird Simon Stiebjahn seinen Titel am Freitagabend in Kirchzarten nicht verteidigen. Favorit ist der Remchinger Simon Gegenheimer. Der Vize-Weltmeister war dreimal bei einer Sprint-DM am Start und hat sie dreimal gewonnen. David Horvath, der inzwischen in Breitnau lebt, hat sich aktuell gezwungenermaßen auf kurze Disziplinen konzentriert. Im Mai holte er sich DM-Bronze in der Disziplin Four-Cross. Der aus Reutlingen stammende 22-Jährige war 2015 Deutscher Meister im Eliminator, damals vor Stiebjahn und im Vorjahr war er, nur hauchdünn geschlagen von Stiebjahn, Zweiter. Doch Horvath laboriert immer noch an den Folgen der Beckenverletzung, die er sich bei einem Sturz bei der EM im Sommer 2017 zugezogen hatte.

Zu den anderen Kandidaten, von denen man weiß, dass sie gut sprinten können, gehören Julian Schelb (Dritter 2017) aus Münstertal, Felix Klausmann (Hausach), Vitus Wagenbauer (Oberland) sowie die beiden Breitnauer Simon Gutmann und Heiko Hog vom Pilsner-Merida-Team. Hog, Vize-Europameister 2015, ist vorsichtig optimistisch. "Na ja, geht so", meint er zu seinen Erwartungen, "ich werde wohl am Start sehr gut wegkommen, aber ich hatte nicht die Zeit, die Länge zu trainieren. Es wird also hart für mich." Ein guter Start kann auf dem engen Innerorts-Kurs schon die halbe Miete sein. Bei den Frauen ist die Konkurrenz übersichtlich. Titelverteidigerin ist Clara Brehm aus Waldaschaff.