Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
14. September 2009
Wilde Raserei morgens um sieben
Matthias Bettinger in Furtwangen hellwach / 1391 von 1431 Startern erreichen das Ziel beim 13. Schwarzwald-Bike-Marathon
-
Viecherei? Bei herrlichem Spätsommerwetter wurde der 13. Schwarzwald-Bike-Marathon rund um Furtwangen zum tierischen Vergnügen. Foto: Hall
-
Triumph über 120 Kilometer: Matthias Bettinger Foto: Hansjörg Hall
-
Rasenmäher: Rasante Positionskämpfe inmitten saftiger Wiesen Foto: Hansjörg Hallg
-
Motivationshilfe am Streckenrand: Wohl dem, der mit fliegendem Puls noch Aufmunterndes lesen kann. Foto: Hansjörg Hall
MOUNTAINBIKE. Matthias Bettinger tat gut daran, den 13. Schwarzwald-Bike-Marathon gestern zu gewinnen. Sonst hätte den Breitnauer statt der stürmischen Umarmungen von Freundin Daniela und Mutter Dagmar im Ziel ein "Donnerwetter" von seinem Freund und Rothaus-Cube-Kollegen Benjamin Rudiger erwartet.
Das zumindest behauptete Rudiger grinsend, als er das 120-Kilometer-Rennen aus seiner Sicht schilderte. "Wie man so rumrasen kann morgens um sieben, ich hab’ noch halb geschlafen", grummelte der Stegener. Ob’s an der Hetze lag, konnte er nicht sagen, jedenfalls bekam Rudiger Probleme mit seinem Magen. Er habe nichts essen und bis Gremmelsbach, als die Biker schon fast zwei Drittel der längsten Distanz hinter sich hatten, nur eine halbe Flasche Wasser trinken können. So geschwächt entschied sich der 25-Jährige dort für eine Pause, während Bettinger Gas gab. Dieses Tempo konnte auch Uwe Hardter aus dem Rothaus-Cube-Trio nicht mehr mitgehen, doch er behauptete Rang drei bis ins Ziel.Benjamin Rudiger fuhr als Vierter allein, bis nach St. Georgen von hinten Andreas Schwarzer aus Calw kam. Beide fuhren zusammen weiter, laut Rudiger eher gemächlich als im Renntempo. Von Schwarzers Vater hatten sie die Information, dass von Verfolgern keine Gefahr drohe. Am Bahndamm im Bregtal schickte Rudiger den Schwaben vor. Ob er Vierter oder Fünfter werde, sei ihm egal, meinte der frühere deutsche Meister der U 23, der in Furtwangen 2006 die 120 und im Vorjahr die 90 Kilometer gewonnen hatte. Mit dem Sieg des Vorjahresvierten Bettinger, Rang drei von Hardter und dem fünften Platz von Bettinger schaffte der St. Märgener Rennstall Rothaus-Cube auf der Königsdistanz des Schwarzwald-Bike-Marathons ein ausgezeichnetes Ergebnis.
Werbung
Das gilt auch für den zweiten Platz von Annette Griner auf der selben Strecke. Die 33-Jährige aus Murg freute sich, dass sie in 5:44,46 Stunden gut elf Minuten schneller war als bei ihrem Sieg im Vorjahr. Die überlegene Gewinnerin Pia Sundstedt fahre ohnehin "in einer anderen Klasse". Und das Rothaus-Cube-Team konnte sich bei wärmendem Sonnenschein über zwei weitere Tagessiege freuen: Milena Landtwing dominierte die 90 Kilometer der Frauen mit mehr als einer halben Stunde Vorsprung und der Münstertäler Heiko Gutmann hielt die Konkurrenz über 60 Kilometer klar in Schach.
Die Todtnauerin AnnetteRümmele entschied die 42 Kilometer der Frauen deutlich für sich. Bei den Männern gab es auf der kürzesten Schleife hinter Sieger Julian Schwendemann (Steinach) und dem Münstertäler Andreas Muckenhirn einen packenden Zielsprint um Rang drei. Felix Günter vom RSV Hochschwarzwald war am Ende eine Zehntelsekunde schneller als Sascha Knöpfle (RSV Bike-Arge St. Märgen). Mit ebenso knappem Vorsprung gewann Henrik Grobert vom Kirchzartener Lexware Racing Team den auf dieser Strecke ausgelobten Jugend-Cup der Klasse U 17 vor den zeitgleichen Pirmin Kuß und Manuel Pfaff (beide SC Urach). Kuß fand das Rennen "richtig schwer", weil es ein "totaler Fight" gewesen sei, ohne Erholungspausen. Sobald einer das Tempo angezogen habe, sei die ganze Meute wie wild hinterher gejagt.
Mitleid ist da fehl am Platz. Meinte jedenfalls ein Zuschauer aus Tübingen. "Am A … bin ich", hatte ihm sein Sohn vor dem langen Anstieg in Gremmelsbach zugejapst auf die Frage, weshalb er denn so böse schaue. "Die Fahrer wollen das ja, die vielen Höhenmeter hier", meinte der Vater schmunzelnd. Gestern wollten das rund um Furtwangen 1431 Starter. 1391 von ihnen kamen ins Ziel.
Autor: Annemarie Zwick


