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23. Juli 2014

Mozart wäre wohl entzückt gewesen

"Cantemus!" singt die Krönungsmesse in Gundelfingen.

GUNDELFINGEN (BZ). Voll besetzt war am Sonntag die Festhalle in Gundelfingen, als der Kammerchor "Cantemus!" seinem Konzertplakat musikalisch Gestalt gab: eine Krone, in deren Umriss ein M zu erahnen ist. Gesungen wurde die Krönungsmesse von Wolfgang Amadeus Mozart. Das Publikum wiederum konnte an diesem Abend das Ergebnis intensiver Probenarbeit genießen.

Da sich der Konzertablauf an einem Festgottesdienst orientierte, wie er sich zur Amtszeit Mozarts als Hoforganist im Salzburger Dom ereignet haben könnte, erklangen die Kirchensonate C-Dur KV 278 als Präludium, die Kirchensonate C-Dur KV 328 (Epistelsonate nach der zweiten Lesung) und die Kirchensonate C-Dur KV 329 als Postludium. Das junge Barockorchester unter Konzertmeisterin Dora Szilagyi offerierte ein vielfältiges Klangbild, akzentuierte ausdrucksvoll und mit sicherer Intonation, obgleich die subtropischen Temperaturen an diesem Tag häufiges Nachstimmen erforderten.

Nach dem "Gloria" aus der Krönungsmesse sang der Chor "Laudate Dominum" KV 339 und beschloss damit den ersten gesanglichen Abschnitt. Die solistischen Passagen waren brillant gestaltet von Agnes Knoop (Sopran), Tobias Knaus (Altus), Richard Resch (Tenor) und Jan Sauer (Bass). Als feinfühliges Ensemble zeigte das stimmliche Quartett Qualität, besonders Agnes Knoop, die sich mit ihrer Gestaltungskraft, den zarten Koloraturen und warmen Höhen in die Herzen des Publikums gesungen zu haben schien. In der Motette "Exsultate, jubilate" KV 165 gelang es ihr auf beeindruckende Weise, die theologische Botschaft zu vermitteln, dass Freude und Jubel die Gläubigen über Traurigkeit und Gefahr hinweg tragen können.

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Im letzten Teil erklangen "Sanctus", "Benedictus" und "Agnus Dei". Die Zuhörer kehrten somit, nach einem bereichernden musikalischen Ausflug, zurück zur Krönungsmesse. Mit "Ave verum" KV 618, getragen und berührend vom Chor "gepredigt", endete der gesangliche Teil. Der flexible Chor umrahmte das musikalische Geschehen, unterstrich die Dramatik, so im "Credo", begleitete die Solisten, flehte um Erbarmen, jubelte das "Gloria". Bernhard Schmidt, der die Gesamtleitung innehatte, führte mit großem Engagement und präzisem Dirigat.

Dankesworte an ihn und alle Mitwirkenden beendeten den Konzertabend. Das begeisterte Publikum spendete minutenlang Applaus. "Mein Herz ist völlig entzückt, aus lauter Vergnügen, weil mir auf dieser Reise so lustig ist, weil es so warm ist in dem Wagen, und weil unser Kutscher ein galanter Kerl ist", schrieb Mozart im Dezember 1769 an seine Mutter. Man könnte meinen, er habe in Gundelfingen vorbeigeschaut.

Autor: preu