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27. August 2011

Ahornbäume: Eine Familie von Riesen und Zwergen

BZ-SERIE: Ahornbäume gibt es viele auf der Welt – drei Arten wachsen in der Region: Bergahorn, Spitzahorn und Feldahorn.

  1. Foto: Jens-Uwe Voss

  2. Foto: Jens-Uwe Voss

  3. Foto: Jens-Uwe Voss

MÜLLHEIM. In Müllheim gibt es zwar keine Baumschutzsatzung, aber seltene und besonders alte Bäume wurden hier in einer Liste geschützter Naturdenkmale aufgenommen. Manche von ihnen sind einheimisch, andere kamen aus fernen Ländern ins Markgräflerland. Einige dieser Bäume, ihre Besonderheiten und – wenn sie bekannt ist – auch ihre Geschichte stellt die Badische Zeitung in einer Serie vor. Heute geht es um Ahornbäume.

Unter den vielen Bäumen, die als Naturdenkmale ausgewiesen sind, finden sich auch zwei Exemplare des Bergahorns. Beide stehen dicht nebeneinander im Garten der Familie Rietz in Vögisheim, an der Ecke Brunnenstraße/Am Rotacker. Im selben Garten wachsen auch noch eine mächtige Schwarzkiefer und einige ältere Eiben, die ebenfalls unter Schutz gestellt wurden. Sie alle gehörten einst zu einem größeren, parkähnlichen Garten, der das ehemalige Gasthaus Krone umgab, dann aber dem Bau von Straßen und Häusern weichen musste.

Die beiden Bäume in Vögisheim sind die einzigen Exemplare des Bergahorns, die in Müllheim unter Denkmalschutz stehen. Generell ist dieser Baum aber nicht selten und in vielen größeren Gärten und Parks in Müllheim und Umgebung zu sehen. Der wissenschaftliche Name des Bergahorns, Acer pseudoplatanus, deutet auf die Ähnlichkeit der Blätter mit denen der Platane hin, ein Baum, der auch in Müllheim oft als Straßenbaum zu finden ist. Es ist aber nicht schwer, beide Baumarten auseinanderzuhalten: Die Blätter des Bergahorns stehen wie bei allen Ahornarten in charakteristischer Weise immer paarweise gegenüber am Zweig (der Fachmann nennt das "gegenständig"), während bei Platanen jedes Blatt für sich am Zweig angeordnet ist ("wechselständig"). Auch die Früchte lassen keinen Zweifel aufkommen, ob man vor einem Ahorn oder einer Platane steht: Bei Platanen findet man kleine braune Kugeln an langen Stielen, bei Ahornbäumen die typischen Spaltfrüchte mit zwei abstehenden Flügeln, die als Schraubenflieger vom Wind bis zu 100 Meter weit fort getragen werden.

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Der Bergahorn ist eine einheimische Baumart, die in ganz Mitteleuropa vorkommt. Besonders wohl fühlt er sich in Berglagen, wo er mit Sommerlinden, Bergulmen und Eschen in artenreichen Mischwäldern vorkommt. Er ist äußerst frosthart und kommt mit der Eberesche bis hoch zur Baumgrenze vor, auch hier im Südschwarzwald. Bergahornbäume können mehrere 100 Jahre alt werden und Stammdurchmesser von über zwei Meter erreichen. Das Holz des Bergahorns wird sehr geschätzt und insbesondere für Musikinstrumente, Tischplatten und Parkettböden verwendet. Unter den einheimischen Ahornarten ist der Bergahorn der häufigste.

Fast ebenso häufig und auf den ersten Blick recht ähnlich ist der Spitzahorn (Acer platanoides). Das Laub des Spitzahorns ist jedoch stärker gelappt, und die Lappen sind stärker zugespitzt – daher der Name. Ein sicheres Unterscheidungsmerkmal bieten im Spätsommer und im Herbst die Früchte. Beim Bergahorn stehen die Fruchtflügel etwa rechtwinklig, beim Spitzahorn in einem stumpfen Winkel fast waagerecht zueinander.

Der Spitzahorn liebt etwas wärmere Sommer als der Bergahorn und kommt deshalb mehr in niederen Gebirgslagen und in der Ebene vor. Im Gebirge geht er nicht so hoch hinaus wie der Bergahorn. Sein Holz ähnelt dem des Bergahorns, ist aber weniger wertvoll. Als Forstbaum wird er daher weniger geschätzt. Man findet den Spitzahorn dafür auch in Müllheim oft als Straßenbaum und an öffentlichen Plätzen, etwa in der Östlichen Allee und am Friedhof Niederweiler. Ein größerer Baum hat sich auch in die Allee von Rosskastanien an der Westseite des Bahnhofs hineingemogelt.

In der Feldflur, an lichten Waldrändern, in Hecken und gelegentlich in Gärten findet man die dritte heimische Ahornart: den Feldahorn oder Maßholder (Acer campestre). Er wächst oft nur strauchförmig oder zu einem kleinen, mehrstämmigen Baum von zehn Metern Höhe heran und bleibt damit viel kleiner als Berg- und Spitzahorn, die als einstämmige Bäume 25 bis 30 Meter Höhe erreichen. Die Blätter des Feldahorns sind viel kleiner als die des Spitz- und Bergahorns und die Blattlappen stumpf und ungezähnt. Die Fruchtflügel stehen praktisch waagerecht zueinander. Der Feldahorn ist ein recht anspruchsloses und widerstandsfähiges Gehölz, das nach Rückschnitt wieder stark austreibt. In früheren Zeiten war dieser Ahorn daher eine häufige Gehölzart der Niederwälder, die zur Gewinnung von Viehfutter und Brennholz stark beschnitten wurden.

In Deutschland kommen zwei weitere Ahornarten vor, doch sind beide selten: Der Felsen- oder Burgen-Ahorn (Acer monsspessulanum) wächst nur an wenigen Orten an Mittelrhein, Mosel und Nahe sowie in der Gegend um Würzburg, oft in der Nähe alter Burgen. In Baden-Württemberg ist er nicht heimisch, wird aber hin und wieder als anspruchsloser Kleinbaum gepflanzt und verwildert gelegentlich. Von der letzten einheimischen Art, dem Schneeball- oder Frühlings-Ahorn (Acer opalus), kommt in Deutschland gerade mal ein Dutzend Exemplare vor, und das gar nicht weit von Müllheim: an der Burgruine Rötteln bei Lörrach und bei Rheinfelden am Hochrhein. Die im westlichen Mittelmeerraum heimische Baumart erreicht dort die Nordwestgrenze ihrer Verbreitung und zählt zu den seltensten Pflanzen Deutschlands.

Weltweit gibt es etwa 200 Arten von Ahornen. Alle sind Gehölze, die bis auf wenige Ausnahmen in der gemäßigten Zone der Nordhalbkugel vorkommen und im Herbst ihr Laub abwerfen. Ihre Herbstfärbung ist oft spektakulär gelb und leuchtend rot. Der berühmte Indian Summer im Osten Nordamerikas etwa wäre ohne die dortigen Ahornarten undenkbar. Viele Ahornarten werden große Bäume wie unser Bergahorn, andere wie der japanische Fächerahorn (A. palmatum) und seine Verwandten bleiben sehr viel kleiner. Unverwechselbar ist der Zimtahorn (Acer griseum), bei dem sich die zimtbraune Rinde in papierdünnen Streifen abrollt. Ein beeindruckendes Exemplar findet man in Badenweiler gegenüber vom Kurhaus an der Kaiserstraße.

Wer von weiteren Ahornbäumen in Müllheim und Umgebung und über deren Geschichte Näheres weiß, sollte sich per

Tel. 07631/1806-5420 oder E-Mail redaktion.muellheim@badische-zeitung.de melden.

Autor: Jens-Uwe Voss