Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

03. November 2016

Aktivisten haben auf einem Acker ein Mahnfeuer entzündet

Aus Protest gegen die Ausbaupläne der Deutschen Bahn auf der Rheinstrecke haben Auggener und Müllheimer Aktivisten auf einem Acker vor Auggen erneut ein Mahnfeuer entzündet.

  1. Der Protest war weithin sichtbar. Foto: Beatrice Ehrlich

AUGGEN. Die vom Bürgerbündnis Bahn Markgräflerland (BBM) organisierte Veranstaltung reiht sich ein in die vielfältigen Formen des Protests, mit denen die Bahngegner bereits ihren Unmut kundgetan haben: Resolutionen, Demonstrationen, Gespräche mit Politikern und weithin sichtbare Protestbanner.

In den aktuellen Entscheidungen zum Ausbau der Rheintalbahn war der Wunsch von Auggenern und Müllheimern nach einer umfassenden Tieferlegung der Gleise nicht berücksichtigt worden. Stattdessen wurde umfassender Lärmschutz in Form etwa acht Meter hoher Schallschutzwände zugesichert. Mittlerweile liegen Bilder der Deutschen Bahn vor, vom BBM auf Flugblättern vervielfältigt, wie ein solcher Schallschutzkorridor – eine Art überirdischer Tunnel – aussehen könnte; Wände allein wären in dieser Höhe nicht stabil genug. Für die erklärten Gegner einer "Markgräfler Mauer", die wertvolles Ackerland durchschneidet, sind diese Pläne "ein Schlag ins Gesicht".

Um auf sich aufmerksam zu machen, haben die Organisatoren keine Mühen gescheut. Hoch lodern die Flammen des Mahnfeuers in den schwarzen Abendhimmel, die etwa 200 Anwesenden, unter ihnen Gemeinde- und Ortschaftsräte, können sich an Feuerschalen aufwärmen, zwei Zelte mit Bierbänken sind aufgebaut, es gibt Glühwein und Bratwurst. Die Auggener Feuerwehr wacht mit einem großen Aufgebot darüber, dass das Feuer nicht außer Kontrolle gerät.

Werbung


Währenddessen wird in ebenso flammenden Reden die Umkehr von den aktuellen Plänen eingefordert, vermeintliche Überläufer werden angeprangert. Müllheims Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich habe den Widerstand im Abschnitt 9.0b – Müllheim bis Auggen – aufgegeben, stellt BBM-Vorstandsmitglied Fritz von Brandt fest. Mangelnde politische Zuverlässigkeit stellt er den Politikern von CDU und Grünen aus, die ihre im Wahlkampf gegebenen Versprechen gebrochen hätten. "Der Bürgerwille kann nicht abgehängt werden", ruft er in Anspielung auf das bereits abgehängte Protestbanner an der Kirche. Roland Diehl von der IG Bohr ruft in Erinnerung, dass trotz der Ertüchtigung des gesamten Schienennetzes die 250 Stundenkilometer, die die Bahn auf der Rheintalstrecke fahren will, kaum jemals erreicht werden könnten. Hier würden Steuergelder verschwendet. Ein anklagendes "Warum?", stellte Jasmin Dusi an den Anfang ihres Redebeitrags.

Damit ist die Protestveranstaltung noch nicht zu Ende. Mit einem LED-beleuchteten Modellflugspektakel setzt Ralf Nawotnik das Mahnfeuer noch einmal spektakulär in Szene. In verschiedenen Farben aufleuchtend schraubt sich der ferngesteuerte Doppeldecker in den Himmel, ein von ihm erdachte, kreisrundes Flugobjekt dreht sich wie ein glühendes Rad über den Köpfen. Die Gaukler von Odins Fire setzen mit ihren gewagten Feuerkunststücken einen gelungenen Schlusspunkt des offiziellen Teils – auch nach über einer Stunde ist trotz der herbstlichen Kälte noch keiner der Protestierenden vom Platz gewichen.

Autor: Beatrice Ehrlich