Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

07. Februar 2012

"Ausharren auf Isomatten"

BZ-INTERVIEWmit Hermann Assies zur Obdachlosenhilfe.

  1. Hermann Assies Foto: BZ

MÜLLHEIM. Klirrende Kälte, trocken, sonnig – ein schönes Wetter für kurze Spaziergänge mit der Aussicht auf eine warme Stube daheim. Was aber machen Menschen, die kein Zuhause haben und bei minus 15 Grad Celsius im Freien übernachten müssen? Darüber sprach BZ-Mitarbeiterin Sigrid Umiger mit Hermann Assies, dem Leiter der AGJ-Wohnungslosenhilfe für den Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald in der Tagesstätte in Müllheim.

BZ: Gibt es im Landkreis eine Regelung, um obdachlose Menschen vor andauernder Kälte zu schützen?
Hermann Assies: Leider nein. Grundsätzlich sind die Kommunen dafür zuständig, dass niemand auf der Straße erfrieren muss. Aber es gibt im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald keine Notschlafstelle – wie beispielsweise in der Stadt Freiburg – wo Menschen abends einfach anklopfen können. Bei uns in der Wohnungslosenhilfe Müllheim und Breisach gibt es momentan Übernachtungsmöglichkeiten.
BZ: Wie viele wohnungslose Menschen sind momentan in Müllheim und wo übernachten sie?

Werbung

Assies: Wir wissen von sechs Männern und einer Frau in Müllheim und weiteren sechs in Breisach. Es könnten aber auch mehr obdachlose Personen sein. Unsere Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe in Müllheim und Breisach offerieren eigentlich ambulante Angebote. Wir sind aber zurzeit auf Übernachtungen eingerichtet mit Matratzen in unseren Wärmestuben. In Müllheim haben übers Wochenende zwei Leute übernachtet. Von drei Personen wissen wir, dass sie in einem Zelt schlafen können, das ihnen Privatleute auf einem Gartengrundstück zur Verfügung stellen. Dort wird mit Gas geheizt, das vom Amt bezahlt werden soll.
BZ: Wissen die betroffenen Menschen über mögliche Notunterkünfte Bescheid?
Assies: Ja, das spricht sich rum. Aber viele wollen so lange wie möglich unabhängig bleiben und harren trotz der Kälte auf Isomatten aus. Manche Leute, die hilflos der Kälte ausgesetzt und oft auch krank sind, werden von der Polizei zu uns in die Notunterkunft gebracht oder zum Arzt. Besonders schwierig ist es für Menschen im Bereich Neustadt, weil die dortige Wohnungslosenhilfe 2006 aufgelöst wurde. Leider war es bislang nicht möglich im Bereich der Prävention von Wohnungsverlusten und im Bereich Notübernachtungen gemeinsame Wege zu gehen. Sinnvoll wäre aus Sicht der AGJ Wohnungslosenhilfe, dass Überlegungen geführt werden zwischen den Kommunen und dem Landkreis als Sozialhilfeträger mit den betroffenen Diensten und den Einrichtungen der freien Wohlfahrt.

Autor: umi