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28. April 2014

Bahn-Protest nimmt Fahrt auf

Die alternative Planung des BBM bekommt eine zunehmend breite Unterstützung als Rückenwind gegen die geplante Bahn-Trasse.

  1. Dutzende Traktoren, Hunderte Menschen: Auf der Zienkener Brücke bei Hügelheim demonstrierte das BBM gegen die Planungen der Bahn für das dritte und vierte Gleis. Eindrucksvoll wurde die Lärmschutzwand in ihrem Ausmaß dargestellt – weil es ein Jahrhundertprojekt ist, war auch der Protest-Nachwuchs zur Stelle. Foto: martin pfefferle

  2. Foto: Martin Pfefferle

  3. Foto: Martin Pfefferle

MÜLLHEIM-HÜGELHEIM. Wenn die Vorstellung des vom Bürgerbündnis Bahn Markgräflerland (BBM) als "Beste Lösung" titulierten Konzepts in Auggen vor zwei Wochen der Startschuss zu einer Aufholjagd war, dann haben die Hügelheimer am Sonntag eindrucksvoll nachgelegt. Die Demonstration auf der Zienkener Brücke über die Bahnlinie geriet zum imposanten Happening und in der Hügelheimer Festhalle applaudierte sich die Menge selbst Mut zu, als Stephan Kritzinger vom Vorstand des BBM ins dicht gedrängte Rund rief: "Wir wollen die Planung der Bahn nicht."

Inzwischen hat diese Ablehnung der Bahn-Planung eine breite Zustimmung bekommen, so kann man den Demonstrationszug und die gespannte, aufmerksame Atmosphäre in der Halle deuten. 500 Menschen werden es mindestens gewesen sein, die Halle war nach dem Zug der 40 Traktoren über die Brücke voll, und vor der Halle drängten sich jene an Wein- und Wurstständen, die lieber gleich miteinander ins Gespräch kommen wollten anstatt erst den Ausführungen von Gerhard Kaiser zu der maßgeblich von ihm erdachten "Besten Lösung" zu lauschen.

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In der Halle konnte ein Modell besichtigt werden, das nach den Vorgaben der derzeitigen Bahnplanung erstellt worden ist. Und auf den Feldern unter der Zienkener Brücke waren selbige Planungen in ihrem gigantischen Ausmaß mit Flatterbändern abgesteckt. Der Hügelheimer Knoten wäre ein "Monsterknoten" sollte er tatsächlich einmal in dieser Form gebaut werden, sagte Kaiser. Als bis zu 83 Meter breit und durch Hochlage und Lärmschutzwall einschneidend skizzierte Kaiser, was es zu verhindern gelte. Was die Höhe bedeutet, hatten die BBM-Engagierten durch ein mit Folien verkleidetes Rohrkonstrukt eindrucksvoll an die Stelle in die Landschaft gestellt, wo dereinst der elf Kilometer lange Lärmschutzwall – bis drei Kilometer nördlich und acht Kilometer südlich von Hügelheim – stehen soll.

Die Signalwirkung der Demo mit so vielen Teilnehmern war am Sonntag auch Thema bei den Politikern, auf die das BBM hofft. "Jetzt scheint’s geschnackelt zu haben", sagte Müllheims Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich. Als Bürgervertreterin sei sie darauf angewiesen, die entsprechenden Signale zu bekommen, um sich für die alternative Planung einzusetzen. Ob die vom BBM als "Beste Lösung" titulierte Variante tatsächlich machbar und so gut ist, wie die Bürgerinitiative überzeugt ist, wollte der CDU-Bundestagsabgeordnete Armin Schuster nicht bewerten. Beim Gespräch mit Auggens Bürgermeister Fritz Deutschmann und BBM-Vertreter Stephan Kritzinger auf der Zienkener Brücke legte er Wert darauf, dass noch kein Planfeststellungsbeschluss gefasst sei. Kritzinger erkennt darin ein Zeichen, dass es noch nicht zu spät ist. Schuster hingegen lässt sich keine optimistische Prognose entlocken. Er könne aber zusagen, dass die BBM-Variante noch bewertet wird, bevor Fakten geschaffen werden. Am 14. Juli tagt der dafür zuständige Projektbeirat in Berlin. Anzuerkennen sei aber auch, so Schuster, dass der Schienenlärmbonus nicht angewendet werde und mit besonders überwachtem Gleis und Schienstegdämpfung wichtige Schritte zum Lärmschutz zugesagt seien. "Das ist nicht selbstverständlich", so Schuster. Er hält den Faktor Zeit für entscheidend, der diplomatische Druck aus der Schweiz, die Güterzugtrasse schnell zu realisieren, bringe die Bahn in Not. Deshalb sei es taktisch unklug, nur die "Beste Lösung" zu fordern und andere Forderungen an die Planung nicht zu stellen. Mit Bärbl Mielich (Grüne) und Christoph Bayer von der SPD waren auch zwei Landtagsabgeordnete nach Hügelheim gekommen. Die Landesebene scheint für das Schicksal der "Besten Lösung" entscheidend. Schuster ist überzeugt: Nur wenn Verkehrsminister Winfried Hermann das Projekt unterstützt, werde Berlin nachziehen können.

Autor: Martin Pfefferle