Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

06. Mai 2014

Beste Lösung wird notfalls eingeklagt

Alle stehen nun hinter Gerhard Kaisers Planungsentwurf der Gütertrasse bei Müllheim und Auggen / Die Politik signalisiert Interesse.

  1. Die „Beste Lösung“ wird nun dem Stresstest unterzogen, ihre Machbarkeit überprüft. Den Vertrag zur gemeinsamen Auftragsvergabe unterzeichneten die Bürgermeister Astrid Siemes-Knoblich und Fritz Deutschmann wie auch Gerhard Kaiser und Roland Diehl (nicht im Bild) im Auftrag der Bürgerinitiativen. Foto: Volker Münch

MÜLLHEIM. Die "Beste Lösung", ehrenamtlich von Ingenieur Gerhard Kaiser für das Bürger-Bündnis Bahn im Bereich Müllheim und Auggen geplant, bekommt endlich die politische Aufmerksamkeit bis hinauf ins Stuttgarter Verkehrsministerium, die sie für einen Erfolg braucht. Sie soll nun nach bereits erfolgten Prüfungen grundsätzlich auf ihre Machbarkeit hin begutachtet werden. Gestern unterzeichneten die Bürgermeisterin von Müllheim, der Bürgermeister von Auggen sowie Vertreter der Bahn-Bürgerinitiativen die Auftragsvergabe an das Ingenieurbüro Biechele in Freiburg.

POLITIK ZEIGT INTERESSE
Für die Region ist es durchaus von historischer Tragweite, dass sich hinter die "Beste Lösung" nicht nur die Bürgerinitiativen IG Bohr und MUT stellen, die hier das Bürger-Bündnis Bahn Markgräflerland unterstützen, sondern ebenso uneingeschränkt die Kommunen Müllheim und Auggen, der BLHV-Kreisverband und sich inzwischen immer mehr Bürger dafür mobilisieren lassen. Für Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich hat diese Lösung inzwischen eine große Bedeutung: Wenn das Eisenbahnbundesamt die Antragstrasse der Bahn genehmigen sollte, sagte sie am gestrigen Montag, so hätten die Kommunen Müllheim und Auggen damit eine Trassenvariante an der Hand, um damit gegen den Planfeststellungsbeschluss zu klagen. Denn die "Beste Lösung" zeige, dass besser geplant werden könne. Die Bahn, ergänzte Bürgermeister Fritz Deutschmann, Auggen, sei gut beraten, die BBM-Lösung genau zu prüfen.

Werbung


Jedenfalls hat Kaisers Planvariante bereits ein Gütesiegel erhalten: das Schweizer Büro Ernst Basler & Partner bescheinigt ihr höhere Trassenkapazitäten im Vergleich zur Antragstrasse. Und sie hat sich in den vergangenen Wochen in wichtigen Kreisen herumgesprochen. Von der Landrätin, die die Bahn zu einer ernsthaften Prüfung der "Besten Lösung" auffordert, über die Regierungspräsidentin bis hinauf zu Landesverkehrsminister Winfried Hermann kämen inzwischen Signale, dass man diesen Planidee für unterstützenswert halte, so Siemes-Knoblich. Umso wichtiger ist, ihre Machbarkeit zweifelsfrei zu klären. Die Kosten von annähernd 100 000 Euro für das Gutachten beim Büro Biechele werden aufgeteilt: 50 Prozent für Müllheim, 40 für Auggen und zehn für die IG Bohr und BBM.

KEINE VERLIERER
Beim Unterzeichnungstermin am gestrigen Montag fasste Gerhard Kaiser die Vorteile seiner Variante nochmals kurz zusammen: Bei ihr gebe es keine Verlierer, die Bahn habe etwas davon und die Region. 20 000 Einwohner entlang der Strecke von Hügelheim bis Auggen bekämen optimalen Lärm- und Gefahrenschutz. Der zwischen Bund und Bahn vereinbarte Kostenrahmen von 200 Millionen Euro werde eingehalten, der EU-Zuschuss von 80 Millionen Euro sei erreichbar. Und die Kernforderung 6 – alle Güterzüge in den Katzenbergtunnel – des Konzepts Baden 21, das die IG Bohr verfolgt, lässt sich ebenfalls optimaler realisieren, wenn die Güterzüge von Offenburg bis kurz vor den Katzenbergtunnel in einem eigenen Gleisgraben fahren. Dass dies zeitlich und technisch umsetzbar ist, davon müsse man die Bahn und das Eisenbahnbundesamt am Donnerstag dieser Woche (8. Mai) im Stuttgarter Verkehrsministerium überzeugen, betonte IG-Bohr-Sprecher Roland Diehl, und hoffen, dass Verkehrsminister Hermann behilflich ist, den Weg für diese Variante in den Projektbeirat, das politische Lenkungsgremium der Rheintalbahn, freizumachen. Jedenfalls hat der Minister für den 9. Juli seinen Besuch im Markgräflerland angesagt, was ebenfalls als ein sehr gutes Zeichen gedeutet wird. Auch der BLHV fordert die "Beste Lösung", wie Bernhard Walz als stellvertretender Kreisvorsitzender deutlich machte, weil sie flächen- und landschaftsschonender ist.

DANK DEN INITIATIVEN
"Das war ein langer Weg", resümierte Bürgermeister Deutschmann, bis zu diesem Schritt des Machbarkeitsgutachtens. Bis heute sehe er keine Möglichkeit, wie die Bahn den Schienenbonus, wie vom Projektbeirat politisch verlangt, eliminieren könne. Bürgermeisterin Siemes-Knoblich und Baudezernat Hartmut Klein hatten bei der Einsichtnahme in die Antragspläne der Bahn im Eisenbahnbundesamt Karlsruhe festgestellt, dass die Bahn dafür noch gar keine Anstrengungen unternommen hat. Weil sie es mit der Antragstrasse wohl auch nicht könne, meint Siemes-Knoblich, deshalb müsse sie sich der Alternativplanung öffnen. Rundum gab es dafür großen Dank an Gerhard Kaiser und die Leute des Bürger-Bündnis Bahn sowie der MUT. "Ohne sie wäre gar nichts gegangen", so Deutschmann.

Auggener Gemeinderatsvertreter sehen nun Müllheim mit einer Großveranstaltung gefragt, am besten, wenn Verkehrsminister Hermann kommt. Erleichterung auch bei den Fraktionsvertretern des Müllheimer Gemeinderats. Ohne die Bürgerinitiative, so Jürgen Nafz, hätte man sich bestimmt um Hügelheim gekümmert, aber sicher nicht um Müllheim. Auch von dieser Seite ein großes Dankeschön an die Bürgerinitiativen.

Autor: Gabriele Babeck-Reinsch