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17. September 2017 11:12 Uhr

Vorbild Freiburg

Bündnis fordert ein Sozialticket im gesamten Landkreis

Freiburg hat es, der Landkreis nicht: ein Sozialticket. Damit auch Menschen aus dem Kreis mit weniger Geld den ÖPNV vergünstigt nutzen können, will ein Bündnis das Thema in der Öffentlichkeit halten.

  1. Nach Freiburger Vorbild soll es laut dem Bündnis auch ein Sozialticket für den gesamten Landkreis geben. Foto: SWEG

Denn über das Sozialticket wird zwar im Kreistag beraten – doch zivilgesellschaftlicher Druck soll helfen, für das Thema schneller eine Mehrheit zu finden.

Bündnis hat kräftig Unterschriften gesammelt

"Sozialticket jetzt" steht in großen Lettern über dem offenen Brief, den das Bündnis für ein Sozialticket im Landkreis im März an die Landrätin und die Kreisräte geschickt hat. Seitdem ist das Bündnis nicht untätig gewesen. Die Mitglieder haben Unterschriften gesammelt, mehr als 600 sind bisher zusammengekommen. Geplant ist, die Listen mit den Unterstützern an die Entscheider zu übergeben. Eventuell schon im November, im Vorfeld der nächsten Sitzung des Kreistages.

Dann wird das Thema dort beraten. Der Kreistag ist das Gremium, dass eine vergünstigte Monatskarte für Menschen mit weniger Geld beschließen könnte. Die SPD und die Grünen wollen einen gemeinsamen Antrag einbringen. Das Sozialticket im Kreis soll sich am Freiburger Modell orientieren. Dort wird eine Regiokarte an Berechtigte für 20 Euro weniger ausgegeben. Viel Geld für jemanden der wenig hat. Statt 52,50 Euro kostet die Regiokarte dann 32,50 Euro. Anspruch auf ein Sozialticket sollen Bezieher von Hartz IV, Grundsicherung, Wohngeld und Berechtigte nach dem Asylbewerberleistungsgesetz haben.

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Ganz so schnell wird es nicht gehen

Auch wenn der Kreistag bereits mit dem Thema befasst ist, "es ist immer sinnvoll, wenn Druck von außen und Druck über die Bürgerschaft kommt", sagt Martin Richter, Kreisrat der Grünen und Unterstützer des Bündnisses. Das sieht auch Adelheid Wilhelm-Sprondel so, die Initiatorin des Bündnisses. "Auch in Freiburg gab es eine Initiative, sie hatte ganz erheblichen Anteil daran, dass das Sozialticket gekommen ist", sagt sie. Die Debatte um das Ticket hat in Freiburg mehr als zehn Jahre gedauert. Die Mitglieder des Bündnisses im Kreis sind sich bewusst, dass sie einen langen Atem brauchen könnten. "Aber dass es auch zehn Jahre werden, halte ich für unwahrscheinlich", sagt Wilhelm-Sprondel.

Die Frage – Sozialticket oder nicht – wird am Ende wohl auch eine des Geldes sein. Wenn das Thema bislang im Kreistag angesprochen wurde, hieß es stets, man wolle die Erfahrungen und die Zahlen Freiburgs abwarten. Dort gibt es das Ticket seit Oktober 2016. Belastbare Zahlen über das erste Jahr des Sozialtickets sollen im Januar 2018 veröffentlicht werden, heißt es aus dem Rathaus auf Anfrage.

Alles eine Frage des Geldes

Bislang ist bekannt, dass der Zuschuss der Stadt für die fünf Monate von Oktober bis Februar bei 410 000 Euro lag. Diese Zahl sei aber nur bedingt geeignet, um langfristig die jährlichen Kosten zu berechnen, so ein Rathaussprecher. Es müsse beachtet werden, dass noch nicht alle Berechtigten das Angebot kennen und das der ÖPNV in den Sommermonaten eventuell anders genutzt werde. "Das lässt keine Rückschlüsse für später zu", so Toni Klein von der Pressestelle der Stadt. In Freiburg gibt es knapp 21000 Menschen, die einen Anspruch auf ein Sozialticket haben. Wie viele es nutzen, ist noch nicht bekannt. Auch wie viele Menschen im Kreis anspruchsberechtigt wären, ist nicht bekannt. Eine politische Bewertung des Sozialtickets gibt es in Freiburg noch nicht. Der Stadtrat soll Anfang 2018 darüber beraten, wenn die Zahlen vorliegen. In der nächsten Zeit soll es einen Informationsaustausch zwischen Stadt und Landkreis geben, ein Freiburger Experte wird im Landratsamt sprechen.

Das Bündnis Sozialticket will weiter Unterschriften sammeln und Mitstreiter im ganzen Kreis gewinnen. Denn bislang, sagen die Initiatoren selbstkritisch, ist die Arbeit stark auf den Raum Müllheim und Markgräflerland fokussiert. Das soll sich ändern.
Es gibt die Möglichkeit online seine Unterschrift abzugeben unter: mehr.bz/petitionsozialticket

Autor: Sebastian Wolfrum