Bürger-Bündnis bahnt eigene Wege

Gabriele Babeck-Reinsch

Von Gabriele Babeck-Reinsch

Do, 06. März 2014

Müllheim

Gruppierung versucht Politiker von ihrer Lösung zu überzeugen.

MÜLLHEIM. Das Bürger-Bündnis Bahn Markgräflerland will sich für die von ihm entworfene Alternativplanung zur Antragstrasse selbst Wege zum Projektbeirat bahnen. Und wirft dabei ein aus seiner Sicht schwerwiegendes Argument in die Waagschale: Die Kosten für die Tieflage zwischen Hügelheim und Schliengen bewegen sich nach eigenen Kalkulationen im Rahmen der von Bahn und Bund getroffenen Finanzierungsvereinbarung für den Bau der Antragstrasse, der 200 Millionen Euro beträgt.

Durch die Bundestagswahl hatte der Projektbeirat Zwangspause. Noch gibt es keinen Sitzungstermin. Für Müllheim steht dann aber viel auf dem Spiel: Die Teilung des Planfeststellungsabschnitts 9.0 liegt auf dem Tisch, die Bahn hat den Antrag bereits beim Eisenbahnbundesamt eingereicht. Wenn der Projektbeirat darauf den Knopf macht, ist die Tieflage endgültig passé und für den neu zu planenden Hügelheimer Knoten werden Zwangspunkte geschaffen, möglicherweise auch die politische Kernforderung sechs, alle Güterzüge durch den Katzenbergtunnel, in Frage gestellt oder wenigstens erschwert.

Deshalb hat das Bürger-Bündnis nun alle politischen Entscheidungsträger angeschrieben: Abgeordnete auf Landes- und Bundesebene, den Staatssekretär und Projektbeiratsvorsitzenden Odenwald, Ministerpräsident Kretschmann, sogar Bundeskanzlerin Merkel, aber auch den Hotel- und Gaststättenverband, weitere Tourismusverantwortliche und alle Bürgermeister der Region. Die Bürgerinitiative legt den eigenen Trassenentwurf dar, "Die beste Lösung", wie sie ihn nennt, und appelliert an die Adressaten, sich für diese Lösung einzusetzen.

Ein starkes Argument, das die Initiative auffährt, ist die Kostenkalkulation, die sich nach ihrer Berechnung auf 184 Millionen Euro beläuft. Bevor die Gruppe damit aber wirklich punkten kann, will sie ihre Berechnung sicherheitshalber von einem Fachbüro überprüfen lassen. Das BBM versucht mit dieser Vorgehensweise einen Befreiungsschlag, da es bisher mit seinen Vorschlägen nicht zu den entscheidenden politischen Entscheidungsebenen durchdringen konnte und seine Forderung der Tieflage von Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich nicht ambitioniert genug vertreten sieht. Sie hat laut BBM-Sprecher Werner Kleinfelder auch eine Machbarkeitsprüfung der BBM-Variante durch Ralf Chaumet (Fachbüro Ernst Basler & Partner, Zürich) aus Kostengründen abgelehnt.

"Wir haben die Lösung, die Mehrwert für die Region hat", sagt Kleinfelder, die nicht teurer als die für die Region nachteiligere Trassenplanung der Bahn sei und die auch den betriebstechnischen Ablauf wesentlich vereinfache. Sie erfülle die Forderung, die auch die IG Bohr stellt, dass es keinen passiven Schallschutz geben soll, denn die besonders lauten Güterzüge werden in einem Graben mit steilen Wänden geführt. Auch die vom Projektbeirat zugesagte Nichtanwendung des Schienenbonus könnte so elegant gelöst werden. Die Bahn hat diese Forderung noch nicht in die Planung umgesetzt. Sie will die strengeren Lärmrichtwerte mit sogenannten Kompensationsmaßnahmen erreichen.

Weil die BBM-Planung die gemeinsam von Güterzügen und ICEs genutzte Strecke deutlich verkürzt und keine niveaugleichen Kreuzungen enthält, könnten 576 Güterzüge pro Tag durch den Katzenbergtunnel geleitet werden, bei der Antragsplanung der Bahn sei das nur für rund 300 Güterzüge gewährleistet, argumentiert die Initiative. Die Bahn könne diese Zusagen deshalb nur bis zum Jahr 2025 einigermaßen einhalten. Nicht zuletzt betont das BBM, dass seine Planung die Gefährdung der Bevölkerung durch Gefahrguttransporte verringere. Denn wesentliche Auslöser von Unfällen, wie im Mai 2011 auch in Müllheim erlebt, seien Weichen und Zusammenstöße mit anderen Fahrzeugen.