Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
11. November 2009 17:00 Uhr
Einer der auszog, um Informationen zu erzählen
Claus Kleber füllt das Bürgerhaus
Er ist das Gesicht des ZDF-Heute-Journals: der Fernsehjournalist Claus Kleber. Dass er es wie kaum ein anderer versteht, Fakten ebenso unterhaltsam wie verständlich zu vermitteln, hat der 54-Jährige jetzt in Müllheim bewiesen.
MÜLLHEIM. Er ist das Gesicht des ZDF-Heute-Journals und erst zu Beginn dieses Jahres für seine Moderationen auf hohem Niveau und mit persönlicher Handschrift mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet worden: der Fernsehjournalist Claus Kleber. Dass er es wie kaum ein anderer versteht, Fakten ebenso unterhaltsam wie verständlich zu vermitteln, hat der 54-Jährige jetzt in Müllheim bewiesen. Das Bürgerhaus, in dem er auf Einladung der Volksbank Müllheim sprach, war proppenvoll. Und dabei hatte das Geldinstitut fast 450 Interessierten absagen müssen.
Die USA sind sein "Leib- und Magenthema", immerhin hat er – wie er sagt – "15 höchst interessante Jahre meines Lebens" in den Vereinigten Staaten verbracht. Immer wieder reist er dorthin, bringt meistens neue Filme mit. Möglich ist ihm das, weil er zwar nach wie vor das Heute-Journal moderiert, aber inzwischen freiberuflich. Zwar hatte das Thema des Abends den etwas sperrigen Titel "Deutschland und die USA: Wege durch Krisen und Wandel". Doch Kleber selbst wirkt alles andere als kompliziert. Bei allem, was er sagt – und er kann eineinhalb Stunden ohne Pausen und Längen erzählen – wirkt er durch und durch authentisch. Bei anderen würden Erzählungen über Begegnungen mit US-Präsidenten abgehoben, ja eitel wirken. Bei ihm nicht.
Werbung
"Ein Gänsehauterlebnis" sei jene Nacht im November 2008 gewesen, als klar geworden sei, dass Barack Obama Präsident der USA werden würde. Wie befreit hätten die Menschen auf der Straße die amerikanische Nationalhymne gesungen und das Wort "free" (frei) aus sich herausgeschrien – nach acht Jahren unter Präsident George W. Bush. An solchen Momenten macht Kleber die Unterschiede zwischen den USA und Deutschland fest: Die Amerikaner seien leichter entflammbar als die Deutschen; ihr politisches System viel stärker auf Persönlichkeiten ausgerichtet. Außerdem beweise Amerika eine beachtliche Fähigkeit zu lernen, umzudenken, sich zu erneuern. Nur im Land der unbegrenzten Möglichkeiten habe ein bis dahin "unbeschriebenes Blatt" wie Obama Präsident werden können. Was diesen auszeichne, so Kleber, sei sein "enormes Charisma". An mehreren Beispielen lobte der Journalist zudem Obamas Fähigkeit, persönliche Krisen und politische Herausforderungen zu bestehen, als "beeindruckend".
Kaum jemand dürfte bislang so unterhaltsam erklärt haben, wie sich die Finanzkrise in der auf den Konsum ausgerichteten US-Gesellschaft entwickelt hat. Und kaum jemand dürfte bis dahin den tiefen Riss zwischen den eher europäisch denkenden Amerikanern und den fundamentalistischen Patrioten geschildert haben. Trotz Klimawandels und den Kriegen im Irak und in Afghanistan hat Kleber weiterhin Vertrauen in die USA – und in die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland. Um möglichst viel solide Information an möglichst viele Menschen bringen zu können, sei es gut, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu haben. Inklusive Heute-Journal, das am Dienstag ohne ihn auskommen musste.
Autor: Andrea Drescher
