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07. Januar 2012
Dampfloks stören nicht
BZ-SERIE: Acht Schwarzkiefern stehen in Müllheim unter Denkmalschutz.
MÜLLHEIM. In Müllheim gibt es zwar keine Baumschutzsatzung, aber seltene und besonders alte Bäume wurden hier in einer Liste geschützter Naturdenkmale aufgenommen. Manche von ihnen sind einheimisch, andere kamen aus fernen Ländern ins Markgräflerland. Einige dieser Bäume, ihre Besonderheiten und – wenn sie bekannt ist – auch ihre Geschichte stellt die Badische Zeitung in einer Serie vor. Heute geht es um einen weiteren Nadelbaum: die Schwarzkiefer.
Die Schwarzkiefern (Pinus nigra) zählen neben den Mammutbäumen zu den größten Nadelbäumen im Müllheimer Stadtgebiet. Gleich acht besonders beeindruckende Exemplare wurden unter Denkmalschutz gestellt, davon alleine fünf an der Östlichen Allee/Ecke Badstraße. Drei der dortigen Schwarzkiefern wachsen direkt nebeneinander an der Ostseite der Allee auf einem Privatgrundstück. Sie prägen dort das Straßenbild, ihr langfristiger Erhalt könnte aber gefährdet sein, weil der Raum unmittelbar zwischen den Baumstämmen als Abstellfläche für Autos dient. Die anderen beiden Exemplare findet man gleich gegenüber auf der anderen Straßenseite, im so genannten Stadtpark zwischen Östlicher Allee und Eisengasse. In diesem etwas abgelegenen und deshalb von der Öffentlichkeit weniger beachteten Kleinod steht außer diesen beiden Schwarzkiefern noch ein weiterer denkmalgeschützter Baum: eine malerische alte Trauerbuche.Werbung
Die übrigen geschützten Schwarzkiefern wachsen in der oberen Werderstraße auf demselben Grundstück, auf dem auch zwei große Magnolien stehen, sowie im ehemaligen Pfunderpark im Britzinger Weg. Das dortige Exemplar stellt zusammen mit einer weiteren Schwarzkiefer, einigen anderen Nadelbäumen und einer Krimlinde die letzten noch vorhandenen Altbäume des einst sehr viel reicheren Gehölzbestands in diesem Park dar, der Anfang der 1980er Jahre weitgehend bebaut wurde. Schließlich steht noch eine denkmalgeschützte Schwarzkiefer auf einem Grundstück "Am Rotacker" in Vögisheim, ebenfalls in einem ehemaligen parkähnlichen Gartenareal.
Es ist kein Zufall, dass alle diese alten Schwarzkiefern in Parks oder zumindest großen Gärten zu finden sind: Für normale Gärten werden diese Bäume schlichtweg viel zu groß. Nur wo genügend Platz vorhanden ist, kann sich eine Schwarzkiefer zu einem imposanten Solitärgehölz entwickeln, das seine Umgebung dominiert. In der Jugend wächst diese Kiefer noch schmal kegelförmig, später bildet sie eine weit ausladende, schirmförmige Krone und einen mächtigen Stamm mit einer auffälligen, sehr dekorativen Schuppenborke. Ausgewachsene Exemplare können Stämme von 1,5 Metern Durchmesser, Höhen von über 30 Metern und Kronenbreiten von 10 bis 15 Metern erreichen! Die denkmalgeschützten Schwarzkiefern in Müllheim reichen mit 20 bis 25 Metern Höhe und Stammdurchmessern von gut einem Meter schon an diese Höchstwerte heran und lassen erkennen, dass es sich durchweg um Exemplare handelt, die auf die hundert Jahre zugehen oder schon überschritten haben. Ihr Maximalalter haben sie aber noch längst nicht erreicht: Schwarzkiefern können mehrere hundert Jahre alt werden, in seltenen Fällen vermutlich bis zu 800 Jahre.
Die Schwarzkiefer ist diejenige Kiefernart, die in unseren Parks bis heute wohl am häufigsten gepflanzt wird. Dazu hat neben ihrem großen Zierwert auch ihre Anspruchslosigkeit beigetragen, wächst sie doch auch auf humus- und nährstoffarmen, kalkhaltigen Böden, sie ist absolut frosthart, verträgt viel Trockenheit und ist sturmfest. Auch gegenüber der Luftverschmutzung, die zu der Zeit, als die heutigen alten Schwarzkiefern gepflanzt wurden, sehr viel stärker war als heute, ist diese Baumart recht wenig empfindlich. In der längst vergangenen Zeit der Dampflokomotive wurden Schwarzkiefern sogar als "Lokomotivschuppenbäume" gepflanzt, da sie als einer der wenigen Bäume Staub und Abgasen in Nähe dieser Gebäude standhielten.
Ihren Namen "Schwarzkiefer" verdankt der Baum seinen dunkelgrünen Nadeln, die vor allem jungen Bäumen mit ihren dicht stehenden Zweigen ein düsteres Erscheinungsbild geben. Die Nadeln stehen wie bei allen Kiefern in Büscheln gebündelt um die Zweigenden. Zahl und Größe der Nadeln sind neben den Zapfen ein wichtiges Merkmal, um die einzelnen Kiefernarten voneinander zu unterscheiden. Bei der Schwarzkiefer stehen die Nadeln stets paarweise zusammen, sie sind 10 bis 15 Zentimeter lang, zugespitzt und bleiben etwa fünf Jahre am Baum.
So beliebt die Schwarzkiefer bei uns als Parkbaum ist, einheimisch ist sie allerdings nur beinahe: Das sehr zersplitterte Verbreitungsgebiet mit seinem Schwerpunkt in Bergregionen im nordöstlichen Mittelmeerraum reicht nach Norden bis nach Niederösterreich und die Gegend um Wien. Der Parapluiberg (parapluie: Regenschirm) im südlichen Wienerwald verdankt seinen Namen dem dortigen Vorkommen alter Schwarzkiefern mit ihren auffallenden Schirmkronen. Nach Osten hin erstreckt sich das Vorkommen bis zum Schwarzen Meer, außerdem findet man die Schwarzkiefer im westlichen Mittelmeerraum von Spanien über Südfrankreich einschließlich Korsika bis nach Italien.
Als Forstbaum hat die Schwarzkiefer bei uns wenig Bedeutung, wohl aber in den Heimatländern. Das Holz soll für Dielen auf Bühnen verwendet werden, da es nicht knarrt. Lokal immer noch von Bedeutung ist die Gewinnung von Harz. Ein Stamm kann nach dem Anschneiden jährlich bis zu zwei Kilogramm Harz liefern, aus dem durch Destillation echtes Terpentin und Kolophonium gewonnen werden. Erstmalig wissenschaftlich beschrieben wurde die Schwarzkiefer 1785 durch Johann Franz Xaver Arnold, einen deutschsprachigen Hochschullehrer, Schriftsteller und Botaniker. Weltweit gibt es mehr als 100 verschiedene Arten von Kiefern. Sie stellen damit die größte Gruppe unter den Nadelgehölzen. Alle sind immergrüne Gehölze. In Deutschland sind drei Arten heimisch: die Gemeine Kiefer oder Waldkiefer (Pinus sylvestris) und die Berg- oder Latschenkiefer (Pinus mugo) sowie die Zirbelkiefer oder Arve (Pinus cembra). Die Arve ist ein Baum des Hochgebirges, der von Natur aus in Mitteleuropa nur in den Alpen vorkommt und dort zusammen mit der Lärche die Waldgrenze bildet. Die Waldkiefer hingegen findet man bei uns am Oberrhein häufig als Forstbaum angepflanzt auf den sandigen, trockenen Böden in Rheinnähe, die Bergkiefer in den höchsten Regionen des Schwarzwalds und in den dortigen Mooren sowie als Ziergehölz, das mit Höhen um ein Meter zum Unterschied von der Schwarzkiefer auch in kleine Gärten passt.
Autor: Jens-Uwe Voss


