Das zeitlose Leiden

Bianca Flier

Von Bianca Flier

Do, 13. April 2017

Müllheim

Kreuzweg-Gemälde in der Katharinenkirche / Heute Prozession.

MÜLLHEIM-HÜGELHEIM. Eine sakrale Ausstellung mit sieben Kreuzweg-Gemälden des in Britzingen ansässigen und wirkenden Künstlers Christoph Fischer ist derzeit in der Katharinenkirche in Hügelheim zu sehen. Die Ausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt der Pfarrgemeinden Britzingen, Dattingen und Hügelheim. Sie ist gleichzeitig der Auftakt zur heutigen Gründonnerstagsprozession, in welcher die sieben Bilder von der Johanniskirche Britzingen zur Jakobuskirche nach Dattingen getragen werden.

Bei der Vernissage in der Katharinenkirche am Dienstagabend wurden die Gemälde erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die sieben Kreuzwegstationen, die Christoph Fischer in seinen faszinierenden Ölgemälden festgehalten hat, zeigen nicht nur den Leidensweg und Kreuzestod Christi. Sie symbolisieren auch sieben moderne und gleichwohl zeitlose Todsünden: Neid, Missgunst, Gier, Geiz, Zweifelssucht, Skepsis und Machtgelüste. So wirken die Bilder nicht nur als Momentaufnahmen von biblisch-historischen Situationen. Sie führen dem Betrachter das zeitlose Leiden der Menschheit vor Augen, vor allem aber die Liebe des Gottessohnes, der Sünde, Strafe und Tod auf sich genommen hat, um die Menschen zu erlösen.

Pfarrerin Britta Goers konnte zur Vernissage zahlreiche Besucher begrüßen. Seit dem vergangenen November, so Goers, arbeitete Fischer an den Bildern. Seine Motivation war es, Präsenz und Wirken Jesu Christi in gegenständlichen Gemälden erfassbar zu machen, die, so Goers, eine lebendige Geschichte erzählen und dem Betrachter gut tun. Die Initiative zur Ausstellung ging von Kirchengemeinderätin Claudia Kiefer aus.

Christoph Fischer, der 1948 in Sachsen geboren wurde, Kunst an der Kölner Werkkunstschule und der Hochschule für Bildende Künste in Berlin studiert, ein Pädagogik-Studium absolviert und als Dozent und Therapeut für Kunsttherapie gearbeitet hat, führte die Kunstfreunde persönlich in sein Passionswerk ein. Dass die Bilder an Stöcken und Stühlen befestigt wurden, die vor dem Altarraum aufgebaut sind, soll dazu dienen, jeglichen Ausstellungsaufwand zu vermeiden, betonte der Künstler. Das erste Bild trägt den Titel "Verraten und verkauft" und zeigt im Vordergrund das Gesicht des Heilands, während im Hintergrund der Verräter Judas im Anzug eines Geschäftsmannes – doch gesichtslos – das Blutgeld in der Faust hält. Auf dem Bild "Verurteilt" ist die Gerichtsszene mit Pilatus zu sehen. Die weiteren Bilder zeigen die "Kreuzaufnahme", die Szene "Simon hilft", den "Tod am Kreuz", die "Kreuzabnahme" und als letztes die "Grablegung". Bewusst hat sich Fischer dafür entschieden, Christi Gesichtszüge auf jedem Bild ganz unterschiedlich zu gestalten. Von der weiblich anmutenden Darstellung im ersten Gemälde über den Kräfte sammelnden, bärtigen Jesus, der das Kreuz trägt und die sichtbare Schwäche des Gefolterten beim Gang nach Golgatha, bis hin zum Tod und zum fast schon greisenhaften Leichnam im Grab, verändert sich das Aussehen Christi. Mit diesen Wandelungen wollte Fischer zum Ausdruck bringen, dass Jesus alle Menschen und ihre Gefühlszustände präsentiert, Männer und Frauen, Jung und Alt, Stärke und Schwäche, Freude und Leid. Auch wolle er deutlich machen, unterstrich Fischer, dass Folter und Tod in unserer Zeit noch sehr gegenwärtig sind und jedem Menschen zustoßen können, der ins Fadenkreuz skrupelloser Machthaber gerät.

Auch die Farben der Bilder, die mit Eitempera und Harzölsubstanzen gemalt sind, sowie deren Intensität, wechseln mit den verschiedenen Motiven. Sie wirken warm oder kalt, erdig oder bunt und kraftvoll, expressiv oder blass, und jede der sieben Szenen hat ihre ganz besondere Facette an Tönen. Christoph Fischers Kreuzweg-Zyklus rührt an und zwingt den Betrachter zur Auseinandersetzung mit Leid und Tod, konfrontiert aber auch mit unvorstellbarer Hingabe und Liebe. Musikalisch stimmungsvoll umrahmt wurde die Vernissage wurde von der Flötistin Alexandra Deiß. Sie trug die Werke "Syrinx" von Debussy und eine kleine Bach-Sonate vor. Eine kleine Broschüre, welche Abbildungen der Gemälde und die Erläuterungen des Künstlers enthält, wurde an die Besucher verteilt und liegt in Kirchenraum aus.

Die sieben Passionsbilder sind vom 14. bis 28. April in der Johanneskirche in Britzingen, jeweils von 9 bis 18 Uhr, und vom 30. April bis 5. Mai, in der Katharinenkirche in Hügelheim, jeweils von 9 bis 18 Uhr, zu sehen. Sie fügen sich ein in die zehn Stationen des Ostergartens, der die Kirche noch bis einschließlich Sonntag, 23. April, schmückt.

Heute, am Gründonnerstag, 13. April, werden die Bilder in einem Kreuz- und Meditationsweg von Britzingen aus in die Dattinger Jakobus-Kirche gebracht. Gebete und Lieder begleiten die Prozession, die um 19 Uhr an der Britzinger Johanneskirche beginnt und mit einem Abschlussgottesdienst um 20 Uhr in der Jakobuskirche endet.