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18. Januar 2014

Den Druck der Straße erhöhen

Das Bürgerbündnis Bahn denkt darüber nach, wie sich das Interesse am Bahnausbau in der breiten Öffentlichkeit steigern lässt.

  1. So geradlinig und übersichtlich wie diese Schienenstränge bei Hügelheim verläuft die Diskussion über den Ausbau der Rheintalbahn selten – die Komplexität des Themas schreckt noch immer Viele ab. Foto: Umiger

MARKGRÄFLERLAND. Ein Treffen der Gemeinderäte von Müllheim und Auggen gibt dem Bürgerbündnis Bahn (bbM) Rückenwind. Auch die Zeitungsmeldung "EU zahlt mehr für Bahnbau" (BZ vom 16.1.) hat Zuversicht entfacht. Kopfzerbrechen bereitet hingegen, dass sich die breite Öffentlichkeit nach wie vor kaum für den Bahnausbau interessiert. Dabei will das Bündnis – dies wurde beim ersten Monatstreffen am Donnerstag im Bürgerhaus Müllheim deutlich – seine Forderungen auch mit dem Druck der Straße durchsetzten.

Alle auf dem selben Wissensstand
Da die beiden kommunalen Gremien sich nichtöffentlich getroffen hatten, konnte zwar über konkrete Inhalte nicht berichtet werden. Aber wichtig für das Bündnis ist, dass beide Kommunen jetzt einen durchgehenden Konsens hergestellt haben, was die Tieferlegung der Gütertrasse angeht. Dazu gehört auch die Ablehnung einer Teilung des Planfeststellungsabschnitts, die für den südlichen Teil eine baldige Baufreigabe ermöglichen würde. "Die politischen Vertreter der betroffenen Region ziehen an einem Strang", betonte der Müllheimer Gemeinderat Nils Hoeck. Offenbar wurde diese Einigkeit auch durch die Tatsache herbeigeführt, dass jetzt alle Mitglieder der beiden Gremien auf einem einheitlichen Wissensstand sind.

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Vorteile für die Bahn

Helmut Schmitt, Vorstandsmitglied aus Hügelheim, stellte die Planungen des bbM vor. Sie wurden über die Weihnachtsferien nochmals überarbeitet und mit Luftfotos, auf denen die gewünschten Trassen eingezeichnet sind, versehen. Die gesamte Planung ist als Download auf der Website des bbM (http://www.bbmgl.org eingestellt. Aus Sicht des Bürgerbündnisses hätte eine Tieferlegung auch für die Bahn Vorteile. Sie würde die kreuzungsfreie Einbindung der Güterzüge in den Katzenbergtunnel ermöglichen und die Betriebszuverlässigkeit verbessern, da sich ICE und Güterverkehr nur auf einem kurzen Abschnitt die Trasse teile.

Die Tieflage soll sich auch

für die Bahn rechnen

Außerdem könnten ICE so zwischen Hügelheim und Augen die Regionalzüge überholen. Auch ein weiteres Argument führt das Bürgerbündnis für die Tieferlegung an: Diese Lösung ließe eine Steigerung der Güterzugzahlen um 64 pro Tag zu, was für die Bahn erhebliche Mehreinnahmen generieren würde. Und noch ein Punkt wurde angeführt, der bisher noch gar nicht im Fokus der Diskussion stand. Mit der bbM-Variante könnte die bestehende Rheintalbahntrasse bis auf ein kleines Teilstück während der jahrelangen Bauarbeiten uneingeschränkt weitergenutzt werden. In den Planungen der Bahn werde diese Option laut bbM nicht benannt.

Vorteile für die Region
Nicht nur die Bahn soll von der Tieflage profitieren. In erster Linie – dies wurde bei dem Treffen einmal mehr deutlich – sieht sich das Bürgerbündnis als Anwalt der Region. Und listet als Argument gegen kilometerlange Schallschutzwände unter anderem den Lärmschutz auf. Hier ermögliche die Tieflage bei Bedarf Nachbesserungen, auch biete diese mehr Schutz vor Unfällen mit Gefahrgutzügen, eine weitgehend weichenfreie Trassenführung und eine bessere Perspektive für den Ausbau des Personennahverkehrs. Zu den Vorteilen rechnet das Bürgerbündnis auch den wesentlich geringeren Landschaftsverbrauch. Werner Kleinfelder, Vorstandsmitglied aus Hügelheim, wies darauf hin, dass die jetzt von der Bahn auf Gemarkung Hügelheim geplante Anbindung der von der Bürgerinitiative MUT (Mensch und Umwelt schonende DB-Trasse nördliches Markgräflerland) erstrittene Bürgertrasse an die Rheintalbahn einen mehr als 100 Meter breiten "Verschiebebahnhof" mit Kreuzungsbauwerken bedeute, während eine Anbindung der tiefer gelegten Gütertrasse südlich von Auggen lediglich eine Breite von 50 Metern habe. Die Bahnplanung bei Hügelheim öffne der Bahn alle Optionen, warnte Kleinfelder, auch die, Güterzüge über die Klotzen-Dörfer zu schicken.

Die Öffentlichkeit informieren
Die verhaltene Resonanz, die das Bürgerbündnis bislang trotz aller Anstrengungen, das Interessen an dem Thema zu wecken, in der breiten Öffentlichkeit erfährt, bereitet nach wie vor Kopfzerbrechen. Den Grund hierfür sehen die Mitglieder aber nicht nur in der Komplexität der Planungen und Varianten. Lebhaft diskutiert wurde die Frage, wie man in der Öffentlichkeit auftritt.

"Jetzt muss sich endlich was bewegen, die Hälfte der Bevölkerung weiß immer noch nicht, worum es geht", forderte Ingo Ehret, Gemeinderat und Bürgermeister-Stellvertreter aus Auggen. Und auch Hügelheims Ortsvorsteher Martin Bürgelin war der Ansicht, man müsse jetzt sehen, wie man die Leute auf die Straße bekommt. Mit dem Druck der Öffentlichkeit könne man auch die Politik in eine raschere Gangart versetzen. Vorstandsmitglied Stephan Kritzinger aus Müllheim wies auf die für April geplanten Bauarbeiten der Bahn hin, die am Müllheimer Bahnhof höchstwahrscheinlich ein "Pendlerchaos" auslösen werden. Das werde, spekulierte er, das Thema ÖPNV und dessen Zukunft auch in eine breitere Öffentlichkeit bringen.

Autor: Dorothee Philipp