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14. September 2010
Der Bus verliert Minuten
Bei knapp kalkulierten Verbindungen verschärft Tempo 30 die Gefahr, dass Züge verpasst werden.
MÜLLHEIM. Die Einführung von Tempo 30 in der Werderstraße erschwert die Einhaltung der Busfahrpläne im öffentlichen Nahverkehr. Denn sie kostet wertvolle Minuten, die bei zeitlich knapp kalkulierten Verbindungen dazu führen können, dass der Zug verpasst wird. Beide Unternehmen, SWEG und Will, wollen beim Fahrplanwechsel darauf reagieren.
Die Fahrt durch die Stadt verlängere sich um etwa eine Minute, sagte SWEG-Geschäftsführer Martin Behringer. Sein Kollege Mathias Heck von Will geht sogar von zwei bis drei Minuten aus. Das scheint nicht viel zu sein. Einige Verbindungen aber sind so knapp kalkuliert, dass die Anschlüsse von Bus und Bahn gefährdet und in Wirklichkeit schon gescheitert sind. Man wolle möglichst viele Zuganschlüsse mitnehmen, sagt Behringer. Nach diesem Prinzip sind die Busumläufe organisiert, auch im Interesse der Benutzer, manche aber notgedrungen eng. Dann darf nicht viel dazwischen kommen. Ein Beispiel der Linie 111 nach Badenweiler: Der Bus fährt um 10.39 Uhr am Bahnhof weg – fünf Minuten nach Ankunft eines Zuges aus Basel, nimmt extra die kurze Strecke über den Ölberg und ist um 10.55 Uhr am Parkplatz-West in Badenweiler. Dort fährt er umgehend wieder zurück, diesmal durchs Weilertal, um den 11.23 Uhr-Zug nach Freiburg zu erreichen. Am Bahnhof sind mindestens vier Minuten fürs Umsteigen eingeplant. So sind die SWEG-Kriterien, sonst ist es kein offizieller Anschluss mehr.Werbung
Der Verlust von wenigen Minuten bringt dieses ausgeklügelte System ins Wanken und Geschäftsführer Behringer in eine Zwickmühle. Soll er Anschlüsse aufgeben oder die Zeit noch knapper kalkulieren und die Busfahrer unter Druck setzen? Keine wirkliche Alternative. Deshalb grübelt der Geschäftsführer noch, wie die Sache bis zum Fahrplanwechsel entschieden werden soll.
Bei Will sei das Problem ähnlich gelagert, sagt Geschäftsführer Mathias Heck. Die Verbindungen, die bisher schon knapp bemessen waren, sind jetzt gefährdet. Da sein Busunternehmen, das die Süd- und die Nordlinie fährt, auch noch den Bahnhof Heitersheim bedient, hat es dieses Problem gleich an zwei Enden mit mehreren dazwischen liegenden temporeduzierten Zonen: Heitersheim mit Tempo 20, Sulzburg und Müllheim mit Tempo 30. Das kostet Minuten und erfordert Anpassungen, die mit dem Fahrplanwechsel vorgenommen werden.
Beide Geschäftsführer betonen, dass das grundsätzliche Problem nicht mit Einführung der Geschwindigkeitsbegrenzung in Müllheim entstanden ist. Es werde aber verschärft. Erfahrungen mit dem Schülerverkehr gibt es noch gar keine, da die Ferien gerade zu Ende sind. Mathias Heck ist gespannt, wie sich das entwickelt.
Der Fahrgastbeirat (FGB) bedauert in einer Pressemitteilung, dass die Busunternehmen zwar generell von der Stadt Müllheim informiert wurden, aber nicht auf den Zeitpunkt der Einführung hingewiesen worden seien. Sinnvoller wäre es aus seiner Sicht gewesen, den Fahrplanwechsel im Dezember abzuwarten. Die fehlende Rücksichtnahme wertet der FGB als Indiz dafür, welchen Stellenwert der öffentliche Personennahverkehr bei den Entscheidungsträgern einnehme. Laut ihm bestehen werktags fast 60 Busverbindungen vom Verkehrsamt zum Bahnhof Müllheim.
Autor: Gabriele Babeck-Reinsch
