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19. Januar 2010

Die Bahn kauft massiv Ackerland in der Region

Mitgliederversammlung des Bauernverbandes Müllheim

  1. Hermann Ritter Foto: Umiger

  2. Hermann Ritter Foto: Umiger

MARKGRÄFLERLAND. Kritisch sehen Landwirte die geplante Biogasanlage des Energieversorgers Badenova im Gewerbepark Breisgau. Auch der Ackerankauf der Bahn für Ausgleichsflächen sowie massive Einkommensverluste, vor allem für Milchviehbetriebe, waren Themen bei der Kreis-Mitgliederversammlung des Badisch-Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV) in Müllheim.

Die Badenova wirbt derzeit bei Landwirten um die Zulieferung von Substraten für eine Biogasanlage, die in diesem Jahr gebaut werden soll. Benötigt werden, schreibt Badenova, jeweils 15 000 Tonnen Maissilage und Hirse, je 6000 Tonnen Getreide und Saatmais, 3000 Tonnen Luzernengras, Rinder- und Schweinegülle sowie Pferde- und Hühnerkot. Mit diesen Substraten wird Biogas erzeugt und aufbereitet zu Strom, Gas und für Wärme.

Bei diesem Prozess entsteht Dünger, der von Landwirten in der Biogasanlage abgeholt und auf den Feldern ausgebracht werden kann. Ein Problem ist für die Bauern der von der Badenova angedachte Preis für die Lieferungen, ein anderes der ökologische Sinn dieser Großanlage. Angesichts der benötigten Menge sei der Radius für den Zulieferverkehr viel zu groß, was einen hohen Spritverbrauch verursache und daher die Ökobilanz stark beeinträchtige, betonte der BLHV-Kreisvorsitzende Hermann Ritter, denn: "Da bleibt viel Geld auf der Straße liegen".

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Der Bauernchef schätzt, dass die Anlage jährlich Ackerland-Erträge von 700 bis 1000 Hektar benötige. Das komme vielen Landwirten zu Gute, die Absatzmärkte suchten. Wegen des hohen Bedarfs an bäuerlichen Erzeugnissen, müsse sich der Verbraucher aber fragen, wie lange es noch qualitativ gute Nahrungsmittel aus der Region gebe, gab Ritter zu bedenken.

Badenova bietet den Bauern auch eine Beteiligung an – bei einer Einlage von mindestens 50 000 Euro. Dieses Kapital könnten aber die wenigsten aufbringen, so der Vorsitzende. Wenn sich die Landwirte einig wären, könnten sie auch gemeinsam "eine kleinere und dazu noch effektivere" Biogasanlage bauen und betreiben. Der BLHV werde sich über verschiedene Möglichkeiten kundig machen und diese in einer Vorstandssitzung Anfang Februar prüfen und diskutieren, kündigte Hermann Ritter an.

Für den Flächenverbrauch beim Ausbau der Rheintaltrasse muss die Bahn Ausgleichsflächen bereit stellen und bepflanzen oder aber Pflegeaufträge vergeben. Der Bauernverband habe mehrfach mit der Bahn diskutiert, die sich aber leider recht stur stelle. Erstaunt sei er, dass die Bahn bereits sehr viele Hektar Ackerland erworben habe, allein in Seefelden sollen es – laut einiger Gerüchte – rund 20 Hektar gewesen sein, sagte Ritter.

Albert Zimmermann, Geschäftsführer des BLHV Müllheim und Lörrach, ist wie Hermann Ritter seit 35 Jahren im Amt. Er berichtete, dass der Verband im Kreis Lörrach noch 1490 Mitglieder habe (47 sind ausgeschieden, 34 dazugekommen), im Kreis Müllheim seien es 1131 Betriebe, da im Vorjahr 42 Höfe dicht gemacht hätten und nur 18 Mitglieder neu in den BLHV eingetreten seien. Die 102 Sprechtage wurden von 811 Landwirten genutzt. Insgesamt habe es im Vorjahr 2650 Beratungen gegeben, so Zimmermann.

Das Einkommen der Landwirte sei 2009 um rund 21 Prozent gesunken. Im Keller seien die Erlöse für Milch, Obst, Ackerbau und Fleisch, bedauerte er. Große Milchviehbetriebe gebe es auch im Markgräflerland. Wer 60 Kühe im Stall habe, die jährlich etwa 500 000 Liter Milch geben, werde massiv gebeutelt, wenn der Milchpreis um die Hälfte falle, betonte Ritter. Ein Milchviehbetrieb der Region habe aus diesem Grund schließen müssen. Anfang 2009 wurden 38 Cent je Liter Milch bezahlt, Mitte des Jahres waren es 22 Cent. Zur Zeit steige der Preis leicht an, freut sich Ritter: "Zukunft gibt es nur, wenn sich die Preise festigen. Und ich bin guten Mutes, dass dem so ist."

Autor: Sigrid Umiger