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28. April 2010

Die neue Transparenz der Kliniken

Müllheim ist dem Qualitätsmanagement angeschlossen, das medizinische Methoden mit dem Behandlungserfolg in Beziehung setzt.

  1. Die Helios-Klinik legt Erfolg und auch Misserfolg offen. Foto: Volker münch

MÜLLHEIM. Die Helios-Klinik Müllheim scheut den Vergleich nicht. Zusammen mit 121 weiteren Kliniken unterzieht sie sich einem Qualitätsmanagement und veröffentlicht die Ergebnisse. Der neuen Transparenz liegt ein Kriterienkatalog der "Initiative Qualitätsmedizin" (IQM) zugrunde. So werden erstmals Leistungsdaten für heutige und künftige Patienten, für externe Ärzte, vor allen Dingen aber zur internen Optimierung des Klinikbetriebs vergleichbar.

Seit 2006 gibt es innerhalb des Helios-Konzerns ein Mess- und Vergleichssystem, das die Qualitätsergebnisse vergleicht und in einem Klinikführer transparent macht. Vor zwei Jahren wurde ein ähnliches System auch außerhalb des Konzerns installiert, an dem sich bis heute 122 Kliniken, darunter Einrichtungen der Berufsgenossenschaften, Universitäten, Häuser kirchlicher und öffentlicher Träger und – in der Region – das Universitätsspital Basel beteiligen. Dabei werden die Routinedaten aus den täglichen Behandlungsprotokollen ausgewertet und verglichen. Die Patientendaten würden zuvor anonymisiert, erklärt der Ärztliche Direktor in Müllheim, Dr. Arnd Müller.

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In die ständige Erhebung gingen im Jahr 2009 Daten von 1,8 Millionen stationärer und 4,8 Millionen ambulanter Patienten ein. Anhand von 33 festgelegten Kriterien werden die Daten vergleichbar gemacht. Basis dafür sind Operationen oder Therapien, zu denen es vereinbarte Zielzahlen gibt, mit denen die Ist-Zahlen verglichen werden, sowohl prozentual als auch in konkreten Fallzahlen. Eine wichtige Bezugsgröße dabei sind auftretende Sterbefälle. Wie diese Vergleichsmethode zu einer Optimierung der medizinischen Versorgung führt, verdeutlichte der Ärztliche Direktor am Beispiel der Behandlung von Schlaganfall-Patienten: Hier lag laut Müller vor Jahren die Sterblichkeit bei zwölf Prozent. Durch das Qualitätsmanagement habe man Schnittstellen zwischen den medizinischen Disziplinen und den Therapien, aber auch Strukturen weiterentwickelt, so dass die Sterblichkeit deutlich reduziert werde konnte. Heute liegt sie im einstelligen Bereich.

"Die Betrachtung von außen durch Fachkollegen anderer Kliniken, die selbst in der Praxis stehen, eröffnet neue Sichtweisen und Problemlösungen", so Müller. Nur wer selbst am Patienten arbeite, könne effizient Daten analysieren, systemische oder strukturelle Fehler beleuchten und Lösungsvorschläge unterbreiten, betont der Müllheimer Chefchirurg. Der Blick "von außen" wirke zudem gegen die eigene Betriebsblindheit.

Dass die Müllheimer Klinik nicht in allen Kriterien gut abgeschnitten hat, wolle die Klinikleitung gar nicht verschweigen, ergänzte Verwaltungsleiterin Claudia Bauer-Rabe. Da nicht alle Therapie- und Operationsmöglichkeiten in Müllheim angeboten würden, beschränke man sich hier auf 25 erreichbare Kriterien. Davon erfülle die Klinik 20 teils überdurchschnittlich gut. Die fünf übrigen relativierten sich allerdings aufgrund der Fallzahl oder durch die Methodik bei der Operation oder der Therapie. Für Müller und Bauer-Rabe besteht trotzdem ein deutlicher Bedarf, an den Zielen weiter zu arbeiten, und die medizinischen Abläufe noch mehr zu optimieren.

"Ein strukturelles Problem haben wir allerdings nicht", so der Chefarzt. Vielmehr basierten die schlechteren Ergebnisse auf Einzelfällen. Die Vergleichbarkeit und deren Aussagekraft haben aber auch für den Laien seine Grenzen. Zum einen legten andere Kliniken in der Raumschaft ihre Zahlen nicht offen, zum anderen seien die Zahlen, die auf der Homepage der Klinik und der IQM-Initiative veröffentlicht sind, nicht immer einfach zu interpretieren. "Deshalb sollte sich niemand scheuen, die Chefärzte in ihren Sprechstunden konkret anzusprechen", betonte der Ärztliche Direktor. Es wäre wünschenswert, wenn sich alle Kliniken der Initiative Qualitätsmedizin anschlössen. "Da hätten es die Patienten und Hausärzte leichter, Entscheidungen zum Klinikaufenthalt zu treffen", sagte Bauer-Rabe.

Autor: Volker Münch