Die Teilung steht kurz bevor

Gabriele Babeck-Reinsch

Von Gabriele Babeck-Reinsch

Di, 31. Dezember 2013

Müllheim

Während die MUT-Gemeinden den Durchbruch erleben, bleiben Müllheim und Auggen zurück.

MÜLLHEIM. Die Bahn war das beherrschende Themen des Jahres 2013 in Müllheim, das auch ins neue Jahr hineingetragen wird. Denn dieses Themenfeld ist keinesfalls abgeschlossen, das Ringen um die bestmögliche Planung geht weiter. Dabei steht eine wichtige Entscheidung, die Trennung des Müllheim und Auggen betreffenden Planabschnitts, kurz bevor.

Das Jahr begann mit der Bahn und es endet damit: Der 21. Januar war ein denkwürdiges Datum. Verkehrsstaatssekretär Michael Odenwald als frischer Vorsitzender des für die Planung des dritten und vierten Gleises der Rheintalbahn maßgebenden Projektbeirats machte vor einer begeisterten Menge zusammen mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Armin Schuster symbolisch den Knopf auf die Bürgertrasse. Das bedeutete die Tieflage von Mengen bis Hügelheim mit Umfahrung Buggingen. Zugleich wurde die Absicht der Bahn bekannt, den Planabschnitt südlich davon zu teilen: in den neu zu planenden Knoten Hügelheim mit der Verknüpfung von alter und neuer Strecke und den Rest der Strecke bis zum Katzenbergtunnel, bei dem die Bahn keine offenen Fragen mehr sieht. Sie will, weil sie vom Projektbeirat keine anderslautenden Vorgaben bekommen hat, hier die Antragstrasse realisieren.

Am Ende des Jahres ist die Region genau an diesem Punkt: Der Bahnantrag liegt beim Eisenbahnbundesamt (EBA), das derzeit einen Teil-Planfeststellungsbeschluss für den Abschnitt südlich von Hügelheim (von Kilometer 235,780 bis 241,616) erarbeitet. Dieser werde von dem Beschluss des Deutschen Bundestages zur Realisierung der sogenannten Kernforderungen 3 und 4 – das heißt: Güterzugumfahrung von Freiburg sowie Bürgertrasse mit Tieflage von Mengen bis Hügelheim – nicht berührt, so die Haltung des EBA. Eine abschließende Entscheidung über die Abschnittsbildung sei damit indes noch nicht getroffen worden. Für das Bürger-Bündnis Bahn und die MUT ist das Alarmstufe rot. Dort befürchtet man, dass bis zur nächsten Sitzung des Projektbeirats, der aufgrund der Berliner Regierungsbildung lange pausiert, vollendete Tatsache geschaffen werden könnten. Denn nur der Bahnknoten, der von Buggingen nach Hügelheim gerutscht ist, hat die politische Aufmerksamkeit – nicht die Trasse bei Müllheim und Auggen, denn bei Hügelheim entscheidet sich unter anderem, ob die politische Kernforderung 6 – alle Güterzüge durch den Katzenbergtunnel – erfüllbar ist.

Die Zusage aber, dass auch im Südabschnitt der Bonus der Bahn nicht angerechnet wird, der ihr um fünf Dezibel höhere Lärmgrenzen einräumt, betrachtet man in der Region sehr zwiespältig, soll sie doch durch technische Maßnahmen an den Gleisen und durch neue Rollsysteme erreicht werden. Nur kurze Zeit konnte sich die Region dem Eindruck hingegeben, der nach dem Wegfall des Schienenbonus erforderliche Lärmschutz sei nur durch eine Tieflage zu erreichen. Der Kampf eines Jahres für die Fortsetzung der Tieflage bis zum Katzenbergtunnel und andere Verbesserungen ist an seinem entscheidenden Punkt angekommen. Ein Kampf, den die Bürgermeister Astrid Siemes-Knoblich und Fritz Deutschmann, zunächst als Verstärkung ihres eigenen Einsatzes sehr begrüßten. "Wenn wir als Bürgermeister nicht gehört werden, müssen wir die Bürger einbinden, damit sie sich Gehör verschaffen", hatte Fritz Deutschmann nach einem Treffen mit Vertretern der Bahn Anfang Februar gesagt. Seither hat sich das Verhältnis der Bürgermeister zum Bürger-Bündnis stark verändert, die gegenseitigen Erwartungen schienen zeitweise unüberbrückbar. Zuguter Letzt aber haben die beiden Bürgermeister erkannt, dass die permanenten Warnungen des Bürger-Bündnis und von MUT wohl doch nicht übertrieben waren, wie ihrem Brandbrief an die Politik und Projektbeiratsmitglieder zu entnehmen war.

Das Bürger-Bündnis beharrt weiter auf seiner eigenen Bahntrasse, deren Machbarkeit nun von einem Ingenieurbüro überprüft werden soll. Auf seiner Seite hält man die Bürgermeister für zu zögerlich und wirft ihnen auch eine Beschwichtigungspolitik vor. Von ihnen hatte man erwartet, dass sie die Politik, an erster Stelle die Landrätin und die Regierungspräsidentin, für die Sache gewinnen würden. Zugleich aber ist es bisher nicht einmal gelungen, die eigene Bevölkerung über das besonders betroffene Hügelheim hinaus in einem nennenswerten Maß für das Bahnthema zu gewinnen. Gut möglich, dass es bald wieder Fahrt aufnimmt.