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29. Januar 2010
"Ein Kompliment an die neue Heimat"
Müllheimer Bürger muslimischen Glaubens wollen inzwischen vermehrt auch hier beerdigt werden
MÜLLHEIM. Bis vor wenigen Jahren war der 1863 angelegte Türkische Friedhof in Berlin die einzige islamische Begräbnisstätte in Deutschland. Inzwischen haben viele deutsche Großstädte auf ihren Friedhöfen muslimische Gräberfelder eingerichtet und auch im ländlichen Raum kommt das Thema so langsam an. In Lörrach und Freiburg-Sankt Georgen sind muslimische Bestattungen bereits möglich. Nun haben auch muslimische Bürger Müllheims den Antrag auf Bestattung in Müllheim gestellt und ihren Wunsch in der neuen Heimat bestattet zu werden, auf die Tagesordnung des Internationalen Beirats der Stadt gehoben.
Zwar wünschen offiziellen Angaben zufolge, wie Herbert Gabelmann, Leiter des zuständigen Fachbereichs ausführt, nach wie vor 90 Prozent der muslimischen Mitbürger eine Überführung in die Heimat zur dortigen Bestattung. Doch offensichtlich vollzieht sich gerade ein Umdenken. "Wir sind hier daheim, haben hier gearbeitet, hier gebaut, warum sollte es nicht möglich sein, hier auch bestattet zu werden", argumentierte Tomislav Slogar, Vorsitzender des Internationalen Beirats. Denn inzwischen seien nicht nur die eigenen Kinder, sondern zum Teil schon die Enkel erwachsen, und niemand denke mehr daran, in die alte Heimat zurückzukehren, zumal es dort oft keine Familie mehr gebe, erklärte Slogar. Stattdessen sei der Wunsch entstanden, auch nach dem Tod hier zu bleiben.Werbung
Als "unglaublich positives Zeichen und großes Kompliment an die neue Heimat", wertet Bürgermeister René Lohs den Wunsch der muslimischen Mitbürger Müllheims. Gleichzeitig bedeute die Einrichtung eines muslimischen Gräberfeldes "gesellschaftspolitisch schon einen großen Schritt für die Stadt Müllheim" sagte er und gab zu bedenken, dass zunächst geprüft werden müsse, welche Voraussetzungen die Kommune schaffen müsse. Dazu gehören eine optische Abtrennung vom christlichen Friedhof, die Ausrichtung der Gräber nach Mekka sowie die Möglichkeit zu den im Islam vorgeschriebenen rituellen Waschungen. Durch eine Gesetzesänderung im Baden-Württembergischen Recht wurde eine Bestattung mit offenem Sargdeckel schon möglich, um der Vorschrift des Islam zu entsprechen, dass der Verstorbene mit der Erde in Berührung komme.
Rund 1200 Bürger muslimischen Glaubens gibt es in Müllheim, davon hat etwa die Hälfte den deutschen Pass. "Wir sind keine Gastarbeiter mehr, sondern deutsche Bürger", betonte Tomislav Slogar und empfiehlt, besser jetzt schon Vorsorge zu treffen, auch wenn das Thema vielleicht erst in zehn Jahren akut wird. Karlhans Kreisl von der Arbeiterwohlfahrt sieht in dem Wunsch der ausländischen Mitbürger, hier bestattet zu werden, ein "großes Integrationsmoment" und merkt an, dass deutsche Muslime genauso das Recht auf eine Bestattung auf deutschen Friedhöfen haben, wie deutsche Atheisten und Andersgläubige, die auf den christlichen Friedhöfen bestattet werden dürfen. Auch Meyrem Dönmez sieht kein Problem, schließlich "zahlen Muslime für ihre Gräber genauso wie Christen".
Für die nächste Sitzung des Internationalen Beirats soll nun der Iman der Moschee Buggingen hinzugezogen werden, um die Frage der Voraussetzungen besser zu klären. In Erwägung gezogen wurde außerdem eine Besichtigung des muslimischen Gräberfeldes in Freiburg- Sankt Georgen und Dekan Zobel bietet an, über den "Arbeitskreis Christen-Muslime" im neuen VHS-Programm einen Kurs zum Thema "Tod und Bestattungsriten in den verschiedenen Religionen" abzuhalten.
Autor: Martina Faller
