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21. März 2017

Eine Lesung wird zur Performance

Geldgier, Intrige, Liebe, Action: Ralf H. Dorweiler stellt seinen historischen Roman "Der Pakt der Flößer" in der Buchhandlung Beidek vor.

  1. Spannend, lehrreich, lustig: Autorenlesung mit Ralf H. Dorweiler Foto: Dorothee Philipp

MÜLLHEIM. Die Fakten sprechen für sich: Die erste Auflage des Buches "Der Pakt der Flößer" von Ralf H. Dorweiler, erschienen am 16. Februar, ist schon verkauft. Die Leser lieben den Autor, der sich mit sieben Krimis um den Lörracher Kommissar Schlageter und einem Reiseführer zu 111 Orten im Schwarzwald, die man gesehen haben muss, in ihre Herzen geschrieben hat. "Der Pakt der Flößer" ist sein erster historischer Roman. Und der hat es in sich. Bei einer Autorenlesung in der Müllheimer Buchhandlung Beidek stellte Dorweiler das Buch vor.

"Ausgehendes 17. Jahrhundert. Amsterdam giert nach Holz für seine mächtigen Handelsschiffe. Und im Schwarzwald entbrennt ein Wettstreit um das größte je gebaute Floß." Mit kurzen Strichen umreißt er den Rahmen, in dem sich auf 525 Seiten eine temporeiche Handlung aus Geldgier, Intrige, Liebe und jede Menge Action aufbaut, charismatische Akteure inklusive. Das lässt sich nicht nur durch pures Vorlesen verdeutlichen, und so entwickelt sich der Abend zu einer spannenden und kurzweiligen Performance, in der die vorgelesenen Abschnitte durch Dorweilers schauspielerisches Talent zu spannenden und lustigen Szenen werden.

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Die Einführung mit einer Bildsequenz aus dem Leben der Flößer im Schwarzwald, unterlegt mit Klavierklängen und einer bezaubernden Mezzostimme, zeigt, dass der Stoff auch das Zeug zum Film hätte, sowohl Handlung als auch Schauplätze sind hier deutlich mehr als Mittelmaß. Dann gibt es jede Menge Information zum Stoff, ebenso aufregend und einprägsam – Dorweiler ist schließlich im Nebenberuf BZ-Redakteur, da muss er wissen, wie man Wissen les- und verstehbar macht. Er sitzt nicht gemütlich hinter seinem Wasserglas am Tischchen, sondern stellt sich nah vor die Leute, spricht mit einer tragenden klaren Stimme, die seinem Pfarrer Anselm im Buch beim Predigen alle Ehre gemacht hätte. Den aber lernen wir kennen, als er beim Amsterdamer Kneipenwirt "Schädel" um ein letztes Bier bettelt und, schon die Türklinke in der Hand, leicht lallend Bibelsprüche zum besten gibt.

Doch der Hauptstrang der Handlung beginnt im Schwarzwaldstädtchen Wolfach, wo die Flößer leben. Dorweiler hat sich reingekniet in das Thema, das er vorher nicht kannte und ließ sich faszinieren von der Technik, mit der die Holzmassen die Kinzig abwärts geflößt und zu immer größeren Gebinden zusammengebaut wurden, bis ein Floß von 400 Metern Länge dann den Rhein hinunter schwamm. Besatzung: 700 Mann, dazu zwölf lebende Ochsen und 100 Hühner. "Daten und Fakten müssen stimmen, aber ich schreibe, damit die Leser Spaß haben", erläutert Dorweiler das Rezept für seinen Erfolg. Dazu gehört zum Beispiel auch nachzuprüfen, welche Phase der Mond an jenem Tag im März 1698 hatte, als die beschwerliche Reise nach Holland startete. Der Handel sollte diesmal unter Umgehung der Kölner Zwischenhändler getätigt werden, um mehr Geld für die Wolfacher herauszuholen. Aber irgendwo ist ein Saboteur am Werk... Man ahnt, das läuft nicht so glatt wie geplant.

Nach der Pause braucht Dorweiler "Hilfe" aus dem Publikum, eine kleine Quizshow steht an, in der man erfährt, um wie viel Kilometer der damals noch nicht korrigierte Rhein länger war als heute. Und wie viele Päpste – der Papst musste unbedingt im Buch vorkommen, eine weitere bilder- und farbenreiche Facette in der Handlung – vor Innozenz XII. schon im Amt waren, die Gegenpäpste eingerechnet.

Dominik und Ellen, die beiden Freiwilligen, die sich gemeldet haben, schlagen sich wacker, am Ende hat Dominik einen Punkt Vorsprung und bekommt deswegen die größere der beiden Weinflaschen, mit denen Dorweiler seine Kandidaten belohnt. Das Publikum darf mitraten und erfährt nebenher viele interessante Sachen wie die Regierungszeit des Sonnenkönigs – sage und schreibe 72 Jahre – und auch, dass ein König von Swasiland hier den Weltrekord hält, weil er von 1899 bis 1981 regierte. Die gemütliche Wohnzimmeratmosphäre zwischen Bücherwänden, für die das Beidek-Team mit Knabbereien und Getränken sorgt, ist wieder einmal eine denkbar ideale Kulisse, um ein Buch kennenzulernen, mit dem Autor ins Gespräch zu kommen und in der Pause entspannten Small Talk zu pflegen. Und am Ende stehen die Gäste wieder Schlange, um sich ihr persönliches Exemplar signieren zu lassen.

"Der Pakt der Flößer" von Ralf H. Dorweiler, erschienen 2017 bei Bastei-Lübbe; 525 Seiten; 11 Euro

Autor: Dorothee Philipp