Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

28. Juni 2011 20:20 Uhr

Erfindergeist

Kirschensortieranlage made in Markgräflerland

Erfindergeist aus dem Markgräflerland: Walter Stiefvatter aus Feldberg hat eine Maschine erfunden, die Kirschen milimetergenau sortiert. Eine Erfindung,die sich auszahlt – denn gutes Sortieren ist bares Geld wert.

  1. Kirschensortieranlage made im Markgräflerland Foto: sigrid umiger

MÜLLHEIM/AUGGEN. Stößt ein Erfinder auf Konstrukteure für die technische Umsetzung seiner Idee, kann eine Erfolgsgeschichte daraus werden. Eine solche gibt es im Markgräflerland. Walter Stiefvatter, Kirschenanbauer und Veredler aus Feldberg, hat auf der Suche nach Arbeitserleichterungen zwei Kirschensortiermaschinen konstruiert. Entwickelt wurde die Technik vom Auggener Gerätebauer Siegwald. Seine Firma beliefert als einzige deutsche Firma Obstbauern in zehn Ländern Europas.

Kirschen werden nicht nur zum direkten Verzehr verkauft, sondern auch an die Industrie – für die Herstellung von Marmelade, Joghurt oder Schnaps. In beiden Fällen müssen die Früchte aufwendig sortiert werden. So müssen Industriekirschen einen Mindestdurchmesser von 18 Millimetern haben. Bei den Tafelkirschen messen die kleinsten Früchtchen 22 Millimeter, die größten haben einen Durchmesser von 32 bis 34 Millimetern. Sie werden an die Großmärkte in Oberrotweil am Kaiserstuhl oder für Nordbadener nach Oberkirch geliefert.

Idee aus Chile und Kanada

Werbung


Der Preis, den die Anlieferer erhalten, orientiere sich immer an den kleinsten Früchten, sagt Walter Stiefvatter. Wer aber beispielsweise statt 24er Kirschen 26er abliefere, erhalte je Kilogramm einen Aufpreis von 40 bis 50 Cent. Daher sei gutes Sortieren bares Geld wert, so Stiefvatter. Das Problem liege darin, den kleinen Unterschied von zwei Millimetern zu erkennen. Während seiner Reisen nach Kanada und Chile habe er vor zehn Jahren die ersten Kirschen-Sortiermaschinen gesehen – "unbezahlbar für bis zu 500 000 Mark", sagt Stiefvatter. Das habe ihn motiviert, praktikable und finanzierbare Lösungen zu entwickeln. Das System habe er bald im Kopf gehabt, aber er sei ja kein Techniker.

Walter Stiefvatter wusste aber, dass die Auggener Gerätebaufirma, die Hans Siegwald 1978 gegründet hat, Patente entwickelt hat, so für Laubschneider und Mulchgeräte für den Ökoweinbau. Da hat der Ideenfinder einfach nachgefragt. Siegfried Müller, der mit Markus Willi die Firma Siegwald 2003 übernommen hat, sagt, er sei zuerst skeptisch gewesen, habe dann aber die Ideen von Walter Stiefvatter aufgegriffen, die Technik dazu entwickelt und als Patent angemeldet.

Ausschuss bekommt das Vieh

Die erste Tafelkirschen-Sortiermaschine, die "Select", sei vor acht Jahren von der Fachwelt noch belächelt worden, so Siegfried Müller. Doch dann habe Stiefvatter Ideen zur Verbesserung des Prototyps gehabt. Daraus entstand die "Select Plus", die seit 2009 sehr gut verkauft werde. Die kleine Version der Maschine sortiert 300 Kilogramm Kirschen in der Stunde, die große 600 Kilogramm.

Während die günstigsten ausländischen Sortiermaschinen 30 000 Euro kosten würden, biete die Gerätebau GmbH Siegwald als einziger deutscher Hersteller die kleine Version für 11000 Euro. "Das ist der weltweit günstigste Preis", sagt Walter Stiefvatter. Und er hat der Firma vor fünf Jahren auch noch die Idee für einen Industriekirschen-Sortierer ans Herz gelegt. Mit Erfolg. Seit drei Jahren gibt es auch "Indu optima". Bei ihr fallen alle Früchte, die nicht das Mindestmaß von 18 Millimetern Durchmesser haben, durchs Raster. "Der Ausschuss wird auf Weiden gebracht und gerne vom Vieh verzehrt", so Stiefvatter.

In der Firma Siegwald werden Maschinen in Handarbeit hergestellt – von den beiden Inhabern und einem Angestellten. Nur die Kunststoffteile werden gekauft. Man habe sich Marktnischen erschlossen für Geräte, deren Bau für große Firmen unrentabel sei, sagt Siegfried Müller. Bei den Kirschenanbauern handle es sich um einen "kleinen Haufen", der zunehmend schrumpfe, bedauert der Firmenchef. In Feldberg sieht es nicht danach aus. Hier wachsen rund 40 000 Kirschenbäume.

Mehr zum Thema:

Autor: Sigrid Umiger