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17. November 2016

Leserbriefe

  1. Hat die Tieflage noch eine Chance? Foto: Julia Jacob

RHEINTALBAHN
Für die Tieflage eng zusammenstehen
Zur Berichterstattung über die Pläne der Deutschen Bahn zum Ausbau der Rheintalbahn erreichten uns folgende Leserzuschriften.
Auf augenfälliges Betreiben ist die gemeinsame Front des Widerstandes gegen die von der DB als sogenannte Vollschutz geplanten Monsterbauwerke – von bisher noch nie verbauten Ausmaßen – aufgegeben worden! Von der einzig sinnvollen Lösung zur Schaffung eines erträglichen Lärmpegels und einer umweltfreundlichen Lösung – der Tieflage – haben sich die Bürgermeisterin und die CDU verabschiedet. Und das alles, obwohl die Stadt Müllheim gemäß Ratsbeschluss Mitglied des Bürger-Bündnisses Bahn (BBM) ist und – einstimmig beschlossen – aus Steuergeldern mehrere Banner "Tieflage" hat anbringen lassen. Was für ein Sinneswandel! Was für eine Ungereimtheit! Monsterbauwerke sind nicht hinnehmbar und dagegen kämpfen – selbstverständlich! – auch weiterhin BBM und Bürger.

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Frau Bürgermeisterin und die CDU haben sich nunmehr aus dem bisher gemeinsamen Anliegen/Vorgehen – entgegen früherer Beteuerungen – verabschiedet. Die Landschaft zerschneidenden Monsterbauwerke kann doch niemand widerstandslos hinnehmen, also ohne für die "Beste Lösung: Tieflage" ernsthaft und fortdauernd (!) zu kämpfen.

Frau Bürgermeisterin und die CDU müssen sich jetzt insbesondere von nachfolgenden Generationen vorhalten lassen: Was habt ihr unternommen, die Monsterwände – die ja Jahrhundertbauwerke sein werden – zu verhindern? Wenn die DB auf die aus vielerlei Gründen sinnlosen 250 Stundenkilometer verzichtet, ist ausreichend Geld für die einzig sinnvolle und hinnehmbare Lösung Tieflage da. Und: Wo bleiben eigentlich die "Grünen" der Landesregierung mit ihrem Versprechen: "Ein zweites Eimeldingen wird es nicht geben?" Lange nichts mehr dazu gehört! Ach ja: Und wo ist eigentlich hier die aktive Beteiligung am Bürgerprotest durch SPD und Grüne? Und wo ist der Einsatz der christlichen Kirchen Müllheims? Merke: Hügelheim, Müllheim und Auggen müssen für die Tieflage eng zusammenstehen!
Walter Fritz Kulikowski, Müllheim

Alternativen wurden vehement abgelehnt
Es naht der Moment, an dem Müllheim und Auggen ungebremst auf einem Gleis aufeinander zufahren. Überholt werden beide von einem ICE mit Tempo 250 km/h! Was sind das für Experten, die behaupten, dass ein ICE aus dem Eschbacher Bogen heraus, aus voller Fahrt mit Tempo 100 km/h, auf dem verbleibenden, 12 Kilometer langen, kerzengraden Abschnitt über Heitersheim und Buggingen bis Müllheim(Baden) nicht die 250 km/h erreichen kann? Das Tempo wird ein ICE bis Eimeldingen durchfahren, bevor der Schnellbahnzug in Richtung Haltingen und Weil am Rhein abbremst. Man muss endlich verstehen, dass eine Tempoerhöhung auf der "Rheintalbahn" als Ganzes gesehen werden muss. Die Geschwindigkeitserhöhung beginnt heute bereits im Rhein-Main-Gebiet. Von dort geht es über Karlsruhe in voller Fahrt unter den (derzeit im Bau befindlichen) "Rastätter Tunnel" und Baden-Baden bis Offenburg und weiter nach Freiburg. Bereits heute fahren die ICE-Züge zwischen Baden-Baden und Offenburg (viergleisig ausgebaut) auf einer "eigenen Trasse". Da könnten beispielsweise die Bürger des direkt an dieser Trasse liegenden Ortes Achern auch verlangen, dass die ICEs in ihrem Ortsbereich vom Tempo runter gehen sollen.

Wir leben in einer globalisierten Welt. Dazu gehört, dass die Deutsche Bahn im grenzüberschreitenden Verkehr auf internationale Taktzeiten Rücksicht nehmen muss. Basel SBB und Zürich sind solche Knotenpunkte. Es kann am Ende keinem Reisenden verständlich gemacht werden, dass möglicherweise drei Minuten vor Ankunft eines ICE ein Eurocity nach Italien abgefahren ist – und das zu jeder Stunde. Auf Seiten von Müllheim und Hügelheim wurde in den letzten zwei Jahren viel Zeit verschenkt. Tieflage und Lärmschutzwände waren das einzige Diskussionsthema. Alternativen wurden als nicht relevant vehement abgelehnt. Ich selbst habe seit langer Zeit auf einen möglichen Kompromiss hingearbeitet, der nie von den verantwortlichen Personen der Stadt Müllheim oder Auggen mit mir diskutiert wurden. Auf der Gemeinderatssitzung Mitte April in Auggen wurde zwar ganz vorsichtig eine"Teiltieflage" ins Spiel gebracht, thematisiert wurde meine Idee leider nicht. Immer wieder habe ich die Möglichkeit einer "abgesenkten Tieflage" schriftlich den Gremien dargelegt. Eine Antwort oder gar eine Einladung blieb jedoch aus. Am Ende werden die Pläne der Bahn realisiert. Man wird sich in Müllheim mit dem Abriss des alten Bahnhofsgebäudes abfinden müssen, und das Stellwerk wird sicherlich nach dem Abriss niemand vermissen.

In den vergangenen Wochen habe ich zahlreiche Schnellbahntrassen mit Zügen der italienischen Staatsbahn (FS/Frecciarossa), der französischen Staatsbahnen (SNCF/TGV) und der spanischen Staatsbahnen (Renfe/AVE) befahren. Zu jeder Zeit – egal bei welchem Tempo – konnte ich auf beiden Seiten aus dem Zugfenster sehen. Warum soll gerade auf der "Rheintalbahn" eine hässlich hohe Verbauung durch Lärmschutzwände entstehen, die von Bürgerinitiativen immer weiter in den Himmel getrieben werden.

Heinz Göttlich, Neuenburg



Autor: Walter Fritz Kulikowski, Müllheim