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29. Dezember 2015

Leserbriefe

RHEINTALBAHN
Salami-Taktik zum Nachteil der Region
Zum Artikel "Brennen, klagen – und warten" vom 23. Dezember
In diesen Monaten vor der Landtagswahl 2016 hier in Baden-Württemberg haben wir eigentlich die politisch äußerst günstige Konstellation, als wählende Bürger mit Erfolgsaussichten laut unseren Willen und unsere Meinung kundzutun und unsere politischen Vertreter dazu aufzufordern, Stellung zu beziehen. Als im Jahr 2013 anlässlich der Bundestagswahl Vertreter der großen politischen Parteien ins Müllheimer Bürgerhaus und zur Formulierung ihres Engagements bezüglich der Rheintalbahn gebeten waren, war es die reichlich junge und wohl nachlässig "gebriefte" Vertreterin der Grünen, die schon damals "das Desaster" vorformulierte: Es sei immer nur eine begrenzte Menge Geldes vorhanden – und das gebe man lieber in den großen Städten wie Stuttgart aus als auf dem platten Land. Ins gleiche unglaubliche Horn stieß jüngst der grüne Verkehrsminister Hermann, als er sagte, hier unten sei eine so dünne Siedlungsdecke in Relation zum finanziellen Aufwand, da könne man ja gleich jedem Einwohner ein neues Haus spendieren. Wer es noch nicht gemerkt hat und wer es noch nicht an der Entwicklung zum Beispiel von Freiburg abliest: Bei den Grünen stehen die real grünen, ländlichen Regionen reichlich hinten an! Sie hängen Regionen wie die unsere von einer Vielzahl von Förderungsmöglichkeiten und Unterstützung – von der Landwirtschaft über Kultur und Tourismus bis zum Straßenbau – ab und begünstigen eine Prosperität der Ballungszentren.

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Unseren verdienten Landesvater Kretschmann und seine authentische Art Politik zu treiben hin oder her – für mich sind die Grünen zum Wohle unseres Landstriches faktisch nicht wählbar. Die politisch nahezu zynische Praxis von Verkehrsminister Hermann bewahrheitet dies im Nachhinein. Und bei diesem in seinen Folgen schwerstwiegenden Jahrhundertprojekt "Bahnausbau" muss uns angesichts von Stuttgart 21 und "Trittbrettfahrern" nun wirklich das Hemd näher als die Jacke sein.

Wir Bürgerinnen und Bürger der Trasse von Mengen bis zum Katzenbergtunnel müssen uns klar machen, dass bei Realisierung der Antragstrasse das Markgräflerland, so wie wir es von gestern und heute kennen, aufhören wird zu existieren! Und zwar auch, wenn wir "irgendwo am Hang" wohnen und irriger Weise weiter ruhig zu schlafen können glauben. Die Abspaltung der Planung des "Hügelheimer Knotens" vom Rest der Strecke von Müllheim bis Schliengen und die Aufteilung des juristischen Verfahrens zwischen Antragstrasse und vielleicht nachgereichtem Lärmschutz sind meines Erachtens an Perfidie kaum zu überbieten. Denn sie gewähren eine Salami-Taktik zum Nachteil der ganzen Region. Es ist nicht der Lärmschutz, den wir in 25 Jahren brauchen, soviel wage ich als jahrelanger Berufspendler zu prognostizieren. Lassen wir uns mit in Aussicht gestelltem Lärmschutz durch 8 Meter hohe Bauten keinesfalls Sand in die Augen streuen. Das rollende Material wird in der Tat leiser werden. Wenn eine "rollende Landstraße" durch den Bahnhof Müllheim fährt, so kann man sich bereits heute dabei weiter unterhalten. Viel entscheidender ist jedoch, dass in 25 Jahren unsere Landschaft zugebrettert sein wird und durchschnitten. Unsere Landschaft wird zu einem tristen "Hinterhof der Republik" verschandelt sein. Die Bahnhöfe von Müllheim und Auggen existieren als solche nicht mehr, Müllheim als ÖPNV-Knotenpunkt wird irrelevant sein, und wir werden jeden Tag mit einer Bahn-Chemie-Katastrophe in unserer Heimat rechnen müssen. Jetzt, vor der Landtagswahl 2016, sitzen wir an einem selten langen politischen Hebel, um hier "das Desaster" wieder einzufangen, das sich in den letzten Wochen auf der politischen Bühne eingestellt hat. Die "Beste Lösung" ist schlichtweg die beste Lösung.

Johannes Weitzel, Hügelheim

MARKGRÄFLER MUSEUM
Schreibtisch von historischer Bedeutung
Zum Artikel "Vor dem Vergessen bewahren" vom 23. Dezember erreichte uns folgende Leserzuschrift.

Bei aller Wertschätzung für Kurt Hölzle und seine Sammelleidenschaft zur Rettung historischer Gegenstände: Der opulente Schreibtisch Adolph Blankenhorns entstammt nicht einem "Beutezug" Hölzles aus dem Sperrmüll. Dieser wunderbare Schreibtisch meines Urgroßvater war noch der Stolz meines Großvaters Oberst Erich Blankenhorn. Er verrichtete an ihm in Badenweiler seine historischen Arbeiten und korrigierte mit Strenge die Hausaufgaben von uns Enkelinnen. Mein Vater, Botschafter Herbert Blankenhorn, war sich des hohen Wertes und der historischen Bedeutung des Möbels bewusst und übergab es nach dem Tod des Vaters dem heutigen Markgräfler Museum.

Karin Blankenhorn-Hartig, Schliengen

Autor: Johannes Weitzel, Hügelheim