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11. August 2015

Leserbriefe

  1. Die Diskussion um die Rheintalbahn – im Bild Regional- und Landespolitiker auf der Fußgängerbrücke am Bahnhof Auggen – geht weiter. Foto: A. Huber

TOURISMUS
Weniger wäre hier mehr
Zur Berichterstattung über die Tourismus-Aktivitäten der Stadt Müllheim.
Liebe BZ, beim Durchlesen Ihrer aktuellen Berichterstattung zum Tourismus in Müllheim müssen wir schon etwas schmunzeln. In Müllheim wird ja mittlerweile mit einer gewissen Belustigung festgestellt, dass sich Bürgermeisterin und gewisse Mitarbeiterinnen der Verwaltung immer wieder gerne mit ihrem Konterfei in der Presse wiederfinden möchten. Aber: Dann doch bitte mit wirklich neuen Innovationen und frischen Ideen! Und nicht mit aufgeblasenen Projektinformationen und Inhalten zu Pressemitteilungen, die in vielen anderen Tourismuskommunen in der Nahregion schon lange und jahrelang erfolgreich umgesetzt sind. Ich empfehle hierzu einen Blick in die nahen Heilbäder und Weinkommunen. Eigentlich wäre dazu zu hinterfragen: Warum erst jetzt in unserer Stadt? Wirklich neu ist da nichts. So jedenfalls macht man(n), besser gesagt frau sich ein wenig in der Außendarstellung lächerlich, weniger wäre hier mehr. Auch mit Blick auf die gegen den Trend in den letzten Jahren gesunkenen Übernachtungszahlen die im klaren Widerspruch stehen. Heinz Schuhmacher, Müllheim

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RHEINTALBAHN
Ein Vergleich von Äpfeln und Birnen
Zur Berichterstattung über den Ausbau der Rheintalbahn.

Manchmal erscheint unser Gemeinwesen weniger als Rechts- denn als Rechtswege-Staat. Insofern ist es logisch, dass die Gemeinden Auggen und Müllheim gegen den bevorstehenden Planfeststellungsbeschluss zum Bauabschnitt 9.0 der neuen Rheintal-Güterzugtrasse den Rechtsweg per Klage einschlagen wollen. Dies ist die rationale, nüchterne Bedeutung der "Klage". Die "Klage" hat im allgemeinen Sprachgebrauch aber auch eine emotionale Bedeutung. Die Bürgerinitiative BBM und ihre engagierten Mitstreiter klagen über etwas anderes: Man fühlt sich – der Redaktions-Knigge der BZ mag den Ausdruck entschuldigen – "verarscht" von den Vertretern der Deutschen Bahn und der ihr nachgeordneten Unternehmen, die mit der Trassenplanung beauftragt sind. Die merkwürdig verhaltene, um nicht zu sagen verschwurbelte Reaktion der regionalen Gremien auf die Ohrfeige des Projektbeirats für unser Anliegen der Tieflage (OKF6), hat ihre Gründe. Wenn das Landes-Verkehrsministerium behauptet, alle Mitglieder des Projektbeirats (auch diejenigen der Bürgerinitiativen) hätten zugestimmt, dass die "beste Lösung" nicht habe verfolgt werden können, weil die Mehrkosten in keinem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen stünden, dann wird die Perfidie des Verfahrens klar: Die "einstimmige" Entscheidung des Projektbeirats beruhte auf dem Vergleich von Äpfeln mit Birnen! Die Vertreter von BBM und MUT haben den von der Deutschen Bahn behaupteten Mehrkosten von 280 Millionen Euro nie zugestimmt. Tatsache ist, dass die Bahn ihre Kalkulation nie offen gelegt beziehungsweise erheblich veraltete Zahlen nicht aktualisiert hat, während die von den beiden hiesigen Gemeinden und den Bürgerinitiativen finanzierten und von fachlich versierten Ingenieurbüros unterstützten Berechnungen offen auf dem Tisch lagen. Seit der Begriff "Beste Lösung" verwendet wurde, war damit weit mehr als Lärmschutz gemeint. Das "Runterbrechen" der Argumentation von Landesverkehrsministerium und Projektbeirat auf die alleinige Lärmschutzfrage nimmt die berechtigten Anliegen der beiden Gemeinden und ihrer über 20 000 Bewohner nicht ernst. Die Finanzierungsfrage der Rheintaltrasse ist und bleibt der Knackpunkt; wir werden genau beobachten, ob hier ebenso mit Zahlen getrickst wurde wie bei den Planungen von Stuttgart 21. Die Voraussage ist nicht schwer: Das Klagen über eine vertane Jahrhundert-Chance wird zu weiteren Rechtsweg-Klagen führen! Die Suche nach den Schuldigen hat erst begonnen.

Karl Friedrich von Brandt, Auggen
Die Verschandlung der Heimat nicht akzeptieren
Warum akzeptieren die Markgräfler die Verschandelung ihrer schönen Heimat? Das Bürgerbündnis Bahn Markgräflerland (BBM) hat zumindest erreicht, dass der Lärmschutz optimiert wurde und somit die Bürger im Markgräflerland die nächsten 100 Jahre schlafen können, ohne von der Bahn lärmtechnisch gestört zu werden. Allerdings fragen wir uns, warum die Markgräfler Bürger eine kilometerlange bis zu neun Meter hohe Lärmschutzwand akzeptieren. Die Wände in Eimeldingen sind nicht so hoch. Bei Tieflage der Güterzüge wären die Gefahrguttransporte sicherer, der Flächenverbrauch geringer. Fragen da nicht unsere Enkel und Urenkel: "Warum habt ihr so eine Wand akzeptiert?" Nur zur Erinnerung: Die jetzigen Gleise wurden vor über 100 Jahren geplant. Wir müssen der Müllheimer Bürgermeisterin zustimmen, wenn sie meint, dass zu wenig Bürger auf die Straße gehen. Sie will von uns Druck verspüren, damit sie den Druck weitergeben kann. Daher bitten wir alle Bürger: Geht zu den Protestversammlungen, werdet Mitglied beim BBM – oder sind zwölf Euro im Jahr für unsere Heimat zu viel? Wir können noch mehr erreichen. Das Argument "Es bringt ja doch nichts" wurde ja bereits widerlegt.

Martina Wagner, Auggen, und Günter Waldenmaier, Hügelheim

Autor: Heinz Schuhmacher, Müllheim