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28. Mai 2011
Mächtig-schöner Honiglieferant
BZ-SERIE (TEIL 5): Der Tulpenbaum – selten mit riesiger Krone.
MÜLLHEIM. In Müllheim gibt es zwar keine Baumschutzsatzung, aber seltene und besonders alte Bäume wurden hier in einer Liste geschützter Naturdenkmale aufgenommen. Manche von ihnen sind einheimisch, andere kamen aus fernen Ländern ins Markgräflerland. Einige dieser Bäume, ihre Besonderheiten und – wenn sie bekannt ist – auch ihre Geschichte stellt die Badische Zeitung in einer Serie vor. Heute geht es um den Tulpenbaum.
Unter den vielen bemerkenswerten Bäumen, die in Müllheim und Umgebung gepflanzt wurden, zählen die Tulpenbäume zu den seltensten. Vielleicht liegt das daran, dass die Krone eines ausgewachsenen Baums schließlich so enorme Dimensionen annehmen kann, dass dieser selbst in einem großen Garten kaum noch den ihm gebührenden Platz finden wird. In Müllheim gibt es denn auch nur zwei Exemplare, die schon allein wegen ihrer Größe zu Recht unter Denkmalschutz stehen: Ein Baum wächst in einem Privatgarten in der Moltkestraße, ein zweiter, ebenso großer auf der Liegewiese am Schwimmbad. Neben diesen beiden gibt es noch einen weiteren, ebenfalls schon recht ansehnlichen Baum an der Sulzburger Straße, und mehrere, meist noch recht kleine Bäume in Gärten im Kernort und den Ortsteilen.Werbung
Tulpenbäume erkennt man an ihrem unverwechselbarem Laub: Die bis zu 20 Zentimeter großen Blätter sind im Umriss fast viereckig, seitlich etwas gelappt und an der Spitze gerade oder nach innen eingebuchtet, so als hätte dort jemand ein Stück des Blatts herausgeschnitten. Im Herbst färbt sich das bis dahin glänzend dunkelgrüne Laub auffallend gelb.
Auch an den Blüten, die sich jetzt im Mai öffnen, wären die Bäume auf Anhieb zu erkennen, säßen diese nicht hoch oben in der Krone und noch dazu meist gut versteckt zwischen den Blättern. Tulpentragender Lilienbaum lautet der wissenschaftliche Name Liriodendron tulipifera ins Deutsche übersetzt, und tatsächlich erinnern Form und Farbe der Blüten an die mancher Tulpen. Die Blüten bieten reichlich Nektar und werden daher gerne von Bienen besucht. In seiner Heimat ist der Baum deshalb durchaus auch als Honiglieferant geschätzt.
Wie der Mammutbaum, über den wir bereits in einem früheren Beitrag dieser Reihe berichtet haben, ist auch Liriodendron tulipifera aus Nordamerika zu uns gekommen. Allerdings stammt er nicht wie dieser aus einem kleinen Areal an der Westküste, sondern aus einem großen Gebiet im Osten, das im Norden von den Neuenglandstaaten bis zum Michigansee und von dort nach Süden hinunter bis zum Golf von Mexiko und nach Florida reicht. Eine zweite, zum Verwechseln ähnliche Art kommt im Süden Chinas und dem angrenzenden Norden Vietnams vor. Damit zeigen die Tulpenbäume eine ähnliche Zweiteilung des Verbreitungsgebiets wie ihre nächsten Verwandten, die Magnolien, die ebenfalls im Osten Nordamerikas und in Südostasien vorkommen. Der Chinesische Tulpenbaum (Liriodendron chinense) wird allerdings in Mitteleuropa kaum einmal gepflanzt und ist selbst in Botanischen Gärten eine große Rarität.
In seiner nordamerikanischen Heimat besiedelt Liriodendron tulipifera nährstoffreiche Böden, die auch im Sommer stets genügend feucht bleiben. Auf guten Standorten werden die Bäume über 500 Jahre alt, die größten Exemplare erreichen bis zu 60 Meter Höhe und drei Meter Stammdurchmesser und sind damit die "Mammutbäume" des östlichen Nordamerikas. Kein Wunder, dass dieser Baum schon bald nach Ankunft der ersten Siedler aus Europa deren Aufmerksamkeit erregte. Das leicht zu bearbeitende Holz wurde und wird für alle möglichen Zwecke verwendet, für Möbel ebenso wie für Särge und Bleistifte oder als Rohstoff zur Papierherstellung.
Nach Europa kamen die ersten Tulpenbäume schon Mitte des 17. Jahrhunderts, zunächst nach England und bald darauf auch nach Mitteleuropa. Als Forstbaum erlangte die Art hier keine Bedeutung, umso mehr aber als prächtiges Ziergehölz für herrschaftliche Parkanlagen und große Gärten. Die Wirkung geht bei jungen Bäumen vor allem vom auffallenden Laub aus, während sich ausgewachsene Bäume mit ihrem mächtigen geraden Stamm, der tief gefurchten Borke und der ausladenden Krone zu einem Solitärgehölz ersten Ranges entwickeln, das seine Umgebung dominiert.
Der Nordamerikanische Tulpenbaum ist in unserem Klima vollkommen winterhart und wächst recht problemlos, vorausgesetzt, der Boden bleibt das ganze Jahr über genügend feucht. Die beiden großen, unter Denkmalschutz stehenden Bäume in Müllheim haben bereits Stämme von einem Meter Dicke und sind bereits über 20 Meter hoch – sie sind aber erst einige Jahrzehnte alt und werden, wenn sie weiter ungestört wachsen dürfen, sicherlich noch einiges an Höhe und Stammdicke zulegen.
Autor: Jens-Uwe Voss


