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20. Februar 2015

Müllheim fürchtet um schnelle Verbindungen

Gemeinderat und Verwaltung: Halbstundentakt für kleinere Gemeinden darf Eilzug-Konzept nicht gefährden / Wunsch nach leistungsfähigem Bahnknoten.

  1. Müllheim hofft auf schnelle Zugverbindungen nach Freiburg und vor allem auch nach Basel. Foto: Martin Pfefferle

MÜLLHEIM. In der Debatte um das zukünftige Konzept für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) meldet sich jetzt Müllheim noch einmal deutlich zu Wort. In der Stadt gibt es die Sorge, dass die anvisierten schnellen Zugverbindungen zwischen den Mittelzentren wie Müllheim und Bad Krozingen nach Freiburg und Basel den Wünschen kleinerer Gemeinden nach häufigeren Halten zum Opfer fallen könnten. In ihrer jüngsten Sitzung am Mittwoch machten sich die Gemeinderäte außerdem für einen umfassenden Ausbau Müllheims zum regionalen Bahnknoten stark.

Das derzeit in der Diskussion befindliche Konzept für den SPNV auf der Rheintalbahn zwischen Freiburg und Basel, mit dem das Land Baden-Württemberg nach heutigem Stand der Dinge im Laufe dieses Jahres in die Ausschreibung gehen will, sieht zwei Grundbausteine vor: Da ist zum einen die Rede von einer S-Bahn, die ähnlich den heutigen Regionalbahnen alle Stationen auf der Strecke versorgt. Für diese S-Bahn-Linien sind Verbindungen im Stundentakt, möglicherweise auch häufiger, vorgesehen. Ergänzend dazu ist ein Angebot mit deutlich weniger Halten geplant – das ebenfalls im Stundentakt verkehren soll. Die Rede ist hier offiziell von Eil- oder Expresszügen, da der heute schon bestehende Begriff Regionalexpress eigentlich eine Markenbezeichnung der Deutschen Bahn ist. Diese Eilzüge sollen ein deutlich schnelleres Reisen zwischen größeren Ortschaften gewährleisten.

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Die Diskussion um die Eilzugverbindungen hatte bereits zum Jahreswechsel für Irritationen gesorgt, weil Heitersheim und Bad Krozingen nicht mehr als Eilzug-Stationen erwähnt wurden. Der Wegfall von Bad Krozingen war angeblich ein Versehen und wurde schnell korrigiert, der Halt in Heitersheim wird derzeit noch geprüft. Allerdings: Weitere Gemeinden, wie etwa Schallstadt und Bad Bellingen, wünschen sich ebenfalls baldmöglichst einen Halbstundentakt.

Kaum Luft für zusätzliche Wünsche

Genau diese Wünsche wiederum lassen nun in Müllheim Befürchtungen laut werden, das Eilzug-Konzept könne in Gänze in Gefahr geraten. Das Problem: Solange das dritte und vierte Gleis noch nicht gebaut ist – und da können noch etliche Jahre ins Land ziehen – muss sich der SPNV die vielbefahrene Rheintalstrecke mit Fern- und Güterzügen teilen. Viel Luft noch zusätzliche Zugverbindungen unterzubringen, gibt es da nicht. Am Ende könnten womöglich die Alternativen nur lauten: entweder Eilzug-Konzept oder Halbstunden-Takt für (fast) alle.

Deshalb ist nun die Fraktion von ALM/Grüne im Müllheimer Gemeinderat mit einem Antrag in die Offensive gegangen. "Die vielfältigen Bedienwünsche kleiner Nachbargemeinden könnten bei der bestehenden Trassenknappheit zu einem völligen Verzicht auf die schnellen Verbindungen zugunsten einer zweiten stündlichen Regionalbahn mit allen Halten führen", heißt es darin. Für Müllheim wäre dies ein klarer Nachteil, so die Argumentation, denn die Stadt erhofft sich von den schnellen Verbindungen eine deutlich höhere Attraktivität für Pendler. So hatte Müllheims Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich gerade erst in ihrer Neujahrsansprache auf die Chancen hingewiesen, mit derartigen schnellen Zugverbindungen näher an Basel heranrücken zu können. Der Antrag der ALM stieß daher bei Siemes-Knoblich, aber auch bei den anderen Gemeinderatsfraktionen auf offene Ohren.

Am Ende stand die einmütige Verabschiedung eines Briefentwurfs der Verwaltung an den baden-württembergischen Verkehrsminister Winfried Hermann. Darin heißt es unter anderem: "Prinzipiell unterstützen wir die Forderungen der kleineren Gemeinden entlang der Rheintalstrecke nach einem halbstündigen S-Bahn- beziehungsweise Regionalbahn-Takt sehr gerne. Dieses Angebot darf jedoch um keinen Preis einen Trassenkonflikt für die schnellen stündlichen Verbindungen zwischen Mittel- und Oberzentren auslösen." Die Müllheimer Verwaltungsspitze verweist darauf, dass die Stadt sehr viele Pendler in Richtung Freiburg und in wachsendem Maß auch Richtung Basel habe. "Ihnen eine schnelle Verbindung anzubieten, ist ein wichtiger Standortfaktor für unsere Stadt. Zudem kann Müllheim durch dieses Angebot zunehmend besser die wichtige raumordnerische Funktion des Ablenkens von Siedlungsdruck aus den Oberzentren einnehmen." Die Schnellverbindungen seien daher, so der Tenor des Briefes, aus Müllheimer Sicht in der Diskussion nicht disponibel.

Zeitsparendes Umsteigen gefordert

In diesem Zusammenhang kommt auch den Überlegungen zu einem Um- beziehungsweise Ausbau des Müllheimer Bahnhofs eine wichtige Rolle zu. Die Müllheimer Wünsche bewegen sich in Richtung eines sogenannten symmetrischen Taktvollknotens. Hinter diesem sperrigen Begriff steckt ein Bahnhof, in den die Züge alle ungefähr zur gleichen Zeit einfahren und so ein bequemes, zeitsparendes Umsteigen ermöglicht wird. Dazu allerdings müsste es am Müllheimer Bahnhof mindestens fünf Bahnsteigkanten geben. Die aktuelle, auch aus anderen Gründen stark umstrittene Planung der Bahn, die sogenannte Antragstrasse im Bereich Müllheim, sieht jedoch nur drei Bahnsteigkanten vor.

Es sei unabdingbar, heißt es daher im Brief an das Verkehrsministerium, "dass das Land die Pläne für einen symmetrischen Taktvollknoten in Müllheim wieder aufnimmt. Den zurzeit in den Planungen zu findenden unsymmetrischen Knoten halten wir in Hinsicht auf die Leistungsfähigkeit des SPNV-Angebotes für bedenklich."

Vertreter aller Fraktionen betonten, dass erst mit dem symmetrischen Taktvollknoten ein wirklich rundes Angebot für den regionalen öffentlichen Personennahverkehr entstünde. Kurze Umsteigezeiten wären auch im Hinblick auf die Anbindung der Nachbarorte wichtig. "Hier tragen wir auch eine Verantwortung für die anderen Gemeinden um uns herum", erklärte Philipp Lang, Sprecher der SPD-Fraktion.

Autor: Alexander Huber